Fulda +12°/-3°C
> >     
Social Plugins können Daten übertragen (siehe Datenschutzbestimmungen)
10. Juni 2012



Fulda schafft die Versorgungsquote

Von Leoni Rehnert

Fulda
Ziel erreicht – und doch nicht froh: Genauso sieht es aus im Fall der Stadt Fulda beim Thema U-3-Betreuung. Fulda wird zum 1. August 2013 für 35 Prozent aller Kinder unter drei Jahren Plätze zur Verfügung stellen können. Der Schlussspurt kostet rund 1,35 Millionen Euro für den Umbau – plus 600 000 Euro pro Jahr.

Vier Einrichtungen werden umgestaltet, damit dort Kinder, die jünger als drei Jahre sind, betreut werden können. Dadurch werden weitere 80 Plätze geschaffen, und damit gibt es bis Mitte nächsten Jahres rund 470 Plätze in Kindergärten und 125 in der Kindertagespflege. Auf diese Weise ist die von der Bundesregierung vorgegebene Versorgungsquote 35 Prozent erreicht.

Oberbürgermeister Gerhard Möller (CDU) verkündete gestern die eigentlich gute Nachricht – allerdings in bitter-pragmatischem Tonfall. Er macht keinen Hehl daraus, dass er das Konzept der Großen Koalition von CDU/CSU und SPD, das Ende 2008 in Kraft trat, für mindestens „handwerklich gewagt“ hält. Was Möller meint, ist: Einen Rechtsanspruch auf U-3-Betreuung zu formulieren und dann aus einer Art Mischkalkulation eine Versorgung von 35 Prozent vorzugeben, klingt nicht besonders durchdacht. „Auf dem Land braucht man vielleicht eine Versorgungsquote von 20 Prozent, in einer Großstadt sicher 80 Prozent. Naja, und ob eine Quote von 35 Prozent für uns reicht, können wir jetzt noch gar nicht sagen“, erklärt Möller.

Klar ist allerdings, dass die Plätze die Stadt auch Jahr für Jahr eine Menge Geld kosten werden: Derzeit rechnet der Kämmerer mit zusätzlichen ungedeckten Kosten von 600.000 Euro pro Jahr für Personal und Unterhaltung. Ganz abgesehen davon sieht die Kommune Probleme, überhaupt genug Personal für die Kindergärten zu finden. Für den jüngsten Vorschlag von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), arbeitslose Schlecker-Mitarbeiterinnen zu Erzieherinnen auszubilden, kann sich OB Möller allerdings nicht erwärmen: „Ich glaube nicht, dass das mit einer schnellen Umschulung zu machen ist.“

Und auch den 10-Punkte-Plan der Bundesregierung sieht er mit Skepsis – etwa den Vorschlag, Tagespflegepersonen fest anzustellen, wofür es entsprechende Zuschüsse gebe. „Aber überall, wo eine besonders unbürokratische Verfahrensweise angekündigt wurde, ist es meist besonders bürokratisch“, fasst der OB seine bisherigen Erfahrungen damit zusammen, die wenig zuversichtlich klingen.

Als „gewaltige Leistung“ bezeichnet er das, was die Stadt bis August 2013 schafft. Aber er macht auch darauf aufmerksam, dass damit anderes in den Hintergrund rückt: So wird etwa die Investition von rund 60.000 Euro für die Kletterhalle in der Jugendkulturfabrik zurückgestellt.


Leser-Kommentare ( 2 )
  • gaalberner (77) | 10. June 2012;10.06.2012;1339352706 --> 10 Juni 2012
    Erzieherinnenmangel

    Gut dass Fuldas OB die Vorschläge von der Leyens kritisch bewertet. Erzieherinnen gerade für Krippen müssen eine fundierte und kindorientierte Ausbildung besitzen. Ein Schnellschuss wenn Angelernte diese Aufgabe erfüllen sollten. Schön dass Fulda den geforderten Betreuungsgrad im U3-Bereich bieten kann, es muss die Qualität stimmen.

  • erschonwieder (199) | 10. June 2012;10.06.2012;1339350634 --> 10 Juni 2012
    Wieso?

    Nach der "Absage" der Landesgartenschau muss doch Geld genug dasein, auch für eine Kletterhalle.