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23. Mai 2012



35 Teilnehmer bei Demonstration

Von Rainer Ickler

Gersfeld
Etwa 35 Menschen sind am Dienstagnachmittag zur Solidaritätsveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen in diakonischen Einrichtungen in Kurhessen-Waldeck (agmav) auf den Gersfelder Marktplatz gekommen.

Die agmav wollte damit gegen die nach ihrer Auffassung ungerechte Behandlung der drei Mitarbeitervertreter (MAV) des evangelischen Alten- und Pflegeheims Gersfeld protestieren. Gefordert wurde die Rücknahme der Maßregelungen und ein fairer Umgang. Es entstehe der Eindruck, dass unbequeme Kolleginnen und Kollegen mundtot gemacht werden sollen, heißt es in dem Papier. Die drei seien durch Hausverbot isoliert und von Kündigung bedroht, heißt es unter anderem in einem Flugblatt, das in Gersfeld am Vortag verteilt wurde.

Gegen Teile des Inhalts hatte die Geschäftsleitung des Altenheims eine Unterlassungserklärung von der agmav verlangt. Altenheim-Geschäftsführer Stefan Burkard erläuterte, dass einige Passagen nicht der Wahrheit entsprächen. Die drei MAV-Mitglieders seien nicht isoliert, sondern könnten ihren Aufgaben als Mitarbeitervertreter im Altenheim ungehindert nachgehen. Das heißt auch, dass sie ihr Gehalt bekommen. Nicht richtig sei auch, dass alle drei Mitarbeitervertreter von der Kündigung bedroht seien. Dies treffe nur auf eine Mitarbeiterin zu. Die beiden anderen sollen abgemahnt werden.

Im Kreis der etwa 35 Versammlungsteilnehmer am Marktplatz stehen die drei Mitarbeitervertreter, Gersfelder Bürger und Mitarbeiter der agmav sowie Funktionäre von Verdi. Etwas abseits sind zwei Mitarbeiterinnen des Altenheims, die nicht genannt werden wollen und bestätigen, dass sie die einzigen Beschäftigten seien, die zur Versammlung gekommen sind. Die anderen hätten Angst, entlassen zu werden, versuchen sie zu erklären, warum nur zwei von 43 Mitarbeitern am Marktplatz sind.

„Blödsinn“, antwortet Burkard. In einer Mitarbeiterversammlung am Montag habe er die Beschäftigten über das Flugblatt informiert und ihnen freigestellt, an der Veranstaltung am Marktplatz teilzunehmen. Er erzählt hingegen, dass es viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gebe, die nicht mit der MAV zusammenarbeiten wollten.

Ausgangspunkt des Konflikts ist ein Brief der Mitarbeitervertretung, in dem sie von der Geschäftsleitung wissen wollte, ob einzelne Mitarbeiter unberechtigte Zulagen erhalten hätten, während der Rest auf 20 Prozent des Lohnes verzichtet habe. Burkard erklärt, dass er die Unterlagen der MAV übergeben habe – mit Ausnahme der leitenden Mitarbeiter.
Die Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen in diakonischen Einrichtungen in Kurhessen-Waldeck strebt nach Auskunft von Hans Roth eine unabhängige Prüfung dieses Sachverhaltes an. MAV-Vorsitzender Karlfried Clausius, der wegen Datenmissbrauchs abgemahnt werden soll, erklärt, die Daten, um die es gehe, seien frei zugänglich gewesen. Er warte immer noch auf eine schriftliche Antwort seitens der Geschäftsleitung, ob einzelne Mitarbeiter unberechtigte Zulagen bekommen hätten.

Nach der Kundgebung am Marktplatz zogen die etwa 35 Personen zum Alten- und Pflegeheim Gersfeld und trugen dort ihre Forderungen vor.


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