23.04.2014
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Fehlgeleitete Mail von Birgit Kömpel sorgt für Empörung
(mit Update: Spielregeln für Kolumnen)
Region
Liebe Leserinnen und Leser, diese Mail der Bundestagsabgeordneten Birgit Kömpel sollte unsere Redaktion nicht erreichen. Aber sie liegt uns vor, weil die SPD-Abgeordnete sich vertan und sie an uns geschickt hat. Schäbig finden wir den Inhalt. Unaufrichtig finden wir Kömpels Verhalten.

Von: Birgit [...]

Gesendet: Mittwoch, 16. April 2014 16:37
An: [...]
Betreff: Re: Kolumne für Morgen


Wahrscheinlich finden die sich jetzt richtig toll... Das ist schon frech, was die sich so leisten. Wir müssen mal wirklich eine Strategie ausarbeiten, wie wir denen einen Strich durch die Rechnung machen können. Ich treffe mich Morgen zum Frühstück mit Hettler von Fuldainfo und wir schauen mal, ob wir Ideen haben.

Gruß

Birgit Kömpel MdB


[Anm. d. Red.: Fuldainfo ist ein Internet-Organ]



Zum Hintergrund: Seit einigen Jahren bietet unsere Zeitung heimischen Abgeordneten verschiedener Parlamente im Wechsel die Möglichkeit, sich zu vorgegebenen bzw. abgesprochenen Themen in einer Kolumne zu äußern. Damit wollen wir den Abgeordneten die Möglichkeit geben, ihre Sicht der Dinge zu aktuellen Themen darzulegen – und zwar jenseits von Parteipolitik.

Frau Kömpel schrieb vergangene Woche ohne jede Absprache und ohne sich an Vorgaben zu halten. Sie schrieb einen Lobgesang auf die Arbeit der SPD in 100 Tagen großer Koalition.

Aber: Spielregeln gelten für alle. Das haben wir ihr erläutert und diesen Beitrag abgelehnt. Für Sie, liebe Leser, zum Verständnis: In zwei Fällen mussten wir dies in den vier Jahren, die es diese Rubrik gibt, bereits tun. Einmal traf es einen CDU-Mann, einmal eine SPD-Vertreterin. Wie Frau Kömpel in einer offenbar für einen Mitarbeiter bestimmten Mail reagiert hat, lesen Sie oben.

Frau Kömpel soll(te) in Berlin Interessensverwalterin der Bürgerinnen und Bürger ihres Wahlkreises sein. Sie aber überlegt, wie sie einer unabhängigen Tageszeitung und damit auch einem Unternehmen ihres Wahlkreises Schaden zufügen kann – weil eine Redaktion nicht das tut, was sie möchte.

Die Mail der SPD-Bundestagsabgeordneten Birgit Kömpel offenbart uns ihr Medien- und Demokratieverständnis. Deshalb möchten wir sie transparent machen.

Update 17.25 Uhr: Auf den mehrfachen Wunsch unserer Leser veröffentlichen wir hiermit noch den originalen Wortlaut der genannten Spielregeln, wie sie Frau Kömpel von uns erhalten hat:

Sehr geehrte Frau Kömpel,

anbei sende ich Ihnen ein paar Themenvorschläge für die Abgeordnetenkolumne in der kommenden Woche:

- Künftig fünf Pflegestufen: Dringender Reformbedarf bei der Pflegeversicherung?

- Kontroverse um Verkehrsetat: Höhere Investitionen in Straßen und Schienen nötig?

- Aus für Vorratsdatenspeicherung: Wie die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit halten?

- NSA-Ausschuss: Viel Wirbel, wenig Wirkung?

- Krim-Krise: Sanktionen eine Gefahr für die deutsche Wirtschaft?

Der Beitrag sollte - soweit möglich - persönlich gefärbt sein und nicht vorrangig eine Parteiposition wiedergeben.

(...)

Einen Screenshot der Mail können Sie in der Printausgabe oder im E-Paper sehen.

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