Der Junge Kunstkreis Fulda im Vonderau Museum

/ Schenkung für Dauerausstellung

06. November 2013
Fulda

Eine Lücke ist geschlossen: Das Fuldaer Vonderau Museum erhält heute eine weit über hundert Werke umfassende Sammlung zum Jungen Kunstkreis Fulda (Juku). Die Exponate werden in einer Sonderausstellung gezeigt (Eröffnung ist heute um 18 Uhr), anschließend wird eine Auswahl dauerhaft in dem Haus am Jesuitenplatz zu sehen sein.

"Was in der 1950er und 1960er Jahren in Fulda passiert ist, das kann man sich heute kaum noch vorstellen", sagt Museumsdirektor Gregor Stasch im Gespräch mit der Redaktion. Eine Truppe junger, auf die Moderne hungriger Künstler organisierte sich in einem Verein, initiierte diverse Aktionen (und Skandale) sowie eigene und "fremde" Ausstellungen. Bei letzteren bewiesen die Mitglieder einen vor allem im Nachhinein erstaunlichen Weitblick. So stellten in Fulda Künstler aus, deren Namen heute in aller Welt bekannt sind, darunter Jörg Immendorff und Gerhard Richter. Treibende Kraft hinter der die Stadt aufmischenden Bewegung war Karlfried Staubach, nach dessen Tod 1964 der Juku seine Bedeutung nicht mehr aufrecht erhalten konnte. 1973 löste er sich dann auf.

Im Vonderau Museum, das sein Augenmerk auf regionale Themen legt, fand der Juku bisher "nur am Rande" statt, wie Stasch erklärt. Um dies zu ändern, initiierte der in Fulda lebende Künstler Franz Erhard Walther, einstiges Vereinsmitglied, die Sammlung. "Ich habe die Kollegen von damals einfach angeschrieben", erzählt er, "und um Exponate gebeten". So kam die Schenkung zusammen, die augenfällig davon zeugt, dass sich die jungen Kreativen damals um neue Stile und neue Ausdrucksweisen zum Teil überraschend erfolgreich bemühten. "Da waren große Talente dabei", sagt Walther, der nach seinen Anfängen in Fulda als Künstler die ganze Welt eroberte und bis heute rund um den Globus ausstellt, aktuell unter anderem in New York.

Ein Rundgang durch die Präsentation – einige Arbeiten hängen im Erdgeschoss quasi als Entrée, der Hauptteil ist dann in der Gemäldegalerie im zweiten Stock zu finden – beweist die innovative Kraft, die in vielen der Exponate steckt. Bilder, die sich an den damals brandaktuellen Kunstströmungen orientierten und diese mitunter sogar weiterführten. Zwischen A wie Karl-Oskar Aha und Z wie Bärbel Zielke versammelt sich dabei so ungemein viel kreative Lust, dass Fulda in den Hochzeiten des Juku alles andere als künstlerische Provinz war.

"Was damals in Fulda stattfand, war eine sensationelle Bewegung", sagt Stasch heute. "Aber im öffentlichen Bewusstsein wird der Juku immer noch unterbewertet und darum leider stiefmütterlich behandelt". Die Schenkung könnte dem abhelfen.