Europa-Aktionstag mit Böhm und Hamberger
FULDA Der nächste Urnengang im Superwahljahr 2009 steht vom 4. bis 7. Juni ins Haus: Dann wird das Europäische Parlament gewählt.
Um vor allem junge Menschen fit für die Wahl zu machen, haben das Bonifatiushaus Fulda und die Hessische Landeszentrale für politische Bildung einen Europa-Aktionstag an der Fuldaer Rabanus-Maurus-Schule organisiert.
Alle Schüler der elften Klasse informierten sich am Donnerstag zunächst in Arbeitsgruppen über ganz unterschiedliche Aspekte rund um das Thema Europa. Danach fanden sie sich in der Aula der Schule für ein Zeitzeugengespräch mit Fuldas ehemaligem Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Hamberger (CDU) und Wilfried Böhm, früher Mitglied im Deutschen Bundestag, ein. Moderiert wurde das Gespräch von Gunter Geiger, Direktor des Fuldaer Bonifatiushauses. Auch die Schüler hatten Gelegenheit, den Politikern Fragen zu stellen.
„Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen Diskussionen über Europa zu meiner Jugend in den 50er Jahren und heute“, hat Wilfried Böhm beobachtet. Damals habe sich der Europarat zusammengeschlossen und die meisten Bürger seien enthusiastisch gewesen, wenn es um die Idee eines geeinten Europas ging. „Heute geht es viel zu sehr um die Verteilung von Geldern“, sagte Böhm. Dem pflichtet Fuldas ehemaliges Stadtoberhaupt bei. Auch er sei schon früh von der Idee begeistert gewesen, Barrieren der europäischen Nationalstaaten zu überwinden. „Zu meiner Jugend stand in Deutschen Geschichtsbüchern noch, dass Frankreich unser Erzfeind ist“, erinnerte sich Hamberger. Diese Grundeinstellung sei unter der Bevölkerung verbreitet gewesen.
Den EU-Reformvertrag von Barcelona beurteilten beide Politiker kritisch. „Ich würde bei einer Volksabstimmung mit ,Nein’ stimmen“, erklärte Böhm. Der Vertrag sei gefährlich für die gesamt-demokratische Entwicklung in Europa. Hamberger ist sich jedoch sicher, dass die EU eine Verfassung brauche. „Den Bürgern fehlt eine emotionale Bindung an die EU. Sie denken noch zu sehr in nationalstaatlichen Kategorien.“
Fast entrüstet wirkte das ehemalige Stadtoberhaupt, als einer der Schüler erzählte, es sei ihm empfohlen worden, sich in Frankreich lieber als Schweizer oder Österreicher auszugeben. Die Deutschen seien in Frankreich nicht sehr beliebt. „Wie soll Europa da zusammenwachsen“, fragte der Elftklässler. „Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas heute noch passiert. Das ist ein Einzelfall. Die Franzosen sind unsere Freunde. Dafür wurde viel Versöhnungspolitik geleistet“, sagte der ehemalige Oberbürgermeister.
Von unserer Volontärin
Katharina Ruppel
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