"Now!!!": Gemälde von Peter Henryk Blum im Vonderau Museum Fulda

"Now!!!": Gemälde von Peter Henryk Blum im Vonderau Museum Fulda

20. August 2013
Fulda

Rotwein-selige Rauschengel, ein Clown im Dialog mit einem Skelett, Lilo Wanders als Privatmann: Hintergründig, faszinierend und immer wieder von einem Augenzwinkern begleitet bieten sich die Bilder von Peter Henryk Blum dem Betrachter dar. Blums Ausstellung "Now!!!" wird heute um 19 Uhr im Fuldaer Vonderau Museum eröffnet.

44 Arbeiten des 1964 geborenen und in Fulda aufgewachsenen Künstlers sind am Jesuitenplatz zu sehen, und der Besucher trifft dabei auf manch einen Bekannten. Denn Peter Henryk Blum setzt auf Modelle, die ihn als solche "wie mit einem Handkantenschlag" sofort treffen, wie er sagt, darunter Künstlerkollegen wie Wolf und Bleuel oder Kaspar Lehmann Walther (von Kaspar und Gaya), mit dem er gleich eine ganze Serie stemmte: ein Clown in bizarren Lebenslagen.

Letztere stammt aus diesem Jahr, wie auch der überwiegende Part der Exponate jüngeren Datums ist. Es sind Gemälde und einige Zeichnungen, die zum Teil im kommenden Januar in London ausgestellt werden. "Deswegen kam Gregor Stasch [Direktor des Vonderau Museums, Anm. d. Red] auf mich zu, um sie vorher schnell noch in Fulda zu zeigen", sagt Blum schmunzelnd und fügt hinzu: "Deswegen heißt die Ausstellung auch ,Now!!!'." Er zögert kurz. "Meine erste Einzelausstellung hier im Museum", sagt er. "Aber es ist der richtige Zeitpunkt, es fühlt sich gut an."

Ob sich alle Besucher in der Schau auch gut fühlen werden? Blums Bilder polarisieren. Ob der Engel, der eine Flasche ansetzt, eine Frau mit Handy, in deren Schatten die Symbole der Mobilfunk-Welt überhand nehmen, oder der gepiercte Punk – "daran geht niemand vorbei und findet es nett oder dekorativ". Wiewohl Blum einige düster wirkende und melancholisch erscheinende Themen durch die Titel ins Humoristische wendet. "My German Neighbour" etwa zeigt einen Jäger, der mit finsterem Blick etwas Unbekanntes in "seinem" Wald fixiert. Hippies vielleicht? "Jedenfalls scheint er sich zu ärgern, dass er seine Flinte nicht dabei hat", sagt Blum lachend. Und Lilo Wanders steht als Ernie Reinhardt vor seinen eigenen Plakaten und sagt sich: "Wenn ich Zeit hab, geh ich hin." Nebenbei: Blum ist der einzige, der den Travestiekünstler als Privatmann darstellen darf!

Technisch geht es in den ausgestellten Werken in Richtung altmeisterlicher Malerei mit rötlichem Untergrund und einem Farbauftrag, dem man den Pinselstrich ansieht. Wodurch die Gemälde einen satten Farbklang erhalten. Gerade die Clown-Serie begeistert dank dieser visuellen Homogenität: Kaspar im Birkenwald "wie ein aus der Irrenanstalt Entflohener, bei dem man nicht weiß, was gleich passiert", als Rotweintrinker oder vis-a-vis mit einem Skelett aus Blums Atelier, dem er ganz spontan eine rote Nase aufsetzte. Zögerliche Annährung?