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17. August 2012



Kernzonen-Defizit: Minister äußern sich gegensätzlich

FZ

Rhön
Während das hessische Umweltministerium keine Probleme beim Erhalt des Unesco-Titels Biosphärenreservat Rhön sieht, zeigt sich sein Thüringer Kollege besorgt.

Zwar fehlen nach Angaben des hessischen Umweltministeriums noch 223 Hektar an Kernzonen. Doch die benötigten Naturschutzflächen könnten in den kommenden Monaten ausgewiesen werden, es stehe ausreichend Staatswald dafür zur Verfügung, sagte ein Ministeriumssprecher in Wiesbaden.

In den Kernzonen soll die Natur ungestört vom Menschen gedeihen. Nach Vorgaben der Weltkulturorganisation müssen drei Prozent der Fläche als Kernzone ausgewiesen werden. Im nächsten Jahr überprüft die Unesco, ob die Vorgabe eingehalten wird. Sonst droht die Aberkennung des prestigeträchtigen Titels. Zuletzt seien in Hessen hier und dort immer wieder Flächen als Kernzonen ausgewiesen worden, um das Defizit Schritt für Schritt zu tilgen.

Unterdessen fassten die FDP-Fraktionen aus Hessen, Bayern und Thüringen bei ihrem sogenannten 1. Rhön-Gipfel den Beschluss, sich für den Erhalt und die Erweiterung des Biosphärenreservates zu engagieren. Zugleich solle die Rhön im Drei-Länder-Eck stärker als touristisches Reiseziel vermarktet werden, Infrastruktur und Lebensqualität sollten verbessert werden.

Thüringen dagegen kommt nach Angaben von Landesumweltminister Jürgen Reinholz (CDU) bei der Erweiterung der Flächen des Unesco-Biosphärenreservats langsamer voran als gedacht. Nicht im Sommer, wie ursprünglich geplant, sondern voraussichtlich erst zum Jahresende könne ein mit den betroffenen Regionen abgestimmter Vorschlag für die Erweiterung der Schutzzonen vorgelegt werden, sagte Reinholz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Das Problem ist nicht die Erweiterung der Kernzone, für die wir Staatswald nutzen. Diskussionen gibt es um die Pflegezone.“

Kommunen nicht bereit

Für die Sicherung des Unesco-Titels erweitern auch die Nachbarländer Hessen und Bayern, in denen die Rhön ebenfalls liegt, das Naturreservat. Es müssen mindestens drei Prozent der Fläche als Kernzone ausgewiesen sein. Die Fläche von Kern- und Pflegezonen müssen zusammen 20 Prozent des Gebiets ausmachen. Die nächste Überprüfung, ob die Rhön die Kriterien für ein Unesco-Biosphärenreservat erfüllt, steht 2013 an.

Voraussichtlich am 24. August will sich der thüringische Minister Reinholz mit Vertretern der Region treffen. Dazu sollen unter anderem Repräsentanten von Agrarbetrieben sowie Landbesitzer gehören, aber auch Abgeordnete. „So unproblematisch wie beim Biosphärenreservat Vessertal läuft die Erweiterung in der Rhön nicht“, sagte Reinholz. Bei dem Gespräch wolle er auch auf die Ängste der Betroffenen eingehen. „Die Rhön war in der DDR Grenzstreifen. Manche haben Angst, dass sie durch die Hintertür wieder enteignet werden“, sagte er. Diese Ängste wolle er den Menschen nehmen.

In der Pflegezone, die um 3823 Hektar erweitert werden muss, ist nur eine naturnahe Nutzung von Wald und Wiesen erlaubt. Bisher ist die Pflegezone im Thüringer Teil der Rhön etwa 4500 Hektar groß. Zudem muss Thüringen die Kernzone nach Angaben von Reinholz fast verdoppeln – zu den vorhandenen 763 Hektar sollen 705 Hektar hinzu kommen. „Wir hatten gehofft, dass sich die Kommunen mit Flächen für die Kernzone beteiligen. Aber sie haben leider bisher keine Bereitschaft signalisiert.“ Da sich Thüringens CDU/SPD-Landesregierung ohnehin darauf verständigt habe, langfristig 25 000 Hektar Staatswald aus der forstwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen, würden gut 700 Hektar aus dem Besitz des Landes für die Kernzone genutzt.

Der moderierte Diskussionsprozess um den Erhalt des Naturreservats, zu dem das Thüringer Umweltministerium alle Betroffenen eingeladen und ein Planungsbüro beauftragt hatte, sei bisher nicht so erfolgreich verlaufen wie gehofft, sagte Reinholz. Die Einteilung der verschiedenen Zonen solle so erfolgen, dass sie den Belangen des Naturschutzes, aber auch der Land- und Forstwirtschaft sowie dem für die Region wichtigen Naturtourismus Rechnung trägt. „Letztlich geht es um die Einigung auf einen Flächenplan. Die Region soll das Konzept mittragen. Es wird nach den besten Varianten gesucht“, sagte Reinholz.


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