Die Woche im Rückblick
Von Michael Tillmann
Fulda
Einmal ist immer das erste Mal: Vor Bürgermeisterwahlen berichtet die Zeitung gewöhnlich ausgewogen, stellt Positionen von Kandidaten gegenüber, will somit Meinungsbildung ermöglichen – nach dem FZ-Forum zur Wahl in Bad Salzschlirf am vergangenen Montag sehen wir uns vor dem Wahltag zu einer klaren Positionierung genötigt.
Im Sinne Bad Salzschlirfs, aber auch im Interesse aller seriös arbeitenden Bürgermeister in den Städten und Gemeinden.
Denn was beim FZ-Forum von dem einen der beiden Bewerber um das Amt des Bürgermeisters geboten wurde, das bezeichnen wir schlicht als Klamauk. Wir reden hier nicht vom gemeinsamen Kandidaten der Gemeindevertretung, wir sprechen nicht von Matthias Kübel (CDU). Wir reden von seinem Mitbewerber Anders Arendt. „Wortreich und ulkig“ sei er gewesen – so berichteten wir in der Dienstagausgabe über den Auftritt des 38-Jährigen aus Amöneburg, der Nachfolger von Armin Faber werden möchte.
Nun gut, sich zu bewerben, das ist sein gutes Recht. Aber beim FZ-Forum erinnerte der Auftritt dieses Mannes – der in eben jenem Amöneburg einmal Bürgermeister war und dann nach kurzer Zeit wieder abgewählt wurde – an den Auftritt eines schlechten Komödianten. Da versuchte Arendt doch tatsächlich auf der Bühne ein Quiz mit seinem Mitbewerber Kübel zu initiieren. Da erdreistete er sich, einen Gast zu beschimpfen. Da lugte er immer wieder frech auf den Spickzettel des Moderators.
Da schwadronierte er – zugegeben angesprochen aus dem Auditorium auf eine ältere Äußerung von ihm – über die „10-Stunden-Woche“ eines Bürgermeisters. Mehr Zeit brauche man nicht zum Verwalten. Und so weiter und so weiter.
Sicher: Eine Direktwahl mag auch Quereinsteigern beziehungsweise Parteigängern, die nicht „gedient“ haben, die Möglichkeit zur Bewerbung geben. Aber deshalb sollte eben noch lange nicht jeder Bürgermeister werden (können).
Anders Arendt jedenfalls trat so auf, dass man ihn sich als Bürgermeister gar nicht erst vorstellen möchte. Wie gesagt: Immer ist irgendwann ein erstes Mal. Und so ein Forum macht eben auch anschaulich deutlich, wer da eigentlich antritt. Für Mitbewerber Kübel und damit auch für das Publikum war das schade, denn eine ernsthafte Diskussion über Positionen war mit Arendt gar nicht möglich.
Gewählt wird in einer Woche. Bis dahin stellt sich vielleicht in der Region endlich der Sommer ein. Schluss mit der Tristesse, hofft Michael Tillmann.
Leser-Kommentare ( 1 )
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mutbürger (17) | 9. June 2012;09.06.2012;1339238817 --> 09 Juni 2012
Die Einführung einer Direktwahl des BM...
...war einer der größten Fehler des Kommunalrechts. Sicherlich, der Ansatz war gut gedacht: "Mehr Demokratie", zwei jeweils separat gewählte Protagonisten mit Vertretung und Bgm, die sich ihrerseits auf eigene Legitimation berufen können. Aber der Fall Hofbieber hat gezeigt: nicht jeder ist für ein solches Amt geeignet. Gemeinden müssten offizielle Anforderungsprofile ausweisen, die von den Kandidaten erfüllt werden müssen. Nur so kann dem Amt und den Gemeinden gedient werden!









