Demografischer Wandel: Landkreis schneidet gut ab
Von Sarah Seitz
Kreis Fulda
Er ist nicht mehr aufzuhalten: Der demografische Wandel ist in vollem Gange und geht auch an der Region nicht spurlos vorüber. Die Statistiken zur Bevölkerungsentwicklung sprechen für sich. Dennoch schneidet der Kreis Fulda im Vergleich zu anderen in Hessen gut ab.
Die Prognosen lesen sich beinahe wie ein Horrorroman: Bis zum Jahr 2030 wird die Bevölkerung im Vogelsbergkreis um rund 14,7 Prozent (Quelle: Hessen Agentur) zurückgehen, im Werra-Meißner-Kreis sogar um 17,8 Prozent. Experten sagen Szenarien wie ausgestorbene Dörfer, verwaiste Schulen, drastischen Fachkräftemangel und einen enormen Verfall der Immobilienwerte voraus. Das alles sind Folgen des demografischen Wandels, der auch an der Region nicht spurlos vorüber gehen wird.
Dennoch stehen die Aussichten für den Landkreis Fulda nicht ganz so schlecht wie beispielsweise für den Nachbarlandkreis Vogelsberg. Bis 2030 wird die Bevölkerung im Kreis nur um rund 5,7 Prozent schrumpfen. Und das hat viele Gründe, weiß Bruno Günkel, Fachdienstleiter Wirtschaftsförderung, Standortmarketing, Tourismus und ÖPNV im Landratsamt Fulda. „Die wirtschaftliche Ausgestaltung des Kreises ist gut, die zentrale Lage inmitten Deutschlands, die sehr gute Verkehrsanbindung mit Autobahnen und ICE-Verbindungen. Und hinzu kommt, dass die Menschen hier ein sehr starkes Regionalbewusstsein haben“, erklärt Günkel. Sie lieben ihre Heimat, fühlen sich wohl in der Region und wollen hier leben und arbeiten.
Demografischer Wandel
Der demografische Wandel ist die Konsequenz aus einer außerordentlich langfristigen Entwicklung, die durch den Rückgang der Geburten- und Sterberaten gekennzeichnet war und in Deutschland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzte. Der demografische Wandel umfasst sehr unterschiedliche Konsequenzen, die nicht immer zusammen eintreten müssen: 1. Abnehmende Bevölkerungszahlen. 2. Die demografische Alterung, wenn sich das Durchschnittsalter der Bevölkerung erhöht. 3. Die demografische Individualisierung, wenn immer mehr Menschen zeitlebens allein leben. 4. Die demografische Internationalisierung, wenn Bevölkerungen im Hinblick auf ihre Herkunft zunehmend vielschichtiger werden. Darüber hinaus hat der demografische Wandel zahlreiche weitere Konsequenzen, die bezogen auf bestimmte Bevölkerungsgruppen oder auf einzelne Regionen, wirken. Der demografische Wandel kann deshalb regional sehr unterschiedlich aussehen. / sah
Unter dem Titel „Gesichter des Wandels“ werden in den kommenden Monaten in loser Reihenfolge verschiedene Artikel rund um das Thema demografischer Wandel erscheinen.
Unter dem Titel „Gesichter des Wandels“ werden in den kommenden Monaten in loser Reihenfolge verschiedene Artikel rund um das Thema demografischer Wandel erscheinen.
Der Effekt: Weniger Menschen gehen aus der Region weg, Familien werden hier gegründet, Kinder hier geboren – und der demografische Wandel dadurch ein Stück weit aufgehalten. Vor allem in den stadtnahen Gemeinden mache sich dies bemerkbar. Denn je näher ein Ort an einem Oberzentrum wie Fulda mit Unternehmen, Arbeitsplätzen, Schulen, Kindergärten, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten liegt, umso weniger sind dort die Folgen des demografischen Wandels ausgeprägt. „Gemeinden wie Großenlüder, Petersberg oder Eichenzell haben deshalb weniger Probleme als beispielsweise Eiterfeld oder Ehrenberg in der Rhön“, erklärt der Fachdienstleiter.
Nichtsdestotrotz werden die Folgen des Wandels auch in stadtnahen Gemeinden spürbar und sichtbar sein. Ein Beispiel: „Die Menschen werden immer älter, gleichzeitig bleiben sie aber auch länger fit. Fakt ist: Es gab noch nie so viele fitte Alte wie heute“, sagt Bruno Günkel. Und diese müssten gefordert und in die Gesellschaft eingebunden werden. Vereine wie Miteinander-Füreinander würden das bereits erfolgreich umsetzen. Zudem werde sich der Bevölkerungswandel in Kindergärten und Schulen besonders bemerkbar machen. Während in diesen Einrichtungen tendenziell weniger Plätze gebraucht werden, müssen beispielsweise mehr Betten in Pflegeheimen oder Betreuungsplätze für Demenzkranke bereitgestellt werden.
Für Bruno Günkel erscheint vor allem ein Fakt wichtig: „In der Gesellschaft ist alles auf Wachstum ausgerichtet. Für die Zukunft ist das aber der falsche Ansatz. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass unsere Bevölkerung nicht mehr wächst, stattdessen müssen wir daran arbeiten, den Status quo aufrecht zu erhalten.“
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