Fastenbrechen: Stärken für die letzten Ramadan-Tage
Von Anne Kramer
Fulda
Es ist 20 Uhr. Langsam wird es dunkel. In den Räumen der Ahmadiyya-Gemeinde in der Fuldaer Von-Schildeck-Straße sind an diesem Abend nicht nur die Gläubigen zusammengekommen, sondern auch viele Gäste. Sie wollen gemeinsam das Fastenbrechen begehen.
Seit 5.30 Uhr hat Zebiha Asci (49) nichts mehr gegessen und getrunken. Es ist Ramadan, der Fastenmonat der Muslime. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang sollen die Gläubigen im Erwachsenenalter, die nicht krank oder schwanger sind oder stillen, auf Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr verzichten. Seit 24 Tagen hält das Zebiha Asci schon durch. „Ich habe keinen Hunger und Durst“, sagt die Frau, die aus der Türkei stammt. Jahrzehntelang faste sie im Ramadan, ihr Körper sei daran gewöhnt.
Dass es während des Fastenmonats um mehr geht als um den Verzicht auf Essen und Trinken, erklärt Sobia Ahmad Qasir den Besucherinnen. Die 28-jährige Fuldaerin, die in Pakistan geboren wurde, betreut in der Fuldaer Ahmadiyya Muslim Jamaat die Konvertiten und erläutert, dass der Ramadan dafür da ist, damit die Seele zur Ruhe kommt. „Die Seele braucht das Gebet“, sagt die junge Mutter. Deswegen sei das Einhalten der Gebetszeiten im Ramadan besonders wichtig.
Da erschallt aus einem Lautsprecher die Stimme des Imams Munawar Ahmad Toor im Raum der Frauen. Denn Männer und Frauen feiern an diesem Abend das Fastenbrechen getrennt, damit die Musliminnen nicht komplett verschleiert sein müssen: „So ist es für uns Frauen ein bisschen entspannter“, sagt Sobia Ahmad Qasir. Der Imam erklärt, wie das Fastenbrechen ablaufen wird: Zuerst erklingt ein Gebetsruf. „Damit wird das Fasten für diesen Tag gebrochen“, sagt Munawar Ahmad Toor. Ein Teller mit kandidierten Datteln macht die Runde. Der erste Bissen seit vielen Stunden. Dann wird gebetet, das vierte Gebet an diesem Tag. Die Musliminnen betreten einen rot-goldenen Teppich, schließen die Augen, gehen auf die Knie, berühren mit ihrer Stirn den Boden. Dass der zweijährige Arthur zwischen ihnen herumturnt, blenden die Frauen aus. Sie sind völlig ins Gebet vertieft.
Dann verschwinden die Frauen, die zum größten Teil aus Pakistan stammen, in der Küche und kehren mit Platten und Schüsseln zurück: Reis, scharf mariniertes Hähnchen, Köfte (Hackbällchen), Spinat, Joghurtsauce, Salat, Obst, Milchreis, Getränke. Beim gemeinsamen Essen tauschen sich die Musliminnen und ihre Gäste aus. Es geht um Kinder, um Mode, um Rezepte – auch um Religion und Traditionen. Zebiha Asci erzählt, dass sie zu Hause jeden Abend ein mehrgängiges Menü auftischt. Beim Kochen schmecke sie ab, aber sie schlucke den Probierhappen eben nicht runter.
Noch bis zum 31. August dauert der Ramadan, am 1. September wird das Ende des Fastenmonats gefeiert.
Leser-Kommentare ( 1 )
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Sqasir (1) | 26. August 2011;26.08.2011;1314393225 --> 26 August 2011
Ich war dabei
Trotz anfangs sehr schlechtem Wetter, haben uns viele Fuldaer Bürgerinnen und Bürger in unseren Gebetsräumen zum Fastenbrechen besucht. Es war ein tolles Miteinander und ich freue mich, dass die Fulderaner so offen und herzlich auf uns zugekommen sind und wir viele tolle Gespräche führen konnten. Ein Dank auch an die Redaktion und vorallem Frau Anne, die diesen schönen Abend hier nochmal festgehalten hat. Mit bestem Dank, Sobia Ahmad Qasir










