21.09.2014
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Freiensteinauer Windpark eröffnet – Große Gegendemo (mit Video)
Freiensteinau
Am Sonntag ist der Windpark Hallo in Freiensteinau eröffnet worden. Windkraftgegner veranstalteten gleichzeitig eine große Gegendemonstration. Wir waren live vor Ort und berichteten in einem Liveticker. Lesen Sie hier alle wichtigen Ereignisse in unserem Minutenprotokoll nach.

+++ 14.55 Uhr +++

Hiermit beenden wir jetzt auch unseren Live-Ticker. Die Feier dauert offiziell noch bis 17 Uhr.

+++ 14.30 Uhr +++

Freiensteinaus Bürgermeister Friedel Kopp (parteilos) und Luftstrom-Chef Michael Häußer haben den Windpark – jetzt wieder bei Regen – soeben eingeweiht. „Dass so viele Leute da sind, zeigt, dass die Mehrheit für erneuerbare Energie ist", sagte Häußer.

+++ 14.22 Uhr +++

Auch Luftstrom-Chef Michael Häußer zog ein positives Zwischenfazit. Es seien trotz des schlechten Wetters deutlich mehr Besucher gekommen als erwartet. Häußer schätzt, dass es etwa 1000 sind. Bis 14 Uhr blieb die Veranstaltung ohne Zwischenfälle. Beide Gruppen behandelten sich respektvoll. Um 14.30 Uhr soll der Windpark offiziell eingeweiht werden.

+++ 13.50 Uhr +++

André Heil, Organisator der Protest-Versammlung, schätzt die Zahl der Demo-Teilnehmer auf 550. Heil von der örtlichen Bürgerinitiative (BI) Pro Lebensraum Blaues Eck zeigte sich hochzufrieden mit dem Verlauf. Die Absagen von Al-Wazir und von Landrat Manfred Görig (SPD) wertete er als Erfolg. „Die Absagen zeigen auch, dass der Windpark Hallo der falsche Weg ist. Mit unser Veranstaltung wollen wir ein Signal nach Wiesbaden und Berlin senden."

+++ 13.20 Uhr +++

Es hat kurz aufgehört zu regnen.

+++ 13.01 Uhr +++

Der Parkplatz der Windkraft-Gegner ist schätzungsweise zwei Kilometer vom Demo-Ort entfernt. Die Kundgebung soll offiziell noch bis 14 Uhr dauern. Die Windkraft-Befürworter haben es dagegen bequemer. Von ihrem Parkplatz müssen sie nur wenige Schritte gehen.

+++ 12.19 Uhr +++

Noch lauter pfeifen die etwa 300 Demonstranten als Ziegler auf die Predigt von Pfarrerin Andrea Wiemer zu sprechen kommt. „Ich bin fassungslos", sagte Ziegler, der auch in seinen weiteren Ausführungen kein gutes Haar an Al-Wazir ließ: „Deutschland macht sich zur Witzfigur, und Al-Wazir ist der größte Witzbold. Dieser Minister ist für Hessen unwürdig."

+++ 11.55 Uhr +++

„Überall im ganzen Land, Windkraft-Geld raubt den Verstand", skandieren die Windkraft-Gegner. Nikolai Ziegler von der Initiative Vernunftkraft erklärte, dass er Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, die Rote Karte für dessen Energiepolitik zeigen wolle. Ein ohrenbetäubendes Pfeiffkonzert ertönte beim Namen des abwesenden Ministers. „Al-Wazir hat wiederholt an der Natur foul gespielt und sich heute selbst vom Platz genommen", sagte Ziegler, der dem Energie-Minister eine dreifache Kriegserklärung unterstellte. „Am Wald, weil er die grüne Lunge zubetoniert. Am gesunden Menschenverstand, weil er mit 5000 Windrädern den Klimawandel aufhalten will. Und an den Dörfern und dem ländlichen Raum, weil er diese als lästiges Gerümpel ansieht. Al-Wazir will unsere Heimat zur Energiestätte machen."

+++ 11.40 Uhr +++

Auf dem Parkplatz der Windkraft-Gegner befinden sich weit mehr Autos als auf dem Parkplatz der Windkraft-Befürworter. Beide Parkplätze sind per Fuß etwa zwei bis drei Kilometer entfernt.

+++ 11.35 Uhr +++

Freiensteinaus Bürgermeister Friedel Kopp (parteilos) sagte, dass neben ökologischen Anforderungen auch wirtschaftliche Vorteile genutzt werden sollen. Mit einem gewissen Stolz führte er aus, dass der Windpark zu 100 Prozent auf gepachteten Gemeindeflächen entstanden sei. Kopp kritisierte zudem die Windkraftgegner. Die Energiewende sei absolut erforderlich. Es könne nicht sein, dass man gegen alles sei und keine Alternativen liefere. Kopp wörtlich: "Nur Protest reicht nicht".

