Praktiker für den Wirtschaftsunterricht
Die Rabanus-Maurus-Schule und die Sparkasse Fulda haben eine förmliche Partnerschaft beschlossen / Mehr als Praktika
Fulda (af)
Seitdem das frühere Unterrichtsfach Sozialkunde in Hessen „Politik und Wirtschaft“ heißt, sind in den Schulen verstärkt Praktiker gefragt. Die Fuldaer Rabanus-Maurus-Schule (Domgymnasium) hat deshalb eine feste Partnerschaft mit der hiesigen Sparkasse geschlossen.
„Gymnasien wird ja immer vorgeworfen, nur Theorie zu unterrichten“, erklärt Direktor Dieter Trousil. Durch das neue Unterrichtsfach bestehe nun der Bedarf nach der Vermittlung volks- und betriebswirtschaftlicher Grundkenntnisse sowie der Vorbereitung auf das Berufsleben. „Wir sind durch eine bewusste Entscheidung zur Sparkasse gekommen“, betont der Direktor. Das Ziel der Zusammenarbeit definiert Fachsprecherin Gabriele Schorn folgendermaßen: „Die Schüler sollen Fragen an Experten stellen, die wir Lehrer nicht beantworten können.“
Kein Buhlen um Kunden
Die Zusammenarbeit ist in einer förmlichen Vereinbarung festgelegt, in der auch die Bausteine für den Unterricht enthalten sind. „Mitarbeiter der Sparkasse geben die jeweiligen in den Lehrplan eingebundenen Unterrichtseinheiten“, erläutert Alois Früchtl, Vorstandsprecher der Sparkasse Fulda. Er macht klar, dass das Geldinstitut damit nicht um die junge Kundschaft buhlen will: „Wir nutzen die Partnerschaft nicht, um unsere Produkte zu bewerben. Das würde im übrigen auch gar nicht funktionieren.“
Den ersten Unterrichtsbaustein liefert die Sparkasse in der siebten Klasse, wenn das Thema „Wirtschaften im privaten Haushalt“ ansteht. „Viele Leute mit Abitur haben keine Kenntnisse, um ihren privaten Haushalt finanziell zu führen“, laut Früchtls Erfahrung.
Deshalb unterrichtet Richard Hartwig vom Vorstandssekretariat der Sparkasse, wie man mit Geld richtig umgeht. Er erklärt etwa, wie gefährlich Schulden sein können und dass man sparen muss, um sich eine größere Anschaffung leisten zu können. Fester Bestandteil ist ein Besuch bei der Sparkasse. „Hier kommen von den Schülern viele Fragen zu Aktien und Zinsen“, berichtet Hartwig. Damit gibt es die Verbindung zum Mathematik-Unterricht, in dem im siebten Schuljahr die Zinsrechnung ansteht.
„Partnerfach“ in der neunten Klasse ist Deutsch. Hier wird die wirtschaftliche Fachsprache analysiert, etwa um einen Zeitungsartikel im Wirtschaftsteil besser verstehen zu können. Außerdem nehmen die neunten Klassen am „Planspiel Börse“ teil – und zeigen nach Schorns Worten reges Interesse an Aktien. „Das hat was mit Spiel, Sport und Wettbewerb zu tun“, erläutert die Lehrerin.
Im elften Schuljahr absolvieren die Schülerinnen und Schüler ein Betriebspraktikum, für das die Sparkasse ein festes Kontingent an Plätzen bereit stellt. Hierbei steht, wie dann auch im Jahr darauf, die Berufsorientierung im Mittelpunkt. Im Jahr zuvor absolvieren die Schülerinnen und Schüler bereits ein Sozialpraktikum, bei dem laut Trousil die Persönlichkeitsbildung gefördert wird.
Beide Seiten zufrieden
Zwei Jahre nach den ersten Überlegungen sind beide Seiten zufrieden. „Wir haben ein dauerhaftes Konzept, das mit kleinen Schritten begonnen hat“, ist Gabriele Schorn zufrieden. Dankbar ist Schulleiter Trousil, da sein Haus mehr empfange als es bislang zurückgeben kann. Damit die Partnerschaft keine Einbahnstraße bleibt, wird derzeit etwa über Auftritte von Musikgruppen der Schule in der Sparkasse oder Sprachzertifikate für Mitarbeiter des Geldinstitutes nachgedacht.










