12.08.2012
|
Hinrichtung? Mord an Grenzschtzer Plschke bis heute mysteris
Im August 1962, ein Jahr nach dem Bau der Berliner Mauer, riegelt die DDR auch die Grenze zwischen Hessen und Thringen dicht ab. Dabei treffen am 14. August Posten aus Ost- und Westdeutschland aufeinander. Es fallen Schsse. Ein Hauptmann der DDR-Grenztruppen stirbt. Der Fall wird nie restlos geklrt. Jahre nach der Wende wird der Schtze selbst erschossen.

Zwischen dem hessischen Rasdorf-Setzelbach (Kreis Fulda) und dem thringischen Geisa-Wiesenfeld (Wartburgkreis) bauen 200 DDR-Grenzsoldaten einen stabilen Grenzzaun. Der damals 23 Jahre alte Oberjger des Bundesgrenzschutzes (BGS), Hans Martin Plschke, befindet sich mit zwei Kameraden gegen elf Uhr vormittags auf einem Inspektionsgang, als Schsse fallen. Ein Kompaniechef der Grenztruppen, der 35 Jahre alte Hauptmann Rudi Arnstadt, schiet ohne Vorwarnung mit einer Pistole in Richtung Westen.

Mglicherweise gelten die Schsse gar nicht der BGS-Streife. Es ist gut mglich, dass der DDR-Hauptmann den Fluchtversuch eines Soldaten unterbinden will. Tage zuvor war in diesem Abschnitt einem DDR-Grenzer die Flucht gelungen.

Die BGS-Patrouille sieht sich als Ziel der Attacke. Plschke erwidert das Feuer. Eine Kugel trifft Arnstadt oberhalb des rechten Auges tdlich. Plschke erklrt spter, er habe nicht gezielt, sondern sei nach den Schssen aus dem Osten herumgefahren und habe aus der Hfte mit dem Schnellfeuergewehr einfach abgedrckt.

Die Staatsanwaltschaft Fulda ermittelt und stellt das Verfahren dann im Oktober 1962 ein: Plschke habe in Notwehr gehandelt. Die DDR hingegen spricht von einer westdeutschen «Provokation» und «Bonner Mrdern».

Wer den tdlichen Schuss abgab, blieb geheim. Der Schtze und die Behrden schwiegen. Plschke schied 1970 aus dem BGS aus und baute im nahen Hnfeld eine Taxifirma auf. Aus Furcht vor Rache aus dem Osten fhrte er oft eine Waffe mit sich. «Ich hatte die meiste Angst davor, dass die meine Kinder entfhren», sagte der fnffache Vater 1997 in einem Fernsehinterview zum 35. Jahrestag der Schsse. Darin bekannte sich Plschke erstmals ffentlich, 1962 den tdlichen Schuss auf den DDR-Grenzer abgegeben zu haben.

Sieben Monate spter ist er tot. Am 15. Mrz 1998 ist er nachts als Taxifahrer unterwegs. Um 4.10 Uhr wird er, 70 Meter von seinem BMW entfernt, erschossen. Die Kugel trifft ihn - so wie den Grenzer Arnstadt - oberhalb des rechten Auges. Nur Zufall? Der Tatort, ein Feldweg an der Bundesstrae 84 zwischen Hnfeld und Neuwirtshaus, ist nur acht Kilometer vom Tatort des Jahres 1962 entfernt.

Der Mrder raubt weder Geld noch Papiere, obwohl die Geldbrse sichtbar im Auto steckte. Die «Fuldaer Zeitung» schreibt von einer «Hinrichtung». Vom Tter fehlt jede Spur. 2008 stellen Spezialisten des Hessischen Landeskriminalamts am Auto des Opfers und an dessen Kleidung mit neuen Methoden DNA-Spuren fest. Aber auch das bringt sie nicht weiter.

«Wir sind mehr als 100 Spuren nachgegangen - ohne Erfolg», sagt Staatsanwalt Harry Wilke. Auch die Mglichkeit, dass der Mord von 1998 ein Racheakt sei, sei dabei intensiv geprft worden. Konkrete Hinweise fr die Annahme habe es aber nicht gegeben. «Die Akten werden nicht weggelegt. Wenn es neue Spuren gibt, gehen wir ihnen nach. Das ist aber nicht sehr wahrscheinlich», so Wilke. Der Fall bleibe im Blick der Fuldaer Ermittlungsbehrden. Denn Mord verjhrt nicht.
Ziehen sie die Portlets mit der Maus um sie zu platzieren. (Drag'n Drop)
  • 1
    Videos
  • 2
    Videos