58-jährige Chefkellnerin wird in zwei Wochen die Wiesn-Gäste umsorgen
Von Ulrich Schmid
Fulda/Kulmbach
Es ist der Umgang mit den Menschen, der die Chefkellnerin Ramona Leu so an ihrem Job fasziniert. Nach vielen Jahren auf der Kulmbacher Bierwoche und dem Oktoberfest in München wird die gebürtige Berlinerin zusammen mit ihren Kolleginnen in zwei Wochen vier Tage lang die Gäste auf der ersten Fuldaer Wiesn umsorgen.
„Die Stammgäste passen schon auf uns auf“, sagt die 58-Jährige auf die Frage, ob es ein Alkoholspiegel-Fenster gäbe, innerhalb dessen die männlichen Besucher zu Aufdringlichkeiten neigten. „In Kulmbach habe ich Anzüglichkeiten noch nie erlebt. Wir sind zusammen mit unseren Gästen fast so etwas wie eine Familie“, sagt Leu. Und wenn mal einer „Schatzilein“ sage, so nehme sie das wirklich nicht tragisch.
So ganz kann Ramona Leu auch nach jahrzehntelanger Gästebetreuung im süddeutschen Raum ihren Berliner Akzent nicht verbergen. Dass die „Preißin“ dennoch, beispielsweise im Löwenbräu-Festzelt von Wiggerl Hagn auf dem Münchner Oktoberfest sehr beliebt ist, zeugt einmal mehr von der Libertas Bavaria.
Karten und Infos
„Viel Telefongespräche braucht es“, beantwortet sie die Frage, wie sie ein Kellnerinnen-Team zusammenstelle. Eingespielt sei man, auch wenn immer einmal ein paar Neue dazukämen. „Doch auch die Neulinge kennt man schon“, sagt Leu, die mit 33 Kolleginnen beim Kulmbacher Bierfest präsent war. Die Mehrzahl „ihrer Mädchen“ komme aus Bayern und Österreich – und so bleibe auch im osthessischen Fulda die alpenländische Majorität gewahrt.
Auch wenn die Ansprüche der Gäste im Vergleich zu früher gestiegen seien, Prominenz (In Kulmbach Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil) die ungeteilte Aufmerksamkeit bekämen, drohe keine Unterversorgung der Gäste.
Dass Ramona Leu ihren Job liebt, davon kündet auch ihre 31-jährige Berufszugehörigkeit. „Eine Freundin vom Main hat mich in das Bedienungsgeschäft reingebracht. Später habe ich dann mal angefangen, mich als medizinisch-technische Assistentin ausbilden zu lassen. Doch das war nichts für mich. Ich brauche einfach die Menschen um mich herum“, sagt Leu.
So ganz einfach ist das Geschäft nun aber doch nicht. Nach einem Herzinfarkt im vergangenen Jahr tritt Ramona Leu jetzt etwas kürzer. Und wenn eine Woche nach der Fuldaer Wiesn in München beim Oktoberfest ozapft wird, dann bedient Leu aus eben diesen gesundheitlichen Gründen zum ersten Mal seit zwölf Jahren nicht mehr im Mitteltrakt des Löwenbräuzeltes ihre vielen Stammgäste.
Doch so leicht kann sie der Theresienwiese und ihrem Lieblingswirt Wiggerl Hagn die Treue nicht brechen. „Zum Auftakt der Wiesn bin ich natürlich an altgewohnter Stelle zu finden, allerdings nur, um meine alten Stammgäste zu begrüßen“, sagt Leu. Und auf Rückfrage gesteht sie: „Ein bisschen Wehmut wird dann schon mit dabeisein.“
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