Darf’s noch ein bisschen absurder sein? Autor Timo Snow aus Hattenhof im Gespräch

08. März 2016
Neuhof

„Ich gehe im Kopf alle Varianten durch. Dann entscheide ich mich für die krasseste.“ Genau zwei Sätze braucht Timo Snow, um zu erklären, wie er zu seinen skurrilen Geschichten kommt. Mit seinem aktuellen Roman „Marie Malheur und das große Mundwerk“ will der Neuhofer in der Literaturszene Fuß fassen.

Von unserem Redaktionsmitglied Ricarda Dieckmann

Timo Snow heißt eigentlich anders. Doch seinen richtigen Namen möchte der 37-Jährige nicht in der Zeitung lesen. Er will sein ganz normales Leben mit einem ganz normalen Job von seiner Tätigkeit als Autor abgrenzen. „Wenn man meinen Roman liest, fragt man sich vielleicht: ‚Was ist das für ein fertiger Typ?’ Man könnte also meinen, dass ich noch verrückter wäre, als ich bin“, sagt der 37-Jährige, der im Neuhofer Ortsteil Hattenhof lebt, mit einem Augenzwinkern.

„Marie Malheur“ ist sein driter Roman, doch es ist der erste, den er mit einem Verlag im Rücken vertreibt. Titelfigur ist Marie, eine junge Frau, die sich mit Menschen herumschlagen muss, die ihr das Leben schwer machen. Doch Marie wehrt sich: So stopft sie einem Polizisten das Maul. Wortwörtlich, denn sie gipst dem Beamten die Zähne ein, bis er den Mund nicht mehr öffnen kann. Auf 283 Seiten sinniert Snow in rasantem Erzählstil und in unverblümter Sprache über Spermageruch und Drogentrips. Immer wieder lässt er seine Charaktere brüllend, schreiend, keifend ihre Meinungsverschiedenheiten austragen – in Großbuchstaben natürlich.

Bisher unbekannte Erzählweisen

Der Hattenhofer kramt dabei tief in der Kiste der Absurditäten. Er will originell sein, denn Phrasen, Floskeln, vorhersehbare Strukturen langweilen ihn. „Historische Romane beispielsweise folgen alle einem festen Schema. Das ist nichts für mich“, sagt der Autor. Sein Anspruch: Geschichten auf eine Art und Weise zu erzählen, die es zuvor noch nicht gegeben hat .

Mehrere Monate hat Timo Snow an „Marie Malheur“ gearbeitet, bevorzugt nachts. Mit dem fertigen Manuskript erlebte er dann eine Odyssee, die viele ambitionierte Schriftsteller kennen: Verlage anschreiben, Zusagen erhoffen, Absagen erhalten. Den Satz „Ihr Roman passt leider nicht in unser Programm“ las Timo Snow dabei immer wieder. Doch ein Verlag sah das anders: Der Kuuuk-Verlag, der in der Nähe von Bonn sitzt, erkannte Potenzial.

Ein großer Erfolg für Timo Snow, den das Schreiben schon ziemlich lange beschäftigt. Als Kind brachten TKKG-Hörbücher ihn dazu, seine Gedanken schweifen zu lassen, als Auszubildender tippte er Kurzgeschichten auf der Büro-Schreibmaschine. Mittlerweile ist er auf den PC umgestiegen, auch das Smartphone ist für ihn ein wichtiges Arbeitsutensil. „Wenn mir spontan eine Idee zufliegt, etwa, wenn ich mit Freunden spreche, zeichne ich einfach eine Sprachnotiz auf. So geht nichts verloren“, erklärt er.

Das Buch ist auf dem Markt, Zeit für Snow, die Beine hoch- beziehungsweise den Stift wegzulegen? Keinesfalls. Der 37-Jährige ist gut beschäftigt, etwa mit der Hörbuchfassung seines Werkes. „Die habe ich in drei Nächten eingesprochen und bin gerade dabei, sie zu schneiden.“ Außerdem pflegt er seine Website und arbeitet sich dafür in das trockene Thema der Suchmaschinenoptimierung ein. „Verrückte Bücher“ ist das Stichwort, unter dem er im Netz gefunden werden will. „Tippt man diese Anfrage bei Bing ein, taucht meine Website ganz oben auf“, sagt er stolz – und das stimmt tatsächlich.