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15. Februar 2010



Helmut Sauer wacht über das organisierte Chaos

FULDA Er wacht über das organisierte Chaos in der osthessischen Karnevalshochburg.

Wenn sich mehr als 55 000 Narren beim Fuldaer Rosenmontagszug freudetrunken ins Getümmel werfen, muss ein Mann möglichst alles unter Kontrolle halten: Helmut Sauer. Sauer ist so etwas wie der Zeremonienmeister des Fastnachthöhepunkts in der Barockstadt. Normalerweise kümmert sich der 53-Jährige um das Marketing der Sparkasse in Fulda. Doch während der Narrenzeit ist er zuständig für einen reibungslosen Ablauf des Rosenmontagszuges, der alljährlich der größte in Hessen ist. Während um ihn herum der Ausnahmezustand ausbricht, muss Sauer immer kühlen Kopf bewahren und die Übersicht behalten.

„Mit guter Planung geht alles. Meine Checkliste hier umfasst allein 18 DIN-A4- Seiten“, sagt der Cheforganisator, der mit zwei weiteren Kollegen das Planungstrio bildet. Sauer, Walter Reinhard, und Walter Otterbein arbeiten so schon seit sechs Jahren Hand in Hand. Dass sie beschäftigt sind, während andere feiern - damit haben sie kein Problem: „Das ist zur Gewohnheit geworden. Es ist doch schön, wenn wir dafür sorgen können, dass alle Narren ihren Spaß haben“, sagt Otterbein. Neben dem eingespielten Dreier-Team sind es noch einmal etwa 40 Helfer, die für einzelne Teilaufgaben zuständig sind.

Wenn viele Narren am Morgen des Rosenmontags noch friedlich in den Betten schlummern, sind Sauer und seine Mitstreiter schon lange auf den Beinen. Der Stress-Tag beginnt um 7.45 Uhr auf dem Buttermarkt im Herzen der Innenstadt. Dort steigt alljährlich die größte Open-Air- Party nach dem Umzug. „Wir müssen den Show-Truck platzieren und starten dann auf unsere erste Kontrollfahrt entlang der Zugstrecke“, erklärt Sauer. Wenn er unterwegs ist, klingelt ständig das Telefon. „Klare Absprachen zu treffen, ist enorm wichtig. Da ist das Handy ein wichtiges Arbeitsmittel.“ In engem Kontakt steht er mit den Behörden der Stadt, der Polizei und den Rettungshelfern.

Nahe des Hauptbahnhofs setzt Sauer die einzelnen Bestandteile des Zuges zusammen. 58 Wagen, 146 Fußgruppen und 29 Musikkapellen - macht 233 Zugnummern. Unter den 4200 Teilnehmern ist auch eine Gruppe aus dem niederländischen Dokkum. Die Städtefreundschaft zwischen Friesen und Fuldaern besteht seit 1998. Verbunden fühlen sich beide Städte durch einen „mörderischen“ Zwischenfall. In Dokkum wurde im achten Jahrhundert der Missionar Bonifatius getötet. Um ihren Teil zur diesjährigen Fastnachtsstimmung beizutragen, sind die Niederländer unter anderem mit einem trommelnden Percussion Corps gekommen.

Sauers Job ist es, bei der Zug-Zusammenstellung für Abwechslung zu sorgen. „Es muss einfach ausgewogen sein“, erklärt er. Das bedeutet: Musikkapellen, Fußgruppen und Wagen so anordnen, dass sie sich nicht ins Gehege kommen und sich alles zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügt. „Zwei nacheinander folgende Kapellen dürfen sich schließlich nicht gegenseitig übertönen.“ Erst wenn der letzte Wagen die etwa drei Kilometer lange Zugstrecke durch die Innenstadt passiert hat und alles glatt gelaufen ist, ist der Arbeitstag rum. „Am Abend können wir dann auch mal ein paar Stunden sorgenfrei mitfeiern“, sagt Otterbein und rückt seine Narrenkappe zurecht.

Von Jörn Perske



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