Peter Kraus gab fröhlich den Alt-Rock’n’Roller

16. Mai 2016
Fulda

Rock’n’Roll pur, Gelächter, bis die Tränen kommen, und ein stiller Moment der Trauer: Peter Kraus unterhielt am Samstagabend zweieinhalb Stunden lang in der Esperantohalle Fulda sein 1000-köpfiges Publikum aufs Feinste.

Von unserem Redaktionsmitglied Anke Zimmer

Musiker können auf unterschiedliche Art und Weise älter werden. Die einen tun so, als könne die Zeit ihnen nichts anhaben und laufen dadurch Gefahr, peinlich zu wirken. Andere zelebrieren ihre zunehmenden Jahre und entwickeln sich zu Elder Statesman ihres Genres. Und die Dritten gehen es mit viel Humor, permanentem Augenzwinkern und ein bisschen Sarkasmus an, dass sie nicht mehr 17, sondern 77 sind.

Peter Kraus zum Beispiel. Der gastierte am Samstagabend in der Esperantohalle Fulda und nahm dabei nichts lieber auf die Schippe als die Tatsache, dass er weiß Gott nicht mehr zu den Backfischen gehört geschweige denn vor selbigen spielt. „Es ist gar nicht so einfach, im fortgeschrittenen Alter noch den Tiger zu markieren“, sagte er denn auch schmunzelnd, blickte ins Publikum und fügte hinzu: „Aber wem sag’ ich das.“

Gitarre ging zu früh zu Bruch

Der humorvolle Grundton des Abends wurde gleich zu Beginn und da auch unfreiwillig gelegt: Kraus betrat als letzter seiner hervorragenden Band die Bühne und wollte ein rasantes Gitarrensolo hinlegen, an dessen Ende er sein Instrument zu zerschmettern gedachte. Allein: Das präparierte Stück ging schon zu Beginn entzwei, und Kraus präsentierte den eigentlichen Instrumentalisten, den famosen André Tolba, unter Lachtränen.

Doch bevor jetzt ein falscher Eindruck entsteht: Eine Comedy-Show war es mitnichten, was die Zuhörer da erlebten, auch wenn der Blick zurück in die Zeit, als eine Festplatte noch ein Buffett meinte und die allgemeine Aufklärung – die Frau liegt unten, der Mann oben – zu einem verstärkten Absatz von Stockbetten führte, mit sympathischer Ironie stattfand.

Augenblick der Trauer

Im Mittelpunkt des Abends aber stand selbstredend die Musik, und da hatte Kraus allerhand zu bieten. Was Wunder, bewegt sich der Musiker seit sechs Jahrzehnten in dem Metier, permanent wechselnd zwischen Rock’n’Roll und Schlager, gerne auch mit verschwimmenden Grenzen. Entsprechend abwechslungsreich waren die Nummern, die er mit viel Elan vortrug: Zwischen eigenen Hits wie beispielsweise „So wie ein Tiger“, seinen Film-Schunklern „Wenn“ und dem „Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu Strand Bikini“ sowie prächtigen Rock-Songs und einem liebenswerten Elvis-Medley präsentierte er auch immer wieder neuere Lieder, darunter seine Rock’n’Roll-Versionen von aktuellen Hits wie Materias „Lila Wolken“, Tim Bendzkos „Nur noch schnell die Welt retten“ und „Gib mir Sonne“ von Rosenstolz. Und bei allem Spaß: Kraus war es ein Herzensanliegen, mit „Jede Menge Leben“ einen Moment der Stille, der Melancholie zu erzeugen: Es war seine Verneigung vor dem verstorbenen Udo Jürgens, seine osthessischen Fans folgten ihm bereitwillig in diesen Augenblick der Trauer ... und dann gleich wieder hinaus.

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Was noch? Natürlich dies: „Sugar Baby“, ein Lied, ohne das kein Peter-Kraus-Konzert stattfinden kann. „Ich singe es immer noch gerne“, befand der Musiker und legte dynamisch los. Nicht, ohne sich am Ende seines wohl größten Hits einmal mehr lustig drüber zu machen, dass das Baby heute natürlich nur dann bei ihm bleibt, wenn er den „Sugar Daddy“ spielt und ihr etwas Schönes kauft.

„Das Beste kommt zum Schluss“ heißt die Tour, die ihn nach Fulda führte. Schluss? Sollte das wirklich der Abschied von Peter Kraus auf der Bühne gewesen sein? „Wer weiß“, meinte er, „man soll niemals nie sagen. Vielleicht sehen wir uns wieder. Bei meiner Tour zum 100.“ Abgemacht.