Der Fuldaer Kajetan Skurski plant eine Open-Air-Bühne für Jedermann

21. August 2014
Fulda/Berlin

Der Fuldaer Kajetan Skurski hat sich einiges vorgenommen: Der 23-Jährige will mitten in Berlin eine offene Bühne für jedermann bauen. Dafür findet er viel Unterstützung – im Internet und bei der Stadt.

Die Bänke sind frisch gestrichen, die kleinen aus Papier gebastelten Origami-Vögel schwingen fröhlich im Wind. Während die letzten Klänge der argentinischen Cumbia-Band verklingen, macht sich der Autor Holger Haak bereit für seine Lesung. Kajetan Skurskis Idee, eine Open-Air-Bühne mitten im Berliner Stadtteil Wedding zu bauen, die für jeden offen ist und ein Treffpunkt für die unterschiedlichsten Menschen sein soll, scheint bei der „Generalprobe“ an diesem Samstag schon ein voller Erfolg zu sein.

„So viel Unterstützung hätte ich nicht erwartet“, freut sich Kajetan Skurski. Zahlreiche Nachbarn, Freunde und Passanten, die zufällig am Mettmannplatz vorbeikommen, treffen sich hier. Der Platz, lange verwahrlost, ist von Kajetan und seinen Freunden in einen Rückzugs- und Begegnungsort mitten in der Stadt verwandelt worden.

Kajetan Skurski ist nach dem Abitur an der Winfriedschule vor drei Jahren von Fulda nach Berlin gezogen, um mehr über seine Leidenschaft, das Theater, zu lernen. Dazu hat er am Maxim-Gorki-Theater sowie an der Berliner Schaubühne, zwei angesehene Berliner Bühnen, mitgearbeitet. „Ich wollte raus aus dem Theater, rein in den öffentlichen Raum und etwas machen, das ohne Eintritt funktioniert und für alle offen ist“, erklärt Skurski. „Und das Ganze am besten vor der Haustür“, setzt er nach. So fiel die Wahl auf Skurskis neue Heimat, den Wedding – ein Stadtteil, in dem noch kein kulturelles Überangebot wie etwa in Kreuzberg herrscht.

„Ich hoffe, dass möglichst viele Menschen meine Faszination dafür teilen, etwas für den Kiez zu verändern, zu verbessern“, wünscht sich der 23-Jährige. Mit seiner Idee, aktiv an der Stadtgestaltung teilzuhaben, hat der junge Theaterbegeisterte offensichtlich einen Nerv getroffen. Nicht nur haben sich auf seine Aushänge und über Facebook viele Unterstützer und Gleichgesinnte gefunden, die nun gemeinsam an der Umsetzung des „Bau Stücks“ arbeiten, auch die Stadt Berlin ist dem Projekt wohlgesonnen und prüft gerade den Projektantrag. Die „Conrad-Stiftung Bürger für Mitte“, die sich zum Ziel gesetzt hat, Bürger bei der Mitgestaltung des Gemeinwesens zu unterstützen, hat bereits finanzielle Unterstützung zugesagt.

Baubeginn für die offene Bühne soll am 12. September sein, bespielt werden soll sie ab Oktober. „Jeder kann dazukommen und mitbauen; sozusagen ein Stück ,Bau Stück‘ sein“, erklärt der Wahlberliner. Um seine Idee in die Tat umzusetzen, hat Skurski eine Crowd-Funding-Kampagne ins Leben gerufen: Auf der Plattform startnext.de präsentiert er seine Idee – Internetnutzer können Geld spenden und so sein Projekt unterstützen. Davon werden Materialien für den Bau gekauft: Holz, Schrauben, Werkzeuge. „Wenn man daran glaubt, dass Leute zusammen etwas erreichen können, daran, dass man zusammen aus dem Nichts etwas erschaffen kann, dann ist es das wert, einen Euro – oder natürlich auch mehr – zu spenden. Je nachdem, wie sehr man daran glaubt“, sagt Skurski mit einem Lächeln.

Unterstützung gibt es auch aus der Heimat. Kajetans Vater, Leszek Skurski, Künstler und Betreiber der Red Corridor Gallery in Künzell-Dirlos, hat ein Bild zur Verfügung gestellt. „Ich finde dieses Projekt sehr mutig – aus dem Nichts eine lebendige Theaterbühne, mitten in einem etwas verschlafenen Teil der Hauptstadt zu bauen“, sagt der Maler. „Und es ehrt mich, dass Kajetan für sein Projekt eines meiner Bilder nutzen wollte. Kunst sollte Kunst unterstützen. Ich hoffe, dass es hier gelingt“, so Leszek Skurski. Vielleicht finden sich ja auch Fuldaer, die ein kleines Stück Heimat in Berlin beisteuern. Den Kontakt gibt es im Internet.