02.09.2015
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„Wir wollen einfach nur arbeiten“: Sozialminister Grüttner besucht Projekt Migranten in Arbeit
Schlüchtern
Migranten in Arbeit – kurz MIA – nennt sich ein neues Projekt, das Asylbewerber, die Arbeitslosengeld II beziehen, an das Bauhandwerk heranführen soll. Der hessische Sozial- und Integrationsminister Stefan Grüttner (CDU) war gestern vor Ort auf der Lehrbaustelle in Schlüchtern.

Von unserem Redaktionsmitglied Julia Kreß

„Heute geht es um einen Bereich, der jenseits der aktuellen Flüchtlings-Problematik liegt“, erklärt Hessens Sozialminister Stefan Grüttner zu Beginn seines Besuchs auf der Lehrbaustelle in Schlüchtern. Heute gehe es um die, die bereits einen Aufenthaltsstatus haben. „Welche Perspektiven bietet sich ihnen?“, laute die Frage.

Diese stellte sich auch der Main-Kinzig-Kreis, vertreten durch die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler. „Im Februar haben wir – die Kreishandwerkerschaft, die Agentur für Arbeit – zusammengesessen und überlegt, wie wir auf Kreisebene Migranten mit Anerkennungsstatus ins Arbeitsleben holen können“, erzählt Simmler. So sei das Projekt „Migranten in Arbeit“ (MIA) in Zusammenarbeit mit der Kreishandwerkerschaft Gelnhausen-Schlüchtern, Bildungspartner Main-Kinzig und der Gemeinnützigen Gesellschaft für Arbeit Qualifizierung und Ausbildung des Kommunalen Centers für Arbeit und Soziales (AQA) entstanden.

Bauhandwerk vermitteln und Sprachkenntnisse vertiefen

„Seit 17. August vermitteln vier Ausbilder 17 Teilnehmern aus sechs Nationen Grundlagen im Bauhandwerk“, berichtet Simmler. Zeitgleich soll die Sprachkompetenz gesteigert werden – sowohl in einem Deutschkurs, der jeden Freitag drei Stunden stattfindet als auch direkt auf der Lehrbaustelle. „Wir bauen auf vorhandene Fertigkeiten und Kenntnisse auf und fragen vorher, welche Qualifikationen und Abschlüsse vorhanden sind“, erklärt Simmler.

Das Projekt dauert insgesamt acht Monate, die Teilnehmer arbeiten 30 Stunden die Woche. Nach einer zweiwöchigen Einführungsphase arbeiten die Migranten, die ein Recht auf Asyl und eine Arbeitserlaubnis haben, zunächst vier Wochen auf der Lehrbaustelle in Schlüchtern. Hier lernen sie die Grundlagen des Tief- und Trockenbaus sowie Stahlbeton, Bewehrung und Beton kennen. Im Anschluss sind sie zwölf Wochen in der Werkstatt der AQA, wo Holzbau und Schalung, Mauerwerksbau und Fliesen auf dem Stundenplan stehen. Im Anschluss besuchen die Migranten erneut für acht Wochen die Lehrbaustelle. Am Ende der achtmonatigen Qualifizierung schließt sich ein vierwöchiges betriebliches Praktikum an sowie ein zweiwöchiges Training zur Selbstvermarktung auf dem freien Arbeitsmarkt. „Ein anschließender Ausbildungsplatz ist das Ziel“, erklärt Helmtrud Abs vom AQA.

Bei Erfolg auch an anderen Orten starten

„Sie haben hier einen kommunalen Weg gefunden, sich um die Migranten zu kümmern. Es ist notwendig, bei all der aktuellen Problematik, nicht die zu vergessen, die schon länger in Deutschland sind“, meint Sozialminister Grüttner. Es sei ein Experiment, das bei Erfolg durchaus auch in die Fläche getragen werden sollte, damit auch andere davon profitieren können.

Im Anschluss besucht Sozialminister Grüttner die Teilnehmer auf der Lehrbaustelle. Gut die Hälfte von ihnen lebt mit ihren Familien in Deutschland. Sie haben zum Teil studiert oder andere Berufe gelernt. „Aber wir wollen einfach arbeiten und Geld verdienen“, sagt einer der Männer im Gespräch mit Grüttner und Simmler.

„Die Teilnehmer sind hoch motiviert, sie wollen integriert werden. Wir waren sehr verblüfft, wie gut sie schon Deutsch sprechen“, berichtet Ausbilder Karsten Ullrich. Damit sie ihre Sprachkenntnisse verbessern, wird auf der Baustelle nur deutsch gesprochen.

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