Firmen im Wettkampf um Auszubildende
Von Benjamin Baier
Fulda
Der Wettkampf um die bestenAuszubildenden hat längst begonnen. DieBetriebe müssen ihre Lehrstellen immer attraktiver gestalten, um Jugendliche für ihrenBeruf zu interessieren.
Stefan Schunck, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda, und Dr. Herbert Büttner, Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei der Kreishandwerkerschaft (KH) Fulda, schauen sor-genvoll in die Zukunft.
Nicht wenigeBetriebe erlebten eine böse Überraschung, da viele Jugendliche ihre Lehrstelle erst gar nicht antraten, sagt Büttner. Der Grund: Sie seien zweigleisig gefahren, bekamen Zusagen von mehrerenBetrieben. Davon pickten sie sich den besten heraus, ohne den anderen jedoch abzugesagen.
Der Wettstreit um gute Auszubildende sei in vollem Gange. Und nur Betriebe, die für ihre gute Ausbildung bekannt seien, würden auch in Zukunft noch ausreichend Bewerber bekommen, erklärt Schunck. Für die Betriebe gelte es, Lehrstellen für Auszubildende attraktiver zu gestalten. „Es müssenZusatzangebote geschaffen werden“, betont Stefan Schunck. Denn oftmals seien soziale Netzwerke wichtiger als die Aufstiegsmöglichkeiten und das Gehalt. „Die Ausbildungszeit zu verkürzen ist aber nicht dieLösung. Die Betriebe müssen auf Qualität setzen“, zeigt Büttner auf.
Zur Tendenz derBetriebe, sich auf Zusatzangebote einzustellen, gehöre zum Beispiel ein Café für Auszubildende, in dem sie sich mit anderen Lehrlingen austauschen können. Auch Fortbildungen seien ein gutes Mittel, für mehr Attraktivität zu sorgen. Außerdem könne man denAzubis bessere Aufstiegsmöglichkeiten in ihrem Beruf bieten oder Auslandsaufenthalte ermöglichen, um die Mehrsprachigkeit zu fördern.
„Die Berufe müssen an sich einfach attraktiver für die Jugendlichen gestaltet werden“, sagt Schunck. So könnten sich Betriebe zusammenschließen und den Lehrlingen unterschiedliche Aktivitäten anbieten. Der Wettbewerb „Azubi 2012“ sei ein kleiner, aber feiner Baustein, um dieserEntwicklung entgegenzuwirken, unterstreicht Herbert Büttner. Denn sie zeige, dass einemArbeitgeber neben der eigentlichenTätigkeit seiner Auszubildenden auch deren Allgemeinbildung wichtig sei.
Und wenn Betriebe mit ihren Azubis am Ende ganz vorne landen – immerhin gibt es Preise imGesamtwert von 3700 Euro zu gewinnen –, hätten sie auch etwas für ihr Image getan. Der nächste Jahrgang an Bewerbern stehe schließlich schon in den Startlöchern. Und diese haben freie Auswahl. Wenn sie sich überhaupt für eine Lehre entscheiden und nicht lieber auf eine weiterführende Schule gehen. Die übrigen streben überwiegend sehr beliebt Berufe an: Der KFZ-Mechatroniker, der Schreiner oder die Friseurin zählen zum Beispiel dazu. Eine ganze Reihe der 150 verschiedenen Handwerksberufe bleibt jedoch häufig außen vor.
Herbert Büttner kennt die Gründe: Ungünstige Arbeitszeiten wie beim Bäcker, Vorurteile wie etwa über den vermeintlich „blutigen Beruf“ des Fleischers, wenig bekannte Aufstiegschancen oder schlicht unbekannte Berufe wie beispielsweise den Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. „Das sind längst keine einfachen ‚Klempner‘ mehr“, sagt er.
„DerSpruch ‚Mit Lehre auch Karriere‘ ist zwar alt, aber er trifft immernoch zu“, weiß Stefan Schunck. Viele Eltern würden ihre Kinder dazu bringen, unbedingt auf weiterführende Schulen zu gehen, ihr Abitur zu machen und anschließend noch zu studieren, obwohl die Kinder vielleicht eher handwerklich begabt seien und sich in der Schule eher schwer täten, so Büttner. Für schwächereSchüler sei es außerdem möglich, mit einem Hauptschulabschluss und einer abgeschlossenen Lehre den Realschulabschluss nachzuholen.
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