18.03.2016
|
TV-Konzept vs. Realität: Wie läuft das Eidmann‘s im Jahr nach Rosin?
Fulda
Vergangenen Frühling krempelte Fernsehkoch Frank Rosin die Fuldaer Gaststätte Eidmann‘s – damals noch Academica – um. Ein Jahr nach Rosin blickt Eigentümer Alexander Eidmann mit gemischten Gefühlen darauf zurück. Nachhaltig sei das Konzept des TV-Kochs nicht gewesen – besonders habe Rosin ihn aber menschlich enttäuscht.

Von unserem Redaktionsmitglied Markus Kubiak

Vor ziemlich genau einem Jahr klingelte das Telefon von Alexander Eidmann. Am Apparat war die Küchenchefin seines Lokals, dem damaligen Academica. „Du musst unbedingt herkommen. Es gibt etwas wichtiges zu entscheiden“, sagte sie. Das war gelogen – in doppelter Hinsicht. Eigentlich stand Fernsehkoch Frank Rosin bei ihm in der Küche, und zu entscheiden hatte Eidmann von dem Moment an erst einmal auch nicht mehr viel.

Eidmann hatte sich für die Kabel-1-Sendung „Rosins Restaurants“ beworben. Nach zwei Jahren lief der Laden an der Leipziger Straße nicht mehr rund: Stammpublikum ja, aber neue Kunden? Fehlanzeige. „Wir haben Stillstand verspürt, etwas neues musste her“, erinnert sich der Gastronom. Die passenden Ratschläge erhoffte er sich von Starkoch Rosin. Er tat wie geheißen: Neuer Name, neue Möbel, neue Speisekarte. Der Laden war voll, die TV-Rettung perfekt.

Neid und üble Nachrede folgten

Das war vergangenen März, im Juli desselben Jahres lief die Sendung dann im Fernsehen. Es folgte ein Ansturm, der nicht zu bändigen gewesen sei. „Die Leute haben uns die Bude eingerannt“, so Eidmann. Schnell merkte er jedoch: „Die Leute kommen wegen uns, nicht wegen des Essens“. Ende vergangenen Jahres war der Boom auf das Academica, das Rosin zum Eidmann‘s umgetauft hatte, vorbei.

Nach Besuch von Starkoch Rosin: Fuldaer Restaurant Eidmann’s abends richtig voll

Was blieb, war die Aufmerksamkeit, die Familie Eidmann noch heute auf sich zieht. Post aus aller Welt, Tuscheln am Nachbartisch, ungläubige Blicke – daran haben sich Alexander, Ute und Tochter Celina gewöhnt. Besonders schnell machte die Nachricht unter Celinas Bekannten die Runde. Die heute 18-Jährige geht noch zur Schule. „An dem Abend haben mir bestimmt 20 Leute geschrieben, dass ich im Fernsehen zu sehen sei“, berichtet die junge Frau. Negatives sei ihr dabei zwar nie zu Ohren gekommen. Dennoch: Die Sendung hat sie sich bis heute kein einziges Mal angeschaut.

Im Gegensatz dazu sind Celinas Eltern durchaus Boshaftigkeiten ausgesetzt. „Regelmäßig verabschieden sich Gäste von uns, weil sie gehört haben, dass wir bald schließen“, so Chef Alexander Eidmann. Dass es nach der Show Neid geben werde, sei ihnen aber bewusst gewesen. „Die Hauptsache ist, dass die Leute über einen Reden – positiv, wie negativ.“

Nachhaltiges Konzept?

Neben Aufmerksamkeit und der neue Namen ist ein Jahr danach nur noch wenig von Rosin übrig. So schrumpfte Rosin die Speisekarte von 70 auf 14 Gerichte zusammen. Eidmann protestierte, doch der TV-Koch und sein Team zogen ihr Konzept durch. Eine Woche dauerte es, dann standen Burger, Pommes und Schnitzel wieder auf der Speisekarte. „Die Gäste haben ununterbrochen danach gefragt. Uns blieb keine andere Wahl“, rechtfertigt dies der Gastronom.

Ähnlich sieht es mit dem Mobiliar aus, womit optisch ein Neuanfang gesetzt werden sollte. Schon in der Sendung beschwerte sich Eidmann massiv darüber. Insbesondere mit den Sitzen war er überhaupt nicht zufrieden. „Stühle wie in der Mensa“, schimpft Eidmann. Auch sind die weißen IKEA-Stühle ein Jahr danach bereits sichtbar abgenutzt. Die Lehnen haben sich durch die Reibung schwarz verfärbt. Zudem dehnen die Stühle sich gefährlich, sobald jemand darauf Platz nimmt. „Ich habe schon gemerkt, wie kräftigere Leute aus Angst, die Stühle könnten zusammenbrechen, zu unseren alten Sitzen gegriffen haben.“

Drei bis vier Beschwerden über die Stühle pro Woche seien normal. Deswegen will Eidmann auch unter dieses Kapitel schnell einen Schlussstrich ziehen: „Die werden so schnell wie möglich ersetzt.“ Dabei hatte Rosin noch vollmundige Versprechungen abgegeben: „‘Sie werden den Gästen gefallen‘, hatte er mir noch versprochen.“

Menschlich von Rosin enttäuscht

Gerne hätte Eidmann den Sternekoch selbst vom Gegenteil überzeugt. Immerhin war Rosin vor wenigen Wochen wieder in der Region unterwegs. Diesmal rettete er ein Restaurant in der bayerischen Rhön. „Genau in der Zeit hatten wir im Eidmann‘s eine Veranstaltung, an dem ich Bilanz gezogen habe“, erklärt der Gastronom. Rosins Produktionsfirma habe davon gewusst, gekommen seien sie jedoch nicht. Enttäuschend für Eidmann: „Mich persönlich würde es interessieren, was aus meiner Arbeit geworden ist.“

Rosins fieser Trick: So wollte der TV-Koch das Eidmann’s in Fulda in den Dreck ziehen

Doch alles schlecht reden wolle er nicht. Die Gerichte des TV-Kochs seien nach wie vor der Renner. „Wir haben Ungarn in der Nachbarschaft. Die sagen, unser Gulasch schmeckt besser als daheim“, lobt Eidmann die Kochkünste Rosins. Außerdem habe die Gastronomenfamilie seit dem Besuch keine Scheu vor neuen Ideen. Inzwischen ist das Eidmann‘s zu einer Art Event-Gastronomie geworden. Wöchentlich gibt es Themen- und Musikabende. Für den Sommer baut Eidmann gerade an einer Grillstation im Biergarten. „Durch Rosin ist uns bewusst geworden, dass man immer am Ball bleiben muss“, erklärt der Chef.

Auch deswegen würde er nochmals bei der Sendung mitmachen. „Das Unternehmen hat Erfolg, wir sind gut ausgelastet – das zählt“, zieht Eidmann Bilanz. „Nur würde ich mit der Erfahrung jetzt bei Entscheidungen der Produktionsfirma viel stärker gegensteuern.“

Hier geht es zur Folge „Rosins Restaurants“ mit dem Eidmann‘s:
Rosins Restaurants - Trauerspiel im Academica

Aktuelle Aktionen