Kreis plant neue Verkehrsregelung auf der Wasserkuppe
Von Norman Zellmer
Wasserkuppe
Der Landkreis plant die höchstgelegene und höchst diffizile Baumaßnahme: Auf der Wasserkuppe soll ab 2013 der Verkehr neu gelenkt und geregelt werden. Kreisel, Wendeschleife und mehr Parkplätze sind im Gespräch und müssen vielen Interessen gerecht werden.
Wild parkende Autos entlang der Landesstraße, rückwärts auf die viel befahrene Hauptverkehrsstraße rangierende Reisebusse, morgendliche Verkehrsmeldungen im Radio, die Parkplätze auf der Wasserkuppe seien voll, obwohl die Lage entspannt ist, Schlangen wartender Fahrer in ihren Pkws – die zum Teil chaotischen Verkehrsverhältnisse auf Hessens höchstem Gipfel sollen der Vergangenheit angehören. Der Landkreis erarbeitet dazu seit mehreren Monaten ein Verkehrskonzept, teilt Bruno Günkel von der Wirtschaftsförderung des Landkreises. Damit soll ein Element des Masterplans aufgegriffen werden.
Mit dem Konzept sollen die Verkehrsströme grundlegend umstrukturiert, geleitet und gelenkt werden. „Bislang liegen eine Vielzahl von Ideen vor, noch ist aber nichts fest“, sagt Günkel. Es würden derzeit mehrere Entwürfe erarbeitet, deren Umsetzung geprüft und über die diskutiert werde. Viele Beteiligte müssten eingebunden werden, etwa Grundstücksbesitzer, Anrainer, Bürger, Landkreis, Land und Kommunen, Bau-, Planungs- und Polizei-Behörden sowie Naturschützer und Touristiker, viele Themen berücksichtigt, wie der Flugverkehr, Wasserschutz und Biosphärenreservat, Fußgängerströme und auch die widrigen Wetterverhältnisse im Winter.
Keine 1000 Parkplätze
So gut wie sicher ist, dass am oberen Ende des Parkplatzes Fuldaquelle eine Wendeschleife sowie von Richtung Abtsroda her unweit der Drachenflugschulen Papillon ein Kreisverkehr errichtet wird. „Das werden die zentralen Anlaufstellen für den Fahrzeugverkehr“, erklärt der Wirtschaftsfachmann. Über die Wendeschleife, Günkel spricht auch von einem Wendeohr, sollen Fahrer aus Richtung Gersfeld abbiegen und den Parkplatz erreichen können, ohne dass sich nachfolgende Pkws stauen. Über den geplanten Kreisverkehr sollen sowohl der bisherige große Abtsroda-Parkplatz, auf dem auch Busse parken, erreichbar sein als auch ein neu zu errichtenender Parkplatz in einem Fichtenwald auf der anderen Seite der Landesstraße. Es sei bereits das ökologische Potenzial des Fichtenwaldes eruiert worden – Günkels Ergebnis: Parkplätze dort sind kein Ding der Unmöglichkeit.
Auch eine geänderte Zufahrt zu Papillon und „Peterchens Mondfahrt“/„Deutscher Flieger“ – ebenfalls mit Parkplätzen – ist am Kreisel eingeplant. Der Individualverkehr soll nach den bisherigen Plänen aus dem bebauten Gebiet der Wasserkuppe herausgehalten werden, ohne jedoch etwas zu sperren, betont der Planer. Das Rhön-Info-Zentrum solle nur von Reisebussen und von in der Mobilität eingeschränkten Gästen angesteuert werden.
Wie viele zusätzliche Parkbuchten insgesamt entstehen, um die Lage zu entspannen, ist ebenso unklar, wie die Art der Bewirtschaftung der bisher von Hessen-Mobil betreuten Parkplätze. „1000 Parkplätze werden es aber insgesamt nicht werden.“ Bislang gibt es laut Günkel 590 legale Parkmöglichkeiten, in Stoßzeiten seien jedoch 1300 Pkw gezählt worden. Auch die Kostenfrage sei noch nicht geklärt. Im kommenden Jahr könne aber mit dem Bau bereits begonnