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9. August 2012



Heiße Diskussionen über neues Waldgesetz

Von Elisabeth von Reetnitz

Region
Die Mountainbiker schieben es auf die Jäger und umgekehrt. Das neue Waldgesetz, das den Mountainbikern das Fahren im Wald verbieten soll, bringt den Gemütszustand von Kritikern und Befürwortern zum Kochen. Auf unserem Portal wurde kontrovers diskutiert.

Ausgangspunkt für unsere Leser war die Aussage von Thomas Norgall, Naturschutzreferent des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): „Auch künftig muss der Wald ein überwiegend ruhiger, störungsarmer Ort bleiben. Seine flächendeckende Beunruhigung muss vermieden werden.“ Diese Aussage erntete Kritik von Gegnern des Gesetzesentwurfs, die ihrem Unmut auf unserer Homepage Luft machten. Die Befürworter holten aber auch zum Gegenschlag aus.
 
User Thommy entgegnete der Aussage von Norgall: „Das heißt, genauso dürfen Jäger und Wanderer den Wald nicht betreten, da diese ebensoviel Lärm und Störungen verursachen.“ Kommentator Civis stimmt dem zu: „Ich sehe die Jäger immer nur mit ihren dicken SUVs durch den Wald rasen und harmlose Spaziergänger gefährden.“ Die Jäger geraten zunehmend ins Visier der Gesetzesgegner, sie werden teilweise auch direkt aufgefordert, das „Abknallen“ von Tieren zu unterlassen.

Kritik an Norgalls Aussage nimmt auch sir_k., indem er sagt, dass Mountainbiker keinesfalls für mehr Störungen im Wald als Wanderer oder Nordic Walker sorgen würden. R.Flagg bestätigt: „Die meisten Radler wollen einfach nur etwas für ihre Fitness tun.“ Er spricht die herumliegenden Dosen, Zigarettenkippen, Kanister und Schnapsflaschen an, die wohl von anderen Gruppen verursacht würden. Die Biker fühlen sich in ihrer Freiheit eingeschränkt: „Ich beunruhige den Wald in keinster Weise, wenn ich mich leise schnaufend den Berg hoch quäle. Nehmt das bitte endlich zur Kenntnis“, macht sich Kommentator norrit Luft.

Mountainbiker fordern "freie Fahrt auf tauglichen Wegen"

Im neuen Waldgesetz heißt es detailliert: „Feste Waldwege sind befestigte oder naturfeste Wege, die von nichtgeländegängigen, zweispurigen Kraftfahrzeugen ganzjährig befahren werden können.“ Benutzer Tilman schreibt dazu: „Im Vergleich zum Waldgesetz-Entwurf müsste in der StVO stehen, dass man auf einer Straße mit dem Auto nur dann fahren darf, wenn ein 60to-LKW (Gigaliner) dort ganzjährig fahren kann.“
 
Propolis verteidigt die Jäger in seinem Kommentar. Der User schreibt: „Ohne Jagd geht es nicht, dann bräuchten wir hier wieder Wölfe und Bären.“ Ebenso spricht er den Naturschutz und die Forstwirtschaft an, deren Werk im Wald durch die Biker zerstört würde. Für „Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr“ seien Fahrradfahrer ja bekannt. „Der Wald ist eben das Wohnzimmer des Wildes und der Vögel. Und welcher Biker möchte schon ne Wildsau in der Wohnstube?“
 
Ein Lösungsvorschlag kommt von Propolis: „Würden sich die Biker den gleichen Regeln wie die Jäger unterwerfen, würde die Zahl der Fahrradfahrer stark eingeschränkt. Da jeder Jäger auch einen Begehungsschein hat, bleibt die Zahl der Jäger sehr gering.“ Die Fronten prallen aufeinander, zu diesem Vorschlag schreibt wutbuerger nämlich: „Um Natur zu genießen, braucht man nicht fachlich geschult zu sein, dass kann wirklich JEDER.“ Auch der Lösungsvorschlag von R.Flagg ist eher ungewöhnlich: „Dann fahren wir Mountainbiker eben künftig vornehmlich auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen, viele von uns sind relativ tempofest, so dass der nächste Kieslaster, der hinten dranhängt und nicht überholen kann, die Ursache für vielerlei haarsträubende Überholmanöver sein wird.“
 
Die Biker fordern nicht die „freie Fahrt im Wald, sondern auf tauglichen Wegen und legalen Trails“ zu fahren, sagt Tilman. Zusammenfassend hält er fest, dass „Jagdkritiker oft in Unkenntnis des Jagdrechts Unsinn über Jäger schreiben und die Kritiker der Mountainbiker in Unkenntnis der fachlichen Grundlagen des Mountainbikens Unsinn über die Mountainbiker“.
 


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