03.10.2014
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Fulda kämpft gegen illegale Altkleider-Sammler
FULDA
Seit Jahren lockt das Multimillionen-Geschäft mit Altkleidern illegale Sammler an. Sie stellen ihre Container ohne Genehmigung auf. Auch Fulda ist betroffen und wehrt sich gegen sie – alle wird sie jedoch nicht los.

Der Markt für Altkleider in Deutschland ist hart umkämpft. Zahlreiche Sammler konkurrieren um die getragenen Kleidungsstücke und um Jahresumsätze von mehreren hundert Millionen Euro. Die Textilien verkaufen sie an Betriebe, in denen diese sortiert und anschließend als Second-Hand-Ware weiterverkauft oder zum Beispiel zu Lappen verarbeitet werden.

Dieses Geschäft lockt auch viele zwielichtige Sammler an. Zwar gehen Städte und Kommunen mittlerweile gegen Unternehmen vor, die illegal Container aufstellen. Komplett verhindern können sie das jedoch nicht – auch nicht Fulda. „Eine wirkungsvolle Eindämmung der ungenehmigten Aufstellung von Altkleidercontainern gestaltet sich außerordentlich schwierig", antwortete Oberbürgermeister Gerhard Möller (CDU) auf eine Anfrage der CDU-Stadtverordneten-Fraktion.

Nur zwei Organisationen haben eine Genehmigung

In Fulda dürfen eigentlich nur zwei Unternehmen Container aufstellen. Die Namen der Organisationen möchte die Stadt allerdings aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht nennen. Nur so viel: Eine Genehmigung erhält lediglich, wer zu caritativen Zwecken Altkleider sammelt. Kommerzielle Betriebe haben demnach keine Chance. Dennoch zählt Fulda alleine in diesem Jahr etwa 20 unerlaubt aufgestellte Container.

„Äußerlich lässt sich nicht wahrnehmen, ob ein Container genehmigt ist", teilt die Stadt auf Anfrage der Fuldaer Zeitung mit. Der Verband FairWertung gibt auf seiner Homepage allerdings ein paar Tipps, wie Kleider-Spender unseriöse Sammler erkennen können.

Das sollte Sie stutzig machen:

- Manche Sammler werben sehr gefühlsbetont oder mit christlichen Symbolen wie Kreuz oder Kirche. Oft ist der gemeinnützige Zweck jedoch vorgetäuscht.

- Kontaktdaten wie Name und Adresse fehlen.

- Häufig ist nur eine Handynummer angegeben, die nicht vergeben ist oder über die sich ein Anrufbeantworter mit einer Ansage wie „Die Mailbox kann zurzeit keine weiteren Nachrichten annehmen" meldet.

- Vorsichtig sollte Sie auch bei Sammlungen mit Wäschekörben sein. Es handelt sich laut FairWertung meist um gewerbliche Sammler, die gezielt einen Vereinsnamen gemietet haben.

- Problematisch ist auch, dass immer wieder gemeinnützige Organisationen ihren Namen oder ihr Logo gewerblichen Sammlern überlassen. Spender können das nicht erkennen.

Etwa 18.000 illegale Container in Deutschland

„Aktuell stehen geschätzt etwa 18.000 illegale Altkleider-Container in Deutschland", teilt FairWertung der Fuldaer Zeitung mit. „Jedoch mit sinkender Tendenz." Insbesondere in den Metropolen habe sich die Anzahl verringert, da diese erfolgreich gegen ungenehmigte Container vorgingen. Auf dem Land sei das jedoch noch anders.

Der Anreiz für illegale Sammler ist groß. Mittlerweile sortieren die Deutschen jährlich bis zu eine Million Tonnen Textilien aus. Vor einigen Jahren waren es nur 750.000. Für eine Tonne erhalten Sammler schon einmal mehr als 400 Euro – davon müssen sie jedoch noch ihre Kosten abziehen. FairWertung schätzt, dass Altkleider-Sammler jedes Jahr in Deutschland 300 bis 400 Millionen Euro umsetzen.

Grundstückbesitzer können Strafanzeige stellen

Um Sammlern ohne Genehmigung das Geschäft zu verderben, greifen Städte und Kommunen zu unterschiedlichen Maßnahmen. In Fulda wird für illegal aufgestellte Container ein Bußgeld von 88,50 Euro fällig. Entfernt ein Betrieb solche Container nicht innerhalb von sieben Tagen, räumt die Stadt sie eigenhändig ab.

Und wie können sich Grundstückbesitzer wehren? Werden auf deren Privatbesitz Altkleidercontainer ohne Absprache aufgestellt, sollten diese die Polizei rufen. Dann können sie Strafanzeige stellen. An die Stadt müssen sich die Besitzer jedoch nicht wenden.

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