772 Plätze in Behindertenwerkstätten im Kreis Fulda
Von Julia Hanel
Kreis Fulda
Im Kreis Fulda arbeiten 772 Menschen in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung – weil sie durch ihre körperliche oder geistige Einschränkung nicht (oder noch nicht) bereit sind für den Arbeitsmarkt.
Um Punkt acht Uhr morgens ist es mit der morgendlichen Ruhe in den Caritas-Werkstätten vorbei, denn dann beginnen die Nähmaschinen zu rattern, die Bügeleisen zu glühen und die Fräsmaschinen zu schneiden. Gearbeitet wird sechs Stunden lang, es gibt eine Frühstücks- und Mittagspause, und um 16 Uhr ist Feierabend. Klingt fast nach einem ganz normalen Arbeitsalltag – das ist auch das Ziel der Werkstätten für Menschen mit Behinderung, die von der Caritas und dem Antoniusheim unterhalten werden.
„Wir möchten behinderten Menschen die Möglichkeit geben, Teil des Arbeitsmarktes zu sein“, sagt Bernd Wystrach, Leiter der Caritas-Werkstätten. 772 Menschen mit Behinderung nehmen dieses Angebot derzeit im Landkreis Fulda wahr. 500 von ihnen arbeiten in einer der fünf Caritas-Werkstätten, 272 im Antoniusheim. Die Tätigkeiten sind vielfältig und reichen von Montage- und Metallarbeiten über Landschaftspflege bis hin zu Wäschediensten und Marmeladenherstellung. „Wir arbeiten hauptsächlich für die Industrie und mittelständische Unternehmen, aber auch für Hotels und private Kunden“, sagt Wystrach.
In welchem Bereich die Mitarbeiter eingesetzt werden, entscheidet sich bei den Caritas-Werkstätten im sogenannten Berufsbildungsbereich, eine Art erste Anlaufstelle nach Ende der Schulzeit oder nach einem Vorfall, der zur Behinderung geführt hat. Dort wird beobachtet, welche Fähigkeiten und Talente sie haben, ob sie handwerklich geschickt sind oder zählen können. „Nach zwei Jahren entscheiden wir dann, ob sie in der Werkstatt arbeiten oder auch für den allgemeinen Arbeitsmarkt geeignet sind“, sagt Wystrach. Die Mitarbeiter sind bis zu 65 Jahre alt.
Arbeit als "zweiter Lebensraum"
„Die Werkstätten sollen grundsätzlich keine Endstation sein“, betont Ernst-Paul Walter, Ressortleiter der Behindertenhilfe Fulda. „Wir möchten diese Menschen auf dem Weg ins Berufsleben begleiten und ihnen, wenn möglich, auch über die Werkstatt hinaus eine berufliche Perspektive bieten.“ Wichtig sei, jedem eine Aufgabe zu geben, die seinen jeweiligen Fähigkeiten entspricht. „Wir passen die Arbeit an den Menschen an, nicht den Menschen an die Arbeit“, betont Walter. „Wir möchten jeden Werkstatt-Mitarbeiter individuell fördern und seine Fähigkeiten weiterentwickeln.“
Aus diesem Grund gibt es neben der Arbeit zusätzliche Angebote wie Schwimmen, Rollstuhlsport, Theater, Foto-AG oder EDV-Kurse. Diese Angebote werden mit Begeisterung angenommen – das sieht jeder, der die Werkstätten besucht. Einige strampeln munter auf den Fitnessgeräten, andere freuen sich auf die Schwimmstunde, und auch im Computerraum wird fleißig getippt. „Für viele ist die Arbeit hier eine Art zweiter Lebensraum“, sagt Walter. „Sie haben hier Freunde und Kollegen und können sich untereinander austauschen.“ Auch das Gefühl, mit dem kleinen Verdienst etwas zum eigenen Lebensunterhalt beizusteuern, sei für viele sehr wichtig. „Das gibt ihnen ein Gefühl von Selbstständigkeit“, erklärt Wystrach.
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