Aktionstag zum Grundgesetz am Uniplatz: Jede Barriere ist eine zu viel
Von Christiane Hartung
Fulda
„Jede Barriere ist eine zu viel!“ lautete das Motto, das am Samstag am Uniplatz Fulda großgeschrieben wurde. Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege, das Antoniusheim und das Bündnis Aktion Grundgesetz setzten sich für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ein – teilweise mit ungewöhnlichen Aktionen wie dem Fackellauf.
Trotz Regen, nasser Haare und durchgeweichter Kleidung umrundeten die Teilnehmer den Platz auf der 250 Meter langen Bahn mit Fackeln in der Hand und einem Lachen im Gesicht. Gemeinsam wollten sie die Strecke von Fulda nach München, dem diesjährigen Austragungsort der Special Olympics, die alle zwei Jahre stattfinden, erlaufen. Auch 32 Athleten aus Fulda werden in diesem Jahr an den Spielen Ende Mai teilnehmen. Darunter Monika Breitkopf als Kanutin und Frank Wiesner in der Disziplin Tischtennis. Beide sind froh und stolz in München an den Start gehen zu dürfen.
Seit fast 20 Jahren veranstalten Verbände und Organisationen der Behindertenhilfe und -Selbsthilfe Anfang Mai überall in Deutschland Podiumsdiskussionen, Informationsgespräche, Demonstrationen und Aktionen. Dabei geht es darum, die Kluft zwischen dem im Grundgesetz verankerten Anspruch der Gleichberechtigung für alle Menschen und der Lebenswirklichkeit Stück für Stück zu überwinden.
In diesem Jahr drehte sich alles um das Thema Barrierefreiheit. Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Stadt und Landkreis Fulda (Liga), das Antoniusheim Fulda sowie das Fuldaer Bündnis Aktion Grundgesetz hatten zur „Aktion Grundgesetz“ unter dem Motto „Jede Barriere ist eine zu viel“, das Aktion Mensch zum diesjährigen Europäischen Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ausgerufen hatte, auf den Uniplatz eingeladen.
Mit der Veranstaltung wollten die Teilnehmer deutlich machen, dass von Barrierefreiheit alle Menschen profitieren. „Das Motto verdeutlicht die politische Stoßrichtung“, erklärte Annelore Hermes, Sprecherin der Liga. Es ginge darum, nicht nachzulassen, Menschen mit Behinderung den Alltag so zu erleichtern, dass sie in allen gesellschaftlichen Bereichen ganz selbstverständlich partizipieren könnten. „In Fulda ist in den vergangenen Jahren bereits viel getan und erreicht worden“, unterstrich Hermes und verwies auf die von der Stadt beabsichtigte Einführung eines Behindertenbeirats.
Symbolischer Fackellauf
„Das Thema Inklusion kann nicht im Ruck-Zuck-Verfahren umgesetzt werden, es geht nur Schritt für Schritt“, erklärte Bürgermeister Wolfgang Dippel (CDU). „Mit der Aktion setzen sich die Menschen für die Grundgesetz-Werte Freiheit und Gleichheit ein“, lobte Heiko Wingenfeld (CDU), Erster Kreisbeigeordneter. „Aber die Menschen müssen immer wieder neu für das Thema Inklusion sensibilisiert werden. Inklusion kann nur gemeinsam angepackt werden und erfordert auch ein Neudenken.“ Die beiden Politiker hatten die Schirmherrschaft für die Aktion übernommen und sich auch dem Fackellauf angeschlossen.
Den alltäglichen Hürdenlauf eines Rollstuhlfahrers konnten Menschen ohne Behinderung beim Rollstuhl-Parcours selbst ausprobieren. Dabei ging es darum, deutlich zu machen, dass nicht nur Menschen mit Behinderung von einem barrierefreien Alltag profitierten. „Rampen zu öffentlichen Gebäuden sind da ein gutes Beispiel“, erklärte Hermes. „Denn diese werden nicht nur von Rollstuhlfahrern benutzt, sondern auch von Müttern mit Kinderwagen oder Menschen mit Knie- und Hüftproblemen, die nicht mehr gut Treppen steigen können.“
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