13.09.2012
|
Schriftsteller Helge Timmerberg faszinierte Fuldaer
Doch Reiseschriftsteller Helge Timmerberg (60) verriet am Dienstagabend in Fulda, dass das Leben in vlliger Freiheit auch nicht immer einfach ist. Die einen schwren auf den Cluburlaub all inclusive. Die anderen bevorzugen das Freiheitsversprechen des familienfreundlichen Campingplatzes. Helge Timmerberg hat mit alldem nichs zu tun. Der Buchautor und fr viele groe Magazine arbeitende Reporter ist seit mehr als 40 Jahren ein rastlos Reisender – doch einer, der sich ohne Rcksicht auf eigene Verluste auf all die fremden Welten einlsst. Und einer, der das eigene Tun nicht glorifiziert, sondern selbstkritisch – und selbstironisch – hinterfragt, wie er bei seiner Lesung in der Fuldaer Red Coridor Gallery bewies.

Dorthin war die benachbarte Ulenspiegel-Buchhandlung ausgewichen, um ihren prominenten Gast anlsslich ihres 30-jhrigen Bestehens zu prsentieren. Und der erwies sich als perfekte Wahl, denn Timmerberg zeigte sich bestens gelaunt, spontan und uerst amsant. Seinen Lesung machte er halb zur gestenreichen, energischen Leseperformance, halb zum anekdotenreichen Gesprch unter rund 50 neuen Bekannten.

„African Queen“ lautet der Titel seines aktuellen Buches, aus dem er laut Ankndigung htte lesen sollen. Doch dann begann der 60-Jhrige nicht auf dem Schwarzen Kontinent, sondern ganz woanders. Bei seinen Anfngen als Reisender und den schneebedeckten Bergen der Osttrkei nmlich, als der 17-Jhrige in Begleitung einiger Gleichgesinnter auf dem Weg nach Afghanistan seine ersten kulturellen Lektionen lernte.

 Im berlandbus wollten damals ein paar Kurden seine Meinung ber Mohammed erfahren. Und der Jugendliche, der gerade Hermann Hesse fr sich entdeckt hatte, antworte naiv:gut, ebenso wie Buddha, Jesus und andere Propheten. „Wir sind alle gleich!“, befand er harmoniebeseelt.  Und stellte umgehend fest, dass „sechs Hippies schwcher sind, als vier Mohammedaner“. Denn die setzten den Fremden angesichts der unbefriedigenden Antwort umgehend in der Unwirtlichkeit des eiskalten Kurdistans aus – wo er die Wlfe heulen und die eigenen Zhne klappern hrte. Eine Ausnahmesituation. Doch der Drogenkenner Timmerberg hat erkannt:„Adrenalin ist der letzte Joker des Lebens.“

Und er hatte noch mehr zu bieten. Eine allzu lange Taxifahrt in Tel Aviv etwa. Eine Insider-Geschichte ber den Kokainhandel von Kolumbien nach Polen. Den Besuch bei einer rumnischen Hexe. Und schlielich Voodoo-Zauber im Senegal. Das beste an alldem: „Es stimmt alles!“ Denn fr Erfindungen, so der gebrtige Nordhesse, „fehlt mir die Fantasie“.

Braucht er auch nicht. Seine Reiseerzhlungen sind fantastisch genug. Und gehen weit ber konventionelle Betrachtungen von Land und Leuten hinaus. So fragt er sich etwa bei einem gemeinsamen Spaziergang mit einem Lufthansa-Piloten durch die Gassen von Senegals Hauptstadt Dakar, wo denn nun seine eigene Freiheit liegt. Und kommt zu eher zwiespltigen Schlssen. Doch gerade diese Reflexionen machen zusammen mit dem Witz und dem fabelhaften, temporeichen Stil die einzigartige Klasse Helge Timmerbergs aus.
Ziehen sie die Portlets mit der Maus um sie zu platzieren. (Drag'n Drop)
  • 1
    Videos
  • 2
    Videos