Bahn-Repräsentant macht „Autowerbung“ für Fulda
Von Ulrich Schmid
Hofbieber/Wien
Wenn Wolfgang Gehring mit seinem blauen Mercedes, in dem einst der deutsche Botschafter in Österreich chauffiert wurde, durch die Fuldaer Friedrichstraße fährt, dann winken ihm viele Menschen zu.
Obwohl der langjährige Repräsentant der Deutschen Bahn in Wien ein sympathischer Zeitgenosse ist, sind die freundlichen Gesten dem Kennzeichen seines Wagens geschuldet. „Fulda 1“ steht da hinter dem „W“ für die österreichische Hauptstadt und dem Landeswappen. „Mein Wunschkennzeichen war nicht vergeben, und so habe ich es für 15 Jahre gekauft“, sagt Gehring beim Besuch in seiner alten Heimat.
Für ein paar Tage logierte der mit einer Almendorferin verheiratete „Eisenbahner von der Pike auf“ mit seinem Freund, dem Schauspieler Friedrich W. Schwardtmann, in der Hofbieberer Kiesbergquelle. „Meine Berufszeit neigt sich ihrem Ende entgegen, da kann man solche Auszeiten besonders genießen“, sagt Gehring, der seine Kindheit in Bronnzell, Gersfeld und Heringen verbrachte.
Den jüngsten dreitägigen Kurzurlaub nutzte er, um durch das mittelalterlich geprägte Schlitz zu Bummeln, das Farbenspiel der herbstlich gefärbten Bäume am Guckaisee und auf der Milseburg in sich aufzunehmen. Und was gibt es Schöneres, als solche Anblicke mit einem Freund zu teilen? Gehring, der nach dem Besuch einer Abendschule und eines Fachhochschulstudiums 1988 in der Bahn-Hierarchie aufstieg, wurde jetzt von Friedrich-W. Schwardtmann begleitet, der momentan in drei Rollen am bekannten „Theater in der Josefstadt“ zu sehen ist.
Denn neben dem Faible für Fußball nimmt die Kunst, speziell die fürs Kabarett, breiten Raum im Leben Gehrings ein, der 1990 die Auslandsvertretung der Deutschen Bahn für Österreich und Ungarn in Wien übernahm und dort für die deutsche Botschaft und andere Vertretungen viele kulturelle Zusammenkünfte arrangierte. Gehrings daraus entstandene Freundschaft mit Schwardtmann könnte schon bald für osthessische Kulturbegeisterte Früchte tragen. „Wir denken darüber nach, hier einmal einen Abend mit Wiener Texten anzubieten, eventuell noch im Dezember dieses Jahres“, erklärt Gehring.
Wiener denken an Reifenmarke
Der Spagat zwischen Osthessen und der Bundeshauptstadt gelang dem 59-jährigen Gehring übrigens auch privat sehr gut. Der älteste Sohn, 29 Jahre alt, wurde in Fulda geboren, der jüngere, 21 Jahre alt, in Wien. „Sie wuchsen zweisprachig auf, im Dialog bevorzugen sie aber wienerisch“, sagt Gehring und lacht dabei.
Seine drei bis vier Fulda-Visiten pro Jahr nutzt er, um seinen 86 Jahre alten Vater zu besuchen, aber auch dazu, um Freunde aus alten Zeiten zu treffen. So zieht es ihn immer wieder zu den Fußballern des RSV Petersberg, genauer gesagt zu dessen Alt-Herren-Truppe. „Die Freundschaften aus der Jugend zu pflegen, ist etwas ganz Wichtiges“, nennt Gehring eine Antriebsfeder, um die rund acht Reisestunden entfernt liegende Heimat regelmäßig zu besuchen.
Und so hat er sich auch schon für Anfang Mai nächsten Jahres einen Termin gesetzt. „Meinen 60. Geburtstag werde ich in der Kiesbergquelle feiern“, sagt Gehring, der aber auch nach seiner Pensionierung Ottakring im Westen von Wien treu bleiben wird.
Die Freude, die das Kennzeichen an seinem im Juli 2010 erworbenen Wagen in Fulda hervorruft, weckt in seiner neuen Heimat eher andere Assoziationen. „Bei Fulda 1 denken die Wiener eher daran, dass es sich um einen Firmenwagen handelt. Fulda wird dort mit der Reifenmarke in Verbindung gebracht. Und wirklich, es sind ja auch Fulda-Reifen montiert“, sagt Gehring.
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