+++ 11.27 Uhr +++

Die Freiensteinauer Pfarrerin Andrea Wiemer (54) hielt die im Vorfeld heftig diskutierte Predigt. Sie habe noch nie vor einer Predigt so viele E-Mails und Anrufe erhalten, sagte sie. Die Predigt wollte sie trotzdem halten, weil "Kirche und Glauben mitten im Leben stattfinden". "Es geht mir nicht um Geld", erklärte sie weiter. "Ich freue mich, dass der Aufbau gut geklappt hat und niemand durch einen Unfall verletzt worden ist." Ob Windenergie gut oder schlecht ist, könne sie nicht beurteilen, sagte die Pfarrerin. "Aber Wind ist reichlich vorhanden, und er ist sauber. Atomenergie ist keine Alternative. Das ist seit Fukushima bekannt."

+++ 11.21 Uhr +++

Luftstrom-Chef Michael Häußer zeigte sich trotz des schlechten Wetters zufrieden mit der Anzahl der Besucher: "Es werden noch mehr kommen."


+++ 11.15 Uhr +++

Hier eine Auswahl von Texten zum Thema (Öffnen mit Klick auf die jeweilige Überschrift):

Online-Fundstück der Woche: Monteure in 140 Meter Höhe

Pfarrerin Wiemer hält trotz Kritik an Gottesdienst im Windpark Hallo fest

Demo gegen Freiensteinauer Windpark: Protestierende reisen mit Bussen an

Turmbau im Freiensteinauer Windpark Hallo

Arbeiten für den Windpark Hallo auf der Zielgeraden

Fundament für erstes Hallo-Windrad in Arbeit

Firma Luftstrom greift für Windpark im Hallo wohl auf alte Genehmigung zurück

Flugsicherung sagt Nein zu Hallo-Plänen


+++ 10.45 Uhr +++

Es regnet derzeit in Strömen. Die Veranstalter haben ein Zelt aufgebaut, das sich langsam füllt. Windkraft-Gegner dürfen nicht auf das Gelände. Am Eingang werden die Besucher gefragt, ob sie Windkraft-Freunde oder Windkraft-Gegner sind. Die Windkraft-Gegner befinden sich etwa 700 Meter entfernt. Sie haben Lautsprecher dabei. Bislang war zum Beispiel „Auf los geht's los", zu hören.

Hintergrund:
Der Freiensteinauer Windpark steht offen in der Kritik. Zur Eröffnung ist schon länger eine Demonstration angemeldet, zu der laut Andrè Heil, dem Organisator der Versammlung, sich bis Anfang September bereits etwa 700 Teilnehmer angekündigt hatten. Die örtliche Bürgerinitiative (BI) Pro Lebensraum Blaues Eck wird zusätzlich von Schöner Ausblick Alsfeld, dem Landesverband Vernunftkraft Hessen und dem Dachverband Gegenwind Main-Kinzig-Kreis/Naturpark Spessart unterstützt. Die Teilnehmer sind aufgerufen, Banner und Plakate mitzubringen. Symbolträchtiger Beginn soll um „5 vor 12" sein.

Der Protest vor allem gegen die jüngste energiepolitische Regierungserklärung von Minister Al-Wazir soll unter dem Motto „Rote Karte für Al Wazir" in Hör- und Sichtweite zum Windfest zum Ausdruck gebracht werden. Kurios ist, dass Al-Wazir für die offizielle Eröffnung des Windparks am Sonntag kurzfristig abgesagt hat. Der Grund ist, dass der Betreiber der neuen Anlagen in Freiensteinau möglicherweise mehr Wald gerodet habe als zulässig, sagte ein Sprecher des Ministeriums in Wiesbaden.

Laut André Heil plant Al-Wazir, die Zahl der hessischen Windkraftanlagen bis 2020 zu verdreifachen. Der Dachverband spricht von 3500 Anlagen, die entstehen sollen. Dafür sei hessenweit eine Fläche erforderlich, die anderthalb Mal so groß wie das Stadtgebiet von Frankfurt sei. Da in den Ballungsgebieten weniger Platz zur Verfügung stehe, gerate vor allem der ländliche Raum unter Druck. So solle nach dem jetzigen Stand des Regionalplans Südhessen allein im Main-Kinzig-Kreis Platz für über 650 Windkraftanlagen geschaffen werden, teilte der Dachverband mit.

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