05.10.2012
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Sinntaler Arzt gibt Praxis auf
„Sehr geehrter Anrufer. Sie sind mit dem Anrufbeantworter der Praxis Wendt in Oberzell verbunden. Ab dem 1. Oktober 2012 bleibt meine Vertragsarztpraxis geschlossen. Vielen Dank fr ihren Anruf.“ Diese Worte hren Patienten, die die Nummer der Praxis des Arztes Stephan Wendt gewhlt haben; dann folgt das Besetzzeichen – keine Mglichkeit eine Nachricht zu hinterlassen. Unter den Patienten macht sich ber die Praxisaufgabe Verrgerung breit, mehr aber noch ber die Art und Weise darber, wie sich Wendt von ihnen sowie von Kollegen verabschiedet hat.

„Die Bevlkerung ist ber den Vorgang aufgebracht. Das war keine saubere Geschichte. Das hrt man von allen Seiten“, sagt Oberzells Ortsvorsteher Heinrich Ochs. Am letzten Tag des Vormonats htten sich die Patienten ihre Akten abholen knnen. Die verbliebenen Dokumente seien von den frheren Angestellten dann ausgefahren worden. Warum Wendt direkt im Anschluss an einen zweiwchigen Urlaub seine Praxis berraschend dicht gemacht hat, bleibt indes unbekannt. „Darber gibt es keine sicheren Aussagen – nur Andeutungen und Vermutungen“, bedauert Ochs.

Begrndet hat Wendt seinen Entschluss auch in einem Fax nicht, das unter anderem an regionale Apotheken ging. Dessen Wortlaut deckt sich nahezu mit der Ansage auf dem Anrufbeantworter. Von eben dieser hat auch der Sterbfritzer Mediziner Dr. Patricius Pilz erfahren, dass es in Oberzell keine Praxis mehr gibt – und von „den Scharen an Patienten“, die pltzlich erschienen seien. „Wir haben noch Kapazitten frei, sodass die Situation relativ gut zu meistern sein wird, und wir alle Patienten aufnehmen knnen“, versichert Pilz. „Von der Kassenrztlichen Vereinigung Hessen haben wir bislang allerdings noch keine offzielle Meldung bekommen“, merkt Sinntals Obmann der Kassenrztlichen Vereinigung (KV) fr den Notdienst weiter an.

Die Schuld fr das Versumnis drfte unterdessen nicht bei der KV liegen. „Der regulre Weg einer Praxisaufgabe sieht eigentlich vor, dass der Mediziner einen Antrag auf Beendigung seiner kassenrztlichen Ttigkeit stellt. Ein solcher liegt uns nicht vor. Es deutet also alles daraufhin, dass Wendt nicht den ordentlichen Weg beschritten hat“, erklrt Petra Bendrich, Sprecherin der KV Hessen. Nun gelte es zu verifizieren, ob der Sinntaler Arzt seine kassenrztliche Ttigkeit tatschlich niederlegen wolle.

Unverndert wird in Sinntal hingegen die Sachlage bei den Notdiensten bleiben. „Wir haben ohnehin schon die ganze Zeit Hintergrunddienste fr den Kollegen bernommen“, erklrt Pilz. Verstimmung hatte es zwischen Wendt und den anderen Sinntaler Medizinern schon lnger gegeben, weil der Oberzeller Arzt die Kooperation in der Sinntaler Notdienstgemeinschaft aufgekndigt hatte. Gegenber den KN hatte er im Januar diesen Schritt damit begrndet, dass er nach 20 Jahren mit Notdientsten etwas krzer treten und sich dem rztlichen Bereitschaftsdienst Main-Kinzig/Ost anschlieen wollte. Zudem sei das Sinntaler Modell nicht mehr zeitgem, weil dort durchschnittlich alle sechs Tage ein Notdienst anfalle und Wochenenddienste mehr als 60 Stunden dauerten, hatte Wendt damals ausgefhrt.

Ob die Unsimmigkeiten ein Grund waren, warum der Oberzeller die Praxis  schliet oder was ansonsten ausschlaggebend war, war gestern nicht zu erfahren. Denn: Das Band am Anschluss der Praxis klrt eben nur darber auf, dass die Vertragsarztpraxis geschlossen ist – nicht ber das Warum.
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