24.09.2012
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Deutsche Premiere der Oper Abai zum Saisonstart in Meiningen
Wie kommt die Geschichte von Romeo und Julia in Zeiten des Umbruchs  aus der kasachischen Steppe nach Sdthringen: Intendant Ansgar Haag legt den Grundstein fr die Kultrbrcke, als er vor zwei Jahren in Almaty die erste „Fidelio“-Inszenierung Zentralasiens  verantwortet. Dabei lernt  er das Volksepos „Abai“ kennen.Mit ihm haben die Komponisten Achmet Schubanow und Latif Hamidi dem Philosophen, Dichter, Komponisten  und Aufkrer Abai, dem „Goethe Kasachstans“, ein musikalisches Denkmal gesetzt. Ein tollkhnes Unterfangen whrend der Stalin-Diktatur, zumal die Botschaft lautet: Alte Gesetze taugen nicht fr die Zukunft. Seit Jahrzehnten wird die Saison im Opernhaus von Almaty mit „Abai“ erffnet.

 Die Islam-Oper geielt die Brutalitt der Scharia und postuliert eine neue, humane Gesellschaftsordnung.  Wie  bengstigend aktuell die Thematik ist, belegen allein die Stichworte Fremdenfeindlichkeit, Liebe zwischen unterschiedlichen Religionen und  Ehrenmord. Das knapp zweistndige Werk  erzhlt zwei Geschichten: die des Liebespaares  Ajdar und Azar, die unter den brutalen muslimichen Moralvorstellungen leidet; und die des berhmten Dichters, mit Wagners Hans Sachs durchaus verwandt. Abai rettet beide vor der Lychjustiz  und erreicht reinen fairen Prozess samt Freispruch.  Whrend der Hochzeitsfeier fllt Ajdar  einem Giftanschlag der muslimischen Verschwrer zum Opfer.

Die  romantisch-schwermtige Musik komponierten Hamidi  und  Schubanow, ein Schler von Schostakowitsch. Schubanow, der den Stoff in die Welt der Steppe verlegte, wurde inspiriert von  Wagner, Rimsky-Korsakoff und Prokofieff,  vor allem von Puccini  und von  der italienischen Oper.  Leidenschaft und Pathos,  dichte Klangteppiche, slich-orientalische Effekte, ppige Streicher und tosendes Blech prgen die Partitur, die Chor und  Solistenen  beste Entfaltungsmglichkeiten bietet.  Was die Meininger auf der Bhnen und im Orchestergraben weidlich nutzten. Bei Alan Buribayev ist die Musik in den wahrlich besten Hnde. Wer wre wohl kompetenter als der gebrtige Kasache und Urenkel des Komponisten Schubanow?

Regisseur Ansgar Haag, der   die einfache Handlungsstruktur der Vorlage  beibehlt,   hat sich  von Dieter Richter einen typische sowjetischen Kultursaal  bauen lassen. Aydar ist kein Mythenerzhler mehr, wie im Original, sondern ein sozialrevolutionrer Filmemacher, der sich in eine Muslimin verliebt. Whrend es der Inszenierung anfangs an Kompaktheit und Tempo  mangelt,  werden das Hochzeits- und das Sterbebild regiert von Spannung, Dramatik, von brausenden Chren und von vorzglich gesungenden Arien und Ensembles. Dabei berraschen  einmal mehr der  von Sierd Quarr betreute  Chor und  die durchweg hohe Qualitt der Solistinnen und Solisten: Vokale Erfolgsgaranten sind Paradebariton Dae-Hee Shin (Abai), Bariton Ernst Garstenauer (Syrttan), Bassbariton  Stephanos Tsirakoglou (Zirensch), Tenor Xu Chang (Asm),   Sopranistin Camila Ribero-Souza (Azar)) und ganz besonders Tenor Rodrigo Porras Garulo (Ajdar),  in allen Lagen souvern. Ein Dauer-rgernis ist die grauenhafte  bersetzung ins Deutsche, nie kompatibel mit der Musik. Dieses Manko tut dem  jauchzenden Jubel nach der zweiten Premiere am Sonntag keinen Abbruch.

Weitere Auffhrungen   am 23. und 29. September sowie am 7. und 20. Oktober. Karten (10 bis 32,50 Euro) unter Tel. (0 36 93) 45 12 22.
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