Er gestaltete den Frauenberger Kreuzweg: Ausstellung zu Wenzel Marx

11. Februar 2016
Fulda

Viele Jahre hat sich Horst Zander vom Freundeskreis Fulda – Leitmeritz mit Leben und Werk von Wenzel Marx beschäftigt. Die Frucht seiner Arbeit ist nun im Fuldaer Vonderau Museum zu sehen, wo am Mittwochabend eine Ausstellung zu dem Bildhauer, von dem die Kreuzwegstationen am Frauenberg stammen, eröffnet wurde.

Gebet und Meditation, aber auch Unterhaltung mit humorigen Untertönen: Wer den Frauenberger Kreuzweg mit seinen 14 Kapellen abschreitet und sich die einzelnen Leidensstationen Christi genauer ansieht, den überkommt hier und da ein leichtes Schmunzeln. Mit großen theatralischen Gesten wird Jesus auf seinem Gang nach Golgatha verspottet und gequält. Die Schergen ziehen lustige Gesichter, einer tritt dem Sohn Gottes gar in den Hintern, während der Schmerz der Mitleidigen eine Spur zu dick aufgetragen scheint. Was hat Wenzel Marx (1711 – 1773) dazu veranlasst, die Szenen bei aller religiösen Ernsthaftigkeit ein wenig ins Groteske zu ziehen? Gregor Stasch, der Leiter des Vonderau Museums, hat dafür eine klare Antwort: Der Bildhauer, so sagte er bei der Eröffnung der aktuellen Sonderschau am Jesuitenplatz, führe als Kind seiner Zeit ein im 18. Jahrhundert alles andere als unübliches barockes Welttheater auf. Mit „spielerischen Elementen versuchte er, den Menschen, der die Stationen entlang ging, zu belehren und zugleich zu unterhalten“. Es ist ihm gelungen.

Der Freundeskreis Fulda – Leitmeritz sowie die Franziskaner vom Kloster am Frauenberg sind nicht von Ungefähr in die Ausstellung involviert. Denn Marx wurde in Leitmeritz geboren, damals noch als Johann Adam. Im Laufe seiner Ausbildung als Bildhauer und Holzschnitzer trat er dem Orden in Hammelburg bei und nahm den Namen Wenzel, genauer: Wenzelslaus, an. Entsprechend erfreut zeigten sich bei der Eröffnung denn auch Provinzialminister Cornelius Bohl und Pater Paulus Hägele, ihren Ordensbruder den Menschen nun im musealen Rahmen näher bringen zu können.

In Zusammenarbeit mit der Kuratorin Leonie Stiebor haben alle Beteiligten eine kleine, dafür angenehm konzentrierte Ausstellung auf die Beine gestellt, die von ihrem Zentrum aus, dem Frauenberger Kreuzweg, einen Blick auf das Schaffen von Wenzel Marx wirft, der natürlich nicht nur in Fulda, sondern unter anderem auch in Hammelburg sowie am Volkersberg tätig war. Darüber hinaus informiert die Schau (und mehr noch der Katalog) über die Bedeutung von Kreuzwegen im Allgemeinen, natürlich über Lebensstationen des Künstlers selbst und richtet das Augenmerk auch auf die Gegenwart. Denn Demütigungen und Gewalt, wie Jesus sie auf seinem Leidensgang erleben musste, sind nicht aus der Welt. Aktuelle Fotos von Flüchtlingstrecks sprechen da eine sehr deutliche Sprache.

Der Frauenberger Kreuzweg und sein Bildhauer Wenzel Marx. Vonderau Museum Fulda, Jesuitenplatz. Bis 10. April. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Eintritt: 1 Euro. Der Katalog zur Ausstellung kostet 12 Euro und ist im Imhof-Verlag erschienen.