Auftakt des Jubiläums: Gang durch Höhen und Tiefen
Von Hartmut Zimmermann
Fulda
Dom-Geschichte in Jahrhundert-Schritten bot die Festveranstaltung, die am Dienstagabend die Feierlichkeiten zur 300. Wiederkehr der Dom-Weihe eröffnete.
Der Auftakt war kein Blick zurück, sondern ein Voranschreiten in der Historie: Vom Weihe-Jahr 1712 ausgehend, entfalteten Domkapitular Professor Dr.Werner Kathrein, Dr. Dagobert Vonderau sowie Generalvikar Professor Dr. Gerhard Stanke die Epochen der Domgeschichte. Dabei wurde deutlich, dass die vor 300 Jahre geweihte Stiftskirche des Fuldaer Klosters beileibe nicht von schweren Zeiten verschont worden ist.
Der Kirchenhistoriker Kathrein stellte eingangs klar, dass weder die Baufälligkeit der Ratgarbasilika noch die Repräsentationslust der Barockzeit die ausschlaggebenden Impulse für den Dom-Neubau gewesen seien. Mit dem Bau der Kathedralkirche habe das Kloster vielmehr den Abschluss des Prozesses gesetzt, der allgemein mit den Begriffen „Gegenreformation“ oder „Katholische Reform“ bezeichnet werde. Zudem sei der Bau ein starkes Zeichen des Fuldaer Selbstbewusstseins gewesen: Man sprach 1712 von einem „kleinen Vatikan in Deutschland“.
Die Wechsel der Zeiten wurden schon dadurch den erkennbar, dass die Domjubiläen ganz unterschiedlich begangen wurden. Ist vom 50-Jährigen nichts überliefert, stand die 100. Wiederkehr des Weihetags im Schatten der Folgen der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege. Auf die harten Zeiten folgte im 19. Jahrhundert ein neuer geistlicher Aufbruch, der, so Dagobert Vonderau, „die Volkskirche entstehen ließ, wie wir sie bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein kannten“. Doch dann kamen die schweren Zeiten des Kulturkampfes. Verfolgung und Bedrängnis hätten aber, so Kathrein, letztlich den Zusammenhalt der Katholiken gestärkt. So wurde das Bonifatius-Jubiläum 1905 ganz groß gefeiert. Doch das Fest wurde auch ein Datum mit negativen Vorzeichen: Der durch ein Feuerwerk entfachte Dombrand zerstörte unter anderem einen Turm und die große Osanna-Glocke.
Wechselhaft blieben die Zeiten für Fulda, wo seit 1867 die deutschen Bischöfe regelmäßig zusammenkamen. Denn der 1. Weltkrieg und die Notjahre danach prägten das Geschehen ebenso wie das Erstarken der Nationalsozialisten und der neuerliche Weltkrieg. Versöhnliche Erinnerungen steuerte Generalvikar Gerhard Stanke bei, der die Dom-Renovierung erwähnte und betonte, welch großer Impuls 1980 vom Besuch Papst Johannes Pauls II. ausgegangen sei.
Die eigentliche Bestimmung des Doms liege, so Stanke, darin, „Wahrzeichen Gottes“ zu sein und die Größe und Schönheit des Schöpfers zu zeigen. Stanke schloss mit einem Wunsch: „Der Dom möge ein Ort der Stärkung des Glaubens bleiben.“ Domorganist Professor Hans-Jürgen Kaiser bereicherte die Schlaglichter zur Dom- und Kirchengeschichte durch ausgewählte Orgelstücke.
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