"Ich würde gerne öfter eingeladen"

Polens Ex-Staatspräsident Lech Walesa bei seinem Besuch auf Point Alpha

18.06.2013
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Point Alpha

Die Gläubigen applaudieren, als der Vater von acht Kindern eintritt, Pfarrer Uwe Hahner ist stolz auf den Gast. Das merkt man, als er mit Generalvikar Gerhard Stanke und 14 Messdienern einzieht. Die evangelische Kirchengemeinde hat – ganz basisökumenisch – ihre Gläubigen gleich dazu gebeten und ihren eigenen Gottesdienst ausfallen lassen. Walesa nimmt vorne Platz und folgt via "Dolmetscher im Ohr" andächtig der Messe. Zum Auszug lässt der Organist die Eurovisions-Fanfare erklingen.

Oben im US-Camp auf Point Alpha, etwa eine Stunde später, blitzt sofort der Rebell in ihm wieder auf. "Stellen sie endlich ihre Fragen, sonst kriegen sie einen ganz langen Monolog", juxt er mit den Journalisten, die sich fast umrempeln, um ihn vor die Linse zu bekommen. Der hessische Vize-Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn (FDP) assistiert dem Gast und klaubt ihm den matten Teebeutel aus dem Glas.

Als nur zwei Fragen gestellt werden, ist der 69-Jährige enttäuscht: "So eine kurze Pressekonferenz hatte ich noch nie. Ich dachte, da kommt mehr", brummelt er. Also legt ein Kollege nach: Ob er an die deutsche Wiedervereinigung gedacht habe, als die Revolution in Polen losfegte, will dieser wissen. Da schaut Walesa spitzbübisch drein und erklärt, er habe schon 1981 einem "deutschen Bundesminister" vorhergesagt, dass der Kommunismus den Bach runtergehe und die Deutschen wieder ein Land würden. Walesa, ein Prophet? "Nein, ich bin

nur ein Revolutionär, der lediglich einen ganz kleinen Beitrag zu der Wende geleistet hat", sagt er bescheiden. Den Namen des Ministers behält er jedoch eisern für sich. Aber nach allem, was Walesa an Hinweisen geliefert hat, kann es sich nur um den damaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) gehandelt haben.

Vor der ehemaligen Baracke der Amerikaner im US-Camp tritt Bildhauer Ulrich Barnickel aus Schlitz auf Walesa zu. Barnickel hat den Kreuzweg auf dem "Weg der Hoffnung" gestaltet. Walesa will ihn am liebsten gleich sehen, doch seine Sekretäre drängen ihn sanft zur Preisverleihung. Punkt 11 beginnt der MDR mit der Übertragung. Bevor er in der Menge verschwindet, lässt er noch wissen, dass er gerne öfter eingeladen würde. Da könne man viele Themen noch einmal vertiefen. Walesa hat noch ein paar Botschaften, seine Mission ist noch nicht beendet.

Der Gottesdienst musste sein. "Ich habe seit 50 Jahren keine Sonntagsmesse verpasst", sagt Lech Walesa, als er gestern Morgen durch die kühle Morgenluft zur Geisaer Stadtpfarrkirche geht. Der Revolutionär von der Danziger Werft ist noch so massig wie damals, nur der Schnauzer schimmert jetzt grau.

2005: George W. Bush senior, Michail Gorbatschow und Helmut Kohl

2008: Václav Havel

2009: DDR-Bürgerbewegung; das Preisgeld ging stellvertretend an den Verein Bürgerbüro

2010: Helmut Schmidt

2011: Felipe González

2013: Lech Walesa

2014: Preisträger steht; Name noch geheim

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