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23. Oktober 2012



Der einsame Esel in der Rhön

Poppenhausen
Es ist die Nacht von Samstag auf Sonntag, kurz nach Mitternacht. Plötzlich schrillt das Notruftelefon der Polizeistation Hilders; der Wachhabende greift zum Hörer.

Zunächst glaubt er an einen Scherz, denn der Anrufer teilt ihm aufgeregt mit, dass er mit seinem Auto in der Rhön unterwegs sei und plötzlich habe im Scheinwerferlicht ein weißer Esel mitten auf der Straße gestanden.

Zugegeben: der erfahrene Polizist war einem Moment sprachlos - ein weißer Esel in der Rhön? Oder war es vielleicht nicht doch ein rosa Elefant oder eine lila Kuh? Oder wollte ihm der Anrufer einen Bären aufbinden, weil er in Wirklichkeit weiße Mäuse gesehen hatte?

Fragen über Fragen, doch auch dieser mysteriöse Fall hatte Anspruch auf professionelle Aufklärung durch die Polizei.

Zunächst die üblichen Fragen nach Personalien, genauem Standort und anderen Details. Schnell war klar, dass der Anrufer aus dem oberfränkischen Rödental nicht genau wusste wo er sich befand - die Geschichte an sich jedoch tatsächlich glaubhaft war.

Doch wo kommt der weiße Esel her und wie kommt er wieder zurück in seinen Stall?

Die genaue Örtlichkeit war schnell geklärt, nachdem der Anrufer ein vorbeifahrendes Auto mit ortskundigem Fahrer angehalten hatte: eine Straße zwischen Poppenhausen und Gackenhof.

Der Ortslandwirt - von der Polizei aus dem Schlaf geklingelt - gab den entscheidenden Hinweis auf den möglichen Besitzer, doch dieser ging nicht ans Telefon - ok, es war ja auch schon fast halb eins und in der Rhön gehen viele früh zu Bett. Doch auch hier fand sich eine Lösung. Ein Mitfahrer aus dem Wagen der Oberfranken blieb bei dem gutmütigen Esel zurück, die anderen fuhren mit dem Auto direkt zu dem Besitzer des Grautieres nach Gackenhof und klingelten ihn aus der wohlverdienten Nachtruhe.

Schnell überzeugte man sich, dass der Esel, der gewöhnlich auf einer Wiese graste, tatsächlich durch seine eigene Abwesenheit glänzte. Kurzerhand packte man den Eigentümer des Tieres in das Auto und führte das Grautier und seinen Besitzer wieder zusammen.

Kopfschüttelnd stellte der Eigentümer fest: "In 40 Jahren ist der Esel noch nicht einmal ausgebrochen. Vielleicht wird er ja jetzt auf seine alten Tage noch mal umtriebig."

Schmunzelnd und in Erwartung weiterer Ereignisse, setzten die Polizisten auf dem Rhönrevier in Hilders ihren Nachtdienst fort.


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