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13. April 2012



Dippel in Sperrstunden-Debatte: Ich brauche Ihre Vorschläge

hak

Fulda
„Fulda ist keine reine Ü-50-Stadt“, schallte es Bürgermeister Dippel entgegen, als dieser vor jungen Leuten seine Pläne für die Festlegung der Sperrzeit auf 3 Uhr verteidigte.

Organisiert hatte das Aufeinandertreffen move36, Osthessens neues Monatsmagazin und Onlineportal. „Wir sind von der großen Resonanz überrascht“, leitete move36-Chefredakteur Bernd Loskant die Gesprächsrunde im Medienhaus Parzeller ein. Zu der spontan organisierten Veranstaltung hatten sich viele junge Leute aus der Region angemeldet, aus Platzgründen konnten nur 60 teilnehmen. Und es dauerte nicht lange, bis die ersten ihrem Unbehagen über das Vorhaben des Bürgermeisters, dass Kneipen früher dicht machen müssen als bisher, Luft machten. „Was erwarten Sie sich denn von der Sperrstunde? Wer um 5 Uhr in einen Briefkasten pinkelt, wird dies auch um 3 Uhr tun“, äußerte Teilnehmerin Luzia Kremser.

Dr. Wolfgang Dippel (CDU) hielt dem entgegen, dass sich die Situation durch 13 Betriebe, die sich vor einiger Zeit in einer freiwilligen Aktion bereit erklärten, nicht später als 3 Uhr zu schließen, etwas entspannt hätte. Zudem seien die Müll-, Randale- und Lärmprobleme keine spezifisch Fuldaer Angelegenheit. In vielen Städten sei man dabei, die Sperrzeit zu überprüfen.

Kritisiert wurde von den jungen Gesprächspartnern allerdings, dass eine Sperrstunde keine schlechte Kinderstube beseitige: „Das Benehmen der Menschen kann die Politik nicht ändern. Das ist eine Sache der Erziehung“, sagte Lena Larbig, die sich in Fuldas Junger Union (JU) engagiert. Eine Videoüberwachung des „Bemudadreiecks“, die immer wieder ins Gespräch gebracht wird, lehnte Dippel ab. Auch der Vorschlag von Markus Sennefelder, privaten Securitykräften vor Kneipen mehr Kompetenzen zuzusprechen, entpuppte sich als rechtlich nicht durchsetzbar.

Dann vielleicht den Straßenverkauf von Essen und Getränken nach 23 Uhr verbieten? Denn: „Das Schwierige sind nicht die Leute in den Kneipen, sondern die, die davor stehen, essen und gröhlen“, erklärte Sennefelder. An Vorschlägen der Diskussionsteilnehmer, wie sich die Probleme eindämmen lassen, mangelte es nicht. Doch viele Dinge scheitern daran, dass sie einer juristischen Überprüfung nicht standhalten würden.

Ruf nach einer stärkeren Polizeipräsenz

Immer wieder wurde auch der Ruf nach einer stärkeren Polizeipräsenz laut. Doch viele Teilnehmer staunten nicht schlecht, als Polizei-Vizepräsident Günther Voß und der stellvertretende Dienstgruppenleiter Holger Weinrich von der – gemessen an der Zahl der zur Verfügung stehenden Beamten – immensen Größe des Einsatzgebietes berichteten. Immerhin: Ab Sommer bekomme man Verstärkung, sagte Voß. Ziel sei, dann an Wochenenden eine feste Innenstadtstreife einzusetzen. Die Idee einer mobilen Wache, die JU-Mitglied Daniel Höfer in die Diskussion einbrachte, fand bei Dippel und Voß positiven Anklang.

Insgesamt zeigte sich der Bürgermeister offen für Vorschläge: „Ich brauche Ihre Vorschläge zur Prüfung, denn noch ist nichts festgelegt“, sagte er. Dass ab 3 Uhr künftig nicht mehr gefeiert werden kann, ist also noch nicht entschieden. Da fiel Vielen ein Stein vom Herzen. Auf Initiative von move36 wird nun eine Arbeitsgruppe gebildet, die Dippel Alternativ-Vorschläge zur 3-Uhr-Sperrzeit macht. Nach zweieinhalb Stunden Debatte verabschiedete sich Dippel mit dem Versprechen, die Diskussion bei move36 fortzusetzen. 


Leser-Kommentare ( 12 )
  • Charlemagne (98) | 20. April 2012;20.04.2012;1334918908 --> 20 April 2012
    Das also ist des Pudels Kern!

    Ich war doch bisher stets über ihre bissigen Repliken, Janosch, verwundert. Es geht also gar nicht um das objektive Sicherheitsgefühl, sondern ums Portemonnaie des Vermietenden. Jetzt verstehe ich natürlich den "kritisch-objektiven" Einsatz für die Sperrstunde...

  • janosch12 (72) | 20. April 2012;20.04.2012;1334954126 --> 20 April 2012
    sperrstunde um 3 uhr

    damit sie beruhigt sind, ich besitze keine immobilie im bermudadreieck oder sonswo in fulda. es geht immer noch um eine unerträgliche zunahme von ruhestörung und vandalismus, der sich hauptsächlich in einer zeit abspielt, in der die kneipen bereits freiwillig geschlossen haben. sollten sie daran zweifeln, stehen sie um 4.30 auf und schauen es sich live an. dies muß ich als anwohner nicht hinnehmen. über eine vernüftige Lösung für alle wird ja bereits nachgedacht.

  • fz2011 (77) | 16. April 2012;16.04.2012;1334579857 --> 16 April 2012
    Hallo Herr Bürgermeister Dippel, …wir können es auch nicht mehr...

    als Anlieger/Bewohner verstehen - so leben zu müssen!!!
    ABER - die Sperrzeit bringt's: Deggendorfer Polizei hat nachts weniger zu tun !!!
    Deggendorf (31.700 Einw.) hat zum 1. Mai 2011 die Sperrzeit ab 2 Uhr eingeführt! Es ist sichtbar und hörbar ruhiger geworden. Insgesamt sind im Vergleich der jeweils zehn Monate die Sicherheitsstörungen um 15,8 % zurückgegangen, diejenigen in der Zeit von 2 bis 6 Uhr sogar um 30,18 %! HALLO – es funktioniert – also ran - zum Wohle der Anlieger!!!