"Da schwingt tatsächlich Wehmut mit"

Zeno Diegelmann alias Tim Boltz über seinen neuen Comedy-Roman

22 Jun 2013 / 17:57 H.
Fulda

Als Tim Boltz hat Zeno Diegelmann (38) gerade den dritten Teil seiner Comedy-Reihe veröffentlicht. "Linksträger" heißt das Werk, über das der gebürtige Fuldaer in gewohnt lässiger Manier mit unserer Zeitung geplaudert hat. Im Dezember hat er ein Heimspiel.

Herr Boltz, in "Linksträger" machen Sie Robert zum Vater. In Ihrer Biografie ist von Nachwuchs nichts bekannt – wie haben Sie denn dafür recherchiert?

Naja, man muss für einen Krimi ja auch nicht unbedingt erst jemanden umgebracht haben, um darüber schreiben zu können. Zum anderen gibt es genügend gebärfreudige Freundinnen und Bekannte, die sich gerade sehr fleißig fortpflanzen. Dort konnte ich bestens meine Feldstudien betreiben. Es geht in "Linksträger" ja auch mehr um die zwischenmenschlichen Katastrophen und Auswirkungen von weiblichen Hormonschüben, als um eine korrekte Anleitung zum Eltern werden.

Soviel darf man ja vorab verraten: Es gibt einen Junggesellenabschied, der ordentlich aus dem Ruder läuft. Was ist denn persönlich Ihre peinlichste Junggesellenabschiedsepisode?

Da kann ich nicht mit dienen. Ich entziehe mich solchen Einladungen. Es gibt für mich nicht viele Dinge, die noch schlimmer sind, als mit einer grölenden Gruppe alkoholisierter Männer in Motto-shirts samt Bräutigam in spe durch die Stadt zu ziehen und Sachen aus seinem Bauchladen zu verkaufen. Am besten noch mit so einer Gefangenen-Kugel am Bein und in ein pinkfarbenes Ballerina-Kleidchen gepresst... Nein, das ist nicht so mein Ding. Aber ich war aus Recherchegründen tatsächlich in einem Partyhotel in Thüringen, das sich genau auf dieses Klientel spezialisiert hat. Schon die Empfangsdame am Check-In begrüßte mich mit den Worten: "Sie wissen aber, dass wir dieses Wochenende 36 Junggesellenabschiede und 24 Kegelclubs im Haus haben, oder?" Von diesem erlebnisreichen Wochenende, das sich für immer unauslöschlich in meine Erinnerungen eingebrannt hat, ist vieles auch in den Roman eingeflossen.

Selbst in der Esoterik-Szene waren Sie dieses Mal unterwegs. Gibt's irgendwas aus dem Bereich, mit dem Sie etwas anfangen können, oder ist das alles großer Quatsch für Sie?

Nein, gar nicht. Da gibt es schon Interessantes, was man für sich nutzen kann. Allerdings existiert eben auch unfassbar viel Blödsinn in diesem Sektor. Das fängt an bei linksgedrehtem Hopfenblütentee mit geläutertem Löwenzahn, der in einer Vollmondnacht gepflückt wurde, und geht bis zu alternativen Schwangerschaftsbegleitungen, wie im Buch angerissen. Aber jeder soll das machen, was ihm gut tut. Die im Roman erwähnte Karma-Schere finde ich übrigens ganz großartig.

Es war der letzte Robert-Süßemilch-Teil; wie groß ist Ihre Wehmut, dass Sie sich von Robert und Jana verabschieden müssen?

Ehrlich gesagt schwingt, da tatsächlich ein wenig Wehmut mit. Klingt bescheuert, da es sich um fiktive Personen handelt, aber ich habe die letzten drei Jahre mehr Zeit mit Robert und Jana verbracht als mit jedem anderen Menschen. Ich kenne die beiden in- und auswendig, was insbesondere schon beim Titel von "Linksträger" unmissverständlich klar wird (lacht). Aber nach drei Teilen muss wieder Platz für jemand Neues gemacht werden. Und ich freue mich schon darauf, diesen Unbekannten näher kennenzulernen.

Bei Ihnen läuft's richtig gut – Sie werden für Kreuzfahrten gebucht, Ihre Lesungen sind ausverkauft, und Sie werden von prominenten Kollegen in deren Shows geholt. Was ist denn in nächster Zeit noch so geplant?

Oh, da steht einiges an. Es wird zum Beispiel zu Weihnachten einen Comedyratgeber für Weihnachtsmuffel mit dem Titel "Oh, Pannenbaum" geben. Das ideale Geschenk für diejenigen, die bislang eher auf Kriegsfuß mit Heilig Abend standen. Dann plane ich gerade mein erstes Soloprogramm, mit dem ich, zusammen mit einer Pianistin aus Berlin, nächstes Jahr auf Tour gehen werde. Und, ganz exklusiv für die Leser der FZ: Ende diesen Jahres wird, nach vierjähriger Pause, ein neuer Krimi erscheinen. Und ja, er wird wieder in der Region Fulda/Rhön spielen.

Wichtigste Frage: Wann lesen Sie mal wieder in Fulda?

Das dauert leider noch ein wenig. Aber Karten gibt es schon zu kaufen. Wir kommen mit der Bühnenshow "Leseabend 2.0 – Die Comedyshow für Buchmuffel" am 12. Dezember nach Fulda in den Kul-turkeller. Das ganze ist eine witzige Comedyshow rund um das Thema Bücher, bei der außer mir noch der "FFH-Dummfrager" Boris Meinzer und Planet-Radio-Moderator Matthias Milberg mit von der Partie sind. Ich habe den beiden schon von Fulda und dem Publikum hier vorgeschwärmt. Also, lasst mich bloß nicht hängen und kommt alle. Ich zähle auf ein echtes Heimspiel.

Tim Boltz: Linksträger. 320 Seiten. 8,99 Euro. Goldmann.

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