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9. Juni 2012



Gardinengeschäft Grauel schließt

Von Volker Nies

Fulda
Das Fuldaer Traditionsunternehmen Gardinen Grauel, Unterm Heilig Kreuz, schließt zum 30. Juni. „Wir haben lang über unseren Wechsel in den Ruhestand nachgedacht. Das Aus sehen wir mit einem lachenden und einem weinenden Augen“, sagt Inhaberin Mechthild Krah (59), die das Geschäft mit ihrem Mann, dem Prokuristen Walter Krah (64), führt.

Mechthild Krahs Vater Karl Grauel hatte die Firma aufgebaut: Er absolvierte 1921 im Gemischtwarenladen der Familie Becker am Standort des heutigen Gardinengeschäfts eine Lehre und blieb dann dabei. 1932 machte er sich im Elternhaus in Horas mit einem Stoffgeschäft selbstständig.

„Als die jüdische Familie Becker 1938 ausreiste, bat sie meinen Vater, ihr Geschäft zu übernehmen. Das tat er“, erklärt Mechthild Krah. Im Krieg führte Mutter Hilde Grauel den Laden und zog nebenbei sechs Kinder groß. Das ging, weil sich Wohnung und Geschäft unter einem Dach befinden. So ist es bis heute bei der Familie Krah: Beruf im ersten Obergeschoss und Privatleben im Stockwerk darüber sind nur 17 Stufen voneinander getrennt.

1960 räumten Grauels das Erdgeschoss und vermieteten es an Eduscho. Bei der Rösterei, die 1997 zu Tchibo kam, ist der Laden bis heute geblieben. Das Unternehmen Grauel hatte da bereits begonnen, sich zu spezialisieren: Das  Sortiment, das vorher von Babykleidung über Hemden bis Bettwäsche reichte, wurde auf Gardinen, Betten und Aussteuer komprimiert. Sonnenschutz für innen und außen kam später hinzu.

Seit drei Jahren grübeln Mechthild und Walter Krah über den Eintritt in die Rente. Eine 60-Stunden-Woche und maximal acht Tage Urlaub am Stück, wie sie sie seit Jahrzehnten haben, wollten sie nicht noch lange fortsetzen.

Zwei Jahre suchten sie einen qualifizierten Nachfolger, aber fanden niemanden, der die vielfältigen Arbeiten von Dekoration bis Näherei nach ihrer Einschätzung qualifiziert erledigt hätte. Ihre beiden Kinder wollten das Geschäft nicht übernehmen. „Uns macht die Arbeit weiter Spaß, wir haben viele Aufträge, aber es war nun genug“, sagt Walter Krah. Sie wollen ein bisschen mehr Zeit für ihre Hobbies haben: Sie wandert gern, er ist Hobby-Imker und begeisterter Kommunalpolitiker, was er bleiben möchte. Kummer bereitet ihnen nur, dass noch nicht alle ihrer zehn Mitarbeiter einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben.


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