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28. September 2012



Ein Kollektiv "regiert" die Gemeinde

Rainer Ickler

Hofbieber
Seit Marcus Schafft am 2. April als Bürgermeister zurückgetreten ist, hat der achtköpfige Gemeindevorstand die Amtsgeschäfte der Gemeinde Hofbieber übernommen.

Seit fast einem halben Jahr tragen eine Frau und sieben Männer die Verantwortung. Sie müssen noch bis zum 31. Oktober weiter „regieren“. Erst dann übernimmt der neu gewählte Bürgermeister Markus Röder (parteilos) die Amtsgeschäfte. Dass die offizielle Bürgermeister-Vertretung, der Erste Beigeordnete Matthias Reinhard (CDU), im Falle des Urlaubs des Rathauschefs für einige Wochen die Verantwortung übernimmt, ist normal. Doch jetzt müssen sieben Monate überbrückt werden. Grundstücksverkäufe  müssen notariell beglaubigt, die Aufträge für Bauarbeiten vergeben, Beschwerden der Bürger beantwortet werden.

Damit nicht eine Person allein die vakante Bürgermeisterstelle ausfüllen muss,  sind in Hofbieber die Aufgaben auf die  Mitglieder des Gemeindevorstandes verteilt worden.  „Wir arbeiten kollegial zusammen, es gibt auch mal Streit um  Sachthemen, doch letztendlich wird über die Parteigrenzen hinweg eine Entscheidung getroffen“, bilanziert Reinhard und sagt:  „Inzwischen sind wir alle per du“.   „Wir versuchen es hinzubekommen, dass an jedem Tag jemand von uns hier imRathaus ist, um Kontakt zu Verwaltungs-Mitarbeitern und Bürgern zu halten“, erklärt Reinhard die Arbeitsweise. JedenDienstag treffen alle acht Mitglieder des Gemeindevorstandes zusammen, um die wichtigsten  Themen zu behandeln und Entscheidungen zu treffen sowie die Mitarbeiter zu informieren und sie einzuweisen.  „Bislang lief alles einvernehmlich, immer hat es Mehrheitsentscheidungen gegeben“, erklärt Dr. Jörg Voßbrink (Grüne).

„Im Schnitt kommt jeder von uns auf 10 bis 15 Stunden pro Woche“, rechnet Voßbrink vor.  „Das ist viel, denn jeder  hat ja noch einen Beruf“, umschreibt Matthias Reinhard,   hauptberuflich Leiter des Fachdienstes Personalorganisation beimKreis Fulda, und für knapp 1000 Mitarbeiter verantwortlich, die Belastung.
Dass es „politische Holperer gegeben habe“, sei normal. Als Beispiel nennt er den geplanten Bau der Seniorenwohnanlage neben dem Golfplatz. Anlieger hatten gegen diese Entscheidung protestiert, es  habe Irritationen in der Bevölkerung gegeben. „Wir haben das geerbt“, erklärt Reinhard die Entscheidung, dass gebaut werden darf.  

Grenze der Belastbarkeit

Auch andere wichtige Themen mussten die Beigeordneten behandeln: Ortskernentwicklung, den Ausbau des schnellen Internets, Windkraft und die gesplittete Abwassergebühr.  Da musste sich  der zuständige Beigeordnete Walter Hohmann (CWE) in Dipperz und Hünfeld informieren, wie dies praktisch umsetzbar ist.    Seine Erfahrung: „Ich musste mich intensiv in die Themen einarbeiten.“ „Man trifft Entscheidungen  über riesige Summen und wir halten den Kopf dafür hin“, erklären Voßbrink, Hohmann  und Manfred Vorndran (CDU). Letzterer ist für die Bereiche Bauhof und Erschließung zuständig, muss die Notarverträge für die Gemeinde unterschreiben. „Wenn es Zweifel gibt, unterschreibe ich nicht“, erklärt Vorndran seine schwierige Mission.

„Es läuft gut“, ziehen die Beigeordneten eine Bilanz nach knapp einem halben Jahr. Aber sie haben auch schon die Kehrseite der Medaille erlebt: „Wenn Populismus und Schimpfereien aus der Bevölkerung zu hören seien,  dann sei dies ärgerlich. „Wir machen das ehrenamtlich“, sagt Reinhard, und stellt fest:„Die Grenze derBelastbarkeit ist erreicht.“  Er freut sich schon, wenn Bürgermeister Markus Röder am 1.November eingeführt wird. 


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