Stummfilm live vertont: Kino35 dankt Helfern nach Dachschaden mit einzigartiger Vorstellung

28. Februar 2016
fulda

Es war ein tolles Dankeschön, das sich das Kino35-Team für seine Helfer hat einfallen lassen. Dank deren Unterstützung ist der große Saal seit Anfang des Jahres wieder in Betrieb. Am Samstagabend schenkte ihnen das Kino eine ganz besondere Vorstellung.

Schock, Schock, Aufatmen. Seit Ende September war es für das Team des alternativen Kino35 in der Langebrückenstraße in Fulda Schlag auf Schlag gegangen.

Erst stürzte ein Teil des Daches über einem Nebenraum ein – der große Saal musste aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Dann war von 5000 bis zu 20.000 Euro Reparaturkosten die Rede – Beträge, die das Kino alleine nicht hätte aufbringen können. Am Ende ging dank vieler Unterstützer alles gut – seit Jahresanfang laufen in dem großen Saal wieder Filme.

News vom Bau --- es regnet nicht mehr rein.Liebe Freunde der Langebrückenstraße wir freuen uns Euch mitteilen zu kö...

Posted by Youthnet Fulda on Montag, 7. Dezember 2015

Am Samstagabend bedankte sich das Kino35-Team mit einer ganz besonderen Vorstellung bei allen Helfern – gratis Popcorn, Sekt und Snacks inklusive.

Zuvor ließ Stefanie Ranke, stellvertretende Vorsitzende des Kinos, die ganze Geschichte noch einmal Revue passieren. Ihr Augenmerk richtete sie auf die tolle und spontane Hilfe. „Bereits kurz nach unserem Hilferuf hatten wir schon das nötige Geld zusammen. Viele von euch haben am Eintritt und an der Theke extrem großzügig aufgerundet. Zudem haben wir eine große Privatspende und Hilfe von befreundeten Vereinen erhalten.“

„Ihr seid die Stütze unseres Daches“, sagte Ranke schließlich in Richtung der Gäste. Damit spielte sie auf den anschließenden Film „Der Golem, wie er in die Welt kam“ an. Der Golem ist eine mächtige Lehmfigur, die Rabbi Löw zum Leben erweckt. Er rettet dem Kaiser das Leben, indem er das einstürzende Dach dessen Palasts mit bloßen Händen stützt. Der Kaiser widerruft daraufhin den Befehl, die Juden aus der Stadt zu weisen.

Teileinsturz des Daches: Kino35 steht vor kostspieliger Reparatur und bittet um Hilfe

Das Besondere der Vorführung am Samstagabend: Bei „Der Golem, wie er in die Welt kam“ handelt es sich um einen Stummfilm. Statt die ursprüngliche Musik als Untermalung laufen zu lassen, vertonte ein DJ den Film live im Kino35.

DJ D’dread oder Dirk, wie er auch genannt wird, kam während des Studiums auf den Geschmack, Filme selber zu vertonen. „Damals haben wir uns den Film ‚Der Mann mit der Kamera‘ angesehen. Diesen hat The Cinematic Orchestra neu vertont. Das hat mich sofort gepackt“, sagt Dirk.

50 Stunden für Vorbereitung und Probe

Mittlerweile führt er etwa acht Filme, die er vertont, in seinem Repertoire. Eine zeitaufwendige Sache. „Für Vorbereitung und Probe benötige ich um die 50 Stunden“, sagt Dirk. Das Ergebnis im Kino35 konnte sich hören lassen.

Dirk spielte zur Handlung passende Songs und Samples ein, griff zu Elektro, moderner Klassik und Jazz. Das machte er so geschickt, dass der beinahe 100 Jahre alte Stummfilm und die moderne Musik sich aneinander schmiegten und alles andere waren als Fremdkörper. / sps

Am Montag geht es im Kino35 übrigens bereits weiter. Dann flimmert ab 20.30 Uhr der Film „Hip Hop-eration“ über die Leinwand. Wer schon immer mal Omis beim Hip Hop Dance sehen wollte, ist dort genau richtig.