Die Maulkuppe ist zur Heimat geworden
Von Rainer Ickler
Maulkuppe
Seit 40 Jahren sind Manfred und Elisabeth Laudenbach Pächter im Fuldaer Haus auf der Maulkuppe. Das runde Gebäude des Rhönklubs ist eines der beliebtesten Ausflugsziele im Fuldaer Land.
Als die damals 23 und 21 Jahre alten Laudenbachs den Vertrag mit dem Rhönklub unterschrieben, ahnten sie nicht, dass dies ihr Arbeitsplatz für die kommenden 40 Jahre sein würde. Die beiden gelernten Köche kommen aus dem Landkreis Fulda – er vom Gackenhof in Poppenhausen, sie aus dem Hosenfelder Ortsteil Brandlos. Im Jahre 1972 wohnten und arbeiteten sie in Bad Homburg. Das Stadtleben gefiel ihnen nicht, sie sehnten sich nach der Heimat. Und das Haus auf der Maulkuppe mit der tollen Aussicht auf viele Berge der Rhön machte ihnen die Entscheidung leicht, den Pachtvertrag zu unterschreiben.
Die ersten Jahre waren nicht einfach. Denn die beiden hatten mit dem damals nicht gerade guten Ruf der Gaststätte zu kämpfen. Zudem seien die Gäste skeptisch gewesen. „Doch wir haben ordentlich gekocht und guten Kuchen angeboten“, erinnern sich die beiden. Damit haben sie viele Gäste überzeugt. Neben ihren Koch- und Backkünsten waren auch handwerkliche Fertigkeiten und Geduld gefragt. Denn anfangs gab es kein fließendes Wasser im Haus – nur eine Pumpe.
Im Sommer musste die US-Armee aushelfen, indem sie Wasser brachte. Erst 1976 wurde die Wasserleitung verlegt. „Wir mussten viel improvisieren, erinnert sich Manfred Laudenbach an den Beginn. In dem Rundbau war es eng. „Und so überlegten wir, wie wir notwendige Neuerungen wie Spülmaschine oder Kombi-Dämpfer einbauen können.“ In schneereichen Wintern zogen sie häufiger Gäste, die mit ihren Autos im Graben gelandet waren heraus, das Schneeräumen musste organisiert werden. In der Anfangszeit kamen auch die beiden Söhne, Markus und Florian, auf die Welt. Zahllose Gäste sahen die beiden Kinder heranwachsen.
Mit Fleiß und Engagement haben die Laudenbachs im Laufe der Jahre bewiesen, dass sie den vielen Herausforderungen gewachsen waren. Im Rückblick sagt Manfred Laudenbach: „Heiraten und sich selbstständig machen muss man, wenn man jung und unerfahren ist.“ Mittlerweile ist das Fuldaer Haus eine feste Größe in der Rhön. Das markante Gebäude dient vielen Wanderern als Ausgangspunkt oder Zwischenstation ihrer Touren. Zwölf Zimmer mit 25 Betten stehen zur Verfügung. Auch viele Gäste aus nah und fern kommen gerne, um nach einer Wanderung in der gemütlichen Gaststube oder auf der Terrasse zu rasten.
Apropos Terrasse: 1996 wurde das Fuldaer Haus modernisiert. Neben den Sitzmöglichkeiten im Freien wurde die Toilettenanlage erweitert. „Das war dringend notwendig“, sagt Elisabeth Laudenbach. Denn den Hausgästen sei es nicht mehr zuzumuten gewesen, dass sie die Toilette mit den Tagesgästen teilen sollten. Und auch die Küche, die viel zu klein geworden war, wurde vergrößert. „Die Gäste wurden anspruchsvoller, wir mussten handeln“, erklären die beiden, die heute noch selbst in der Küche stehen und bevorzugt Produkte aus der Region verarbeiten. Sie gehören der Wirtevereinigung Rhöner Charme an.
Mittlerweile gehen die Laudenbachs aufs Rentenalter zu. „Nächstes Jahr werden wir bestimmt noch machen, danach sehen wir weiter“, sagt Manfred. Vielleicht hängen sie ja noch einige Zeit dran. „Das Haus steht gut da“, bilanziert er. Zudem haben sie ein besonderes Privileg: „Wir haben hier oben die Freiheit, die Schönheit der Landschaft zu genießen – trotz der Arbeit“, sagen sie. „Jedes Wetter hat hier oben eine besondere Stimmung – ob Regen, Schnee, Nebel, Sonne oder Sturm“, beschreibt Elisabeth Laudenbach, die zudem seit elf Jahren Ortsvorsteherin von Steinwand ist, die Charakteristik der Maulkuppe. Jetzt stehen erst mal arbeitsreiche Monate an, ehe die Laudenbachs im November und Dezember, wie jedes Jahr, in Urlaub fahren, um sich von den langen Arbeitstagen zu erholen.
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