12.09.2012
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Blumen-Marschall schliet fr immer
Eigentlich wollten Seniorchef Ewald Marschall (66) und seine Frau Magdalene jetzt im September mit ihrer treuen Kundschaft das stolze Jubilum begehen, doch die Feiern wurden abgesagt: Stattdessen stellt die Grtnerei zum Ende des Monats ihren Betrieb ein. Marschall und sein Sohn Daniel sind zusammen mit Mitarbeitern an diesem Morgen gerade dabei, die Gewchshuser zu leeren und fr den Rumungsverkauf vorzubereiten. Der sollte eigentlich am Freitag starten, wurde aber auf das Monatsende verschoben.

Daniel (36) packt krftig mit an, sagt, was zu tun ist, doch man merkt, dass der zwar gutartige, doch stark wachsende Tumor, der an seiner Wirbelsule sitzt, sowie die Behandlung aus Spritzen und Bestrahlung an seinen Krften zehren. „Danach bin ich immer ganz down und schlfrig“, erzhlt er. Daniel muss sich jetzt erst einmal darum kmmern, wieder gesund zu werden. „Ich sehe nicht schwarz, es ist der richtige Schritt“, sagt er. Damit meint er die Geschftsaufgabe, die bei vielen Kunden fr „groes Entsetzen“ gesorgt hat, wie Ewald Marschall erfahren hat. Wo sollen sie im Frhjahr ihre Pflanzen fr Beet und Balkon holen?

Marschall hat einen guten Namen, stand fr 1-A-Qualitt und war viele Jahre eine der Top-Adressen in Hessen, wie der Seniorchef betont. „Viele tausende Kunden vom Vogelsberg bis Fulda und Bad Hersfeld“ zhlte die Grtnerei. Wenn im Mai die Gartensaison begann, strmten tglich bis zu 500 Kunden in den Haselgrund. Der Opa von Daniel begann vor 65 Jahren mit dem Anbau und dem Verkauf von Gemse und Schnittblumen, seit fast 50 Jahren ist Ewald Marschall im Betrieb.

Vor knapp zehn Jahren stieg Daniel ein, „machte“ seinen Meister und seinen Gartenbautechniker. Mit dem Landschaftsbau, der Dauergrabpflege, Innenraumbegrnungen und Konzepten fr die Gartenbewsserung verlagerte der Junior das Geschft mehr Richtung Dienstleistung, um  ein weiteres Standbein zu schaffen. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs auf 12 bis 14. „Wir waren voller Freude, dass unser Sohn mit Wissen und Strke in allen Bereichen das Unternehmen voranbringen wollte“, sagt Ewald Marschall. Doch dafr fehlen Daniel nun Kraft und Zeit.

„Wir htten noch einmal komplett umschwenken mssen, und das kann ich von meinem Vater nicht verlangen“, sagt Daniel. Auch dieser findet: „Ich denke, nach 50 Jahren mit vielen Sieben-Tagen-Wochen haben meine Frau und ich es verdient, etwas krzer zu treten.“ Und jetzt sei noch die Gelegenheit, selbstbestimmt ber die Zukunft zu entscheiden, bevor die krankheitsbedingten Ausflle des Sohnes zu einem wirtschaftlichen Problem werden. In diesem Zusammenhang rgern sich die Marschalls ber viele Gerchte, die zuletzt die Runde gemacht htten: „Da war von Insolvenz die Rede. So ein Bldsinn“, sagt Daniel.

berlegung fr Wohnhuser

Die Grtnerei wird wohl nicht lange brach liegen: Laut Marschall gibt es bereits mehrere ernsthafte Interessenten, die die 5300 Quadratmeter umfassende Immobilie kaufen wollen, um darauf Wohnbebauung zu errichten. Von seniorengerechten Wohnungen ist die Rede. Schon am Mittwochabend im Bauausschuss wird es dazu eine Vorlage geben. Auch ein Nachbar berlege, sein Haus zu veruern, sagt Marschall, dann wren es fast 7000 Quadratmeter. Bis Ende des Monats soll entschieden sein, wer den Zuschlag erhlt.

Auch wenn die Schlieung auf einen persnlichen Schicksalsschlag zurckgeht, so sehen Vater und Sohn ihre Branche doch generell unter groem Druck: „Zwischen Hersfeld und Schlchtern waren wir im Kreisverband mal 48 Grtnereien, jetzt sind es noch 23“, sagt Ewald Marschall. Die hohen Energiekosten und der Preiskampf im Einzelhandel setze vielen zu. Auch Nachwuchsprobleme gebe es.

So ganz will Marschall Senior seinen geliebten Beruf dennoch nicht ruhen lassen: „Vielleicht werde ich auch im Ruhestand einmal die Woche eine Pflanzenberatung anbieten. Die Kunden sind dafr immer so dankbar.“ Sein Sohn macht sich ber seine berufliche Zukunft erst einmal keine Gedanken: Er muss jetzt einfach nur gesund werden.
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