Fulda +26°/+14°C
> >     
Social Plugins können Daten übertragen (siehe Datenschutzbestimmungen)
30. November 2011



Einzigartige Sammlung verlässt Fulda

vn

Fulda
Es ist wie ein Museum für eine in Mitteleuropa fast ausgestorbene Krankheit. Mit der Idee eines frischen Ruheständlers begann die Sammlung.

Als der heute 80 Jahre alte Fuldaer Lungenfacharzt Dr. Robert Kropp 1994 seine Praxis aufgab, da wunderte er sich, wie wenig präsent die frühere Massenerkrankung Tuberkulose in der Öffentlichkeit noch war. Noch in den 1970er-Jahren hatte er jedes Jahr 250 Tuberkulose-Patienten pro Jahr behandelt. Zwei Jahre nach der Pensionierung begann er, Dokumente über die Krankheit zu sammeln. Mit mehr als 6000 Einzelstücken wurde daraus Deutschlands größte Sammlung zu dem Thema – das Deutsche Tuberkulose-Archiv.

„Ich will den Menschen zeigen, wie sehr Tuberkulose unsere Gesellschaft geprägt hat“, nennt er als Motiv seiner Sammelleidenschaft. In Fulda baute er, unterstützt von zwei Bibliothekarinnen und einem Restaurator, das Archiv auf, das zuletzt im Georg-Stieler-Haus am Gallasiniring beheimatet war.

In den 1940er-Jahren wurden Antibiotika gegen Tuberkulose entwickelt. „Womit die Mediziner die Krankheit bislang bekämpft hatten, brauchte man nicht mehr. Und genau das wollte ich an zentraler Stelle zusammentragen.“ Ursprünglich wollte Kropp Bücher sammeln, doch dabei blieb es nicht. Die Resonanz war riesig. Aus ganz Deutschland bekam er Anrufe, fuhr von Hamburg bis Konstanz und trug Apparaturen, Bilder, Modelle und Filme zusammen. Historiker und Mediziner fragten bei ihm an, um Einsicht in die Dokumente zu erhalten.
Sammlung in Heidelberg
Das neue Museum über Tuberkulose wird morgen im Rohrbacher Schlösschen im Park der Thoraxklinik der Universitätsklinik Heidelberg eingeweiht. Zwei ehemalige Chefärzte der Thoraxklinik sowie der jetzige Chefarzt Professor Dr. Felix Herth haben das Archiv neu aufgestellt. „Wir sind über den Übergang sehr glücklich. Denn die Thoraxklinik besitzt eine lange Tradition in der Behandlung von Tuberkulosepatienten“, sagt Herth. Zu der Sammlung gehören Fotografien, Grafiken und Poster, Mikroskope, pathologisch-anatomische Lungenpräparate, chirurgische Instrumente, Pneumothoraxgeräte und originäre Liegen der Freiluft-Kur. Zudem können über dreißig alte und neuere Filme abgespielt werden. Offiziell wird das Museum Anfang Januar öffnen. / vn

Nicht alle Ausstellungsstücke sind etwas für zarte Gemüter. Wie etwa zwei konservierte, von Tuberkulose zerfressene Lungen. „Bei deren Anblick ist auch schon einmal eine Schülerin in Ohnmacht gefallen“, erzählt er. Auch die Spucknäpfe, die Patienten in Sanatorien davon abhalten sollten, in den Park zu spucken, sind nicht gerade appetitlich. Doch solche Gruselstücke sind die Ausnahme.

Er suchte nun eine kompetente Institution, die seine Sammlung weiterführt und wurde in Heidelberg in der Thoraxklinik der Universitätsklinik fündig. „Sicher ist Wehmut dabei, wenn ich die Dinge, die ich zusammengesucht habe, nun aus der Hand gebe. Aber ich weiß, dass die Dinge in Heidelberg gut aufgehoben sind“, sagt er.

Träger der Sammlung ist der von ihm 1996 gegründete Förderverein. Der Verein, dessen Vorsitzender Robert Kropp ist, bleibt weiter Eigentümer der in Heidelberg gezeigten Stücke.



Leser-Kommentare ( 0 )
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden