21.01.2015
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Kein Schicksal: Potenzstörungen sind oft heilbar
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Es klappt nicht. Beim Liebesspiel wird sein Penis nicht steif – oder bleibt für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr nicht standhaft. Sie ist enttäuscht, er aber noch viel mehr. Für ihn kann das ein Erlebnis sein, das fortan schon fast traumatische Züge annimmt. Versagensangst stellt sich ein. Er erfindet Ausflüchte, damit es erst gar nicht zu körperlichen Kontakten mit ihr kommt. Statt Ursachenforschung zu betreiben, wollen sich viele Männer ihr Problem nicht eingestehen. Dabei kann ihnen geholfen werden.

Fachleute sind sich einig: Wenn die Erektion mal ausbleibt, ist das – aus medizinischer Sicht – kein Drama. Erst wenn eine fortwährende Unfähigkeit für eine Penis-Versteifung auftritt, liegt eine Störung vor. In der Fachsprache ist dann von erektiler Dysfunktion die Rede. „Von einer Störung spricht man erst, wenn sie seit mindestens sechs Monaten besteht", sagt Norbert H. Brockmeyer. Er ist Leiter des Zentrums für Sexuelle Gesundheit und Medizin der Dermatologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum.

„Störungen der männlichen Gliedsteife sind in erster Linie der natürlichen Alterung geschuldet", erklärt Wolfgang Bühmann, Facharzt für Urologie und Pressesprecher des Berufsverbandes der Deutschen Urologen (BDU). Ab dem 45. Lebensjahr lässt die Elastizität der Blutgefäße im Penis nach, der Blutzufluss wird gedrosselt und der Blutabfluss beschleunigt. „Jeder dritte Mann jenseits der 40 hat schon mal eine Erektionsstörung erlebt", sagt Ursula Sellerberg, Sprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) unter Verweis auf Untersuchungen.

Psychologische oder organische Ursachen

Die Ursachen einer erektilen Dysfunktion seien vielfältig, erklärt Brockmeyer. Man könne sie grob in zwei Gruppen einteilen: einerseits psychologische Ursachen, andererseits organische Veränderungen. Die häufigsten organischen Auslöser sind Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfett- und Blutzuckerwerte sowie Durchblutungsstörungen. „Auch übermäßiger Alkohol- und Nikotingenuss können Auswirkungen auf die männliche Potenz haben", sagt Sellerberg. Im Bereich der psychischen Ursachen finden sich laut Brockmeyer neben Paar- und Partnerkonflikten häufig Depressionen sowie Angststörungen. „Aber auch starke berufliche Belastung oder eine Herzschwäche können Potenzstörungen auslösen", sagt Bühmann.

Bei der Lösung des Problems geht es zunächst einmal darum, dass es sich der Betroffene selbst eingesteht und darüber auch mit seiner Partnerin oder seinem Partner redet. „Im Schnitt brauchen Männer drei Jahre, bis sie das Problem „outen" und ärztliche Hilfe suchen", berichtet Bühmann. Dann beginnt die Ursachensuche. „Vorrangiges Ziel der Therapie muss die Behandlung der zugrunde liegenden Störung oder Erkrankung sein", betont Brockmeyer. Erektionsstörungen, die nach Verletzungen der Wirbelsäule oder Nervenversorgung auftreten, müssen von einem Neurologen abgeklärt werden. Gegebenenfalls sollte auch eine Psychotherapie in Erwägung gezogen werden.

Vorsicht bei Medikamenten

Auch erektionsstärkende Medikamente kommen in Betracht. „Hierbei handelt es sich etwa um Präparate mit Arzneistoffen wie Sildenafil, Tadalafil oder Vardenafil", zählt Sellerberg auf. Diese und andere Medikamente sind rezeptpflichtig und sollten nur nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden. Laut Brockmeyer lassen sich Medikamente auch in Form eines Gels über die Harnröhre einzuführen. Andere Arznei-Lösungen werden unmittelbar vor dem Sexualakt in den Schwellkörper gespritzt.

„Daneben gibt es auch eine Vakuum-Erektionshilfe", erläutert Bühmann. Der Vorteil dieser kleinen Pumpe: Sie ist einfach zu handhaben und verursacht keine Nebenwirkungen. „Welches Präparat optimal ist und welcher Verabreichungsweg sich eignet, ist eine Einzelfallentscheidung und mit dem Arzt zu besprechen", so Brockmeyer.

Vorsicht gilt bei vermeintlichen Hilfen aus dem Internet. „Solche Mittel können gefälscht sein und sind bestenfalls wirkungslos", warnt Bühmann. Wer potenzsteigernde Mittel einnehmen möchte, sollte in jedem Fall vorher mit einem Arzt oder Therapeuten sprechen. „Auch in Apotheken wird diesbezüglich beraten", sagt Sellerberg. Um sich vor unliebsamen Mithörern am Tresen zu schützen, können Ratsuchende den Apotheker bitten, mit ihm ein Gespräch unter vier Augen zu führen.

„Am wichtigsten ist, darüber zu sprechen"

In der Partnerschaft gilt, dass der Betroffene seine Ängste und Sorgen enttabuisiert. „Am wichtigsten ist, darüber zu sprechen", erklärt Brockmeyer. „Der Partnerin oder dem Partner sollte vor allem verdeutlicht werden, dass die Ursache nicht mangelndes Verlangen ist", sagt Bühmann. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass der Partner den Fehler bei sich sucht und sich gegebenenfalls sogar unattraktiv fühlt. Der Partner sollte Verständnis zeigen und den Betroffenen nicht unter Druck setzen. Wichtig ist auch die Klärung der gegenseitigen Bedürfnisse und Wünsche. „Ehrlichkeit und Offenheit sind wesentliche Voraussetzungen für Besserung, gefolgt oder ergänzt durch ärztliche Beratung und Behandlung", so Bühmann. / dpa

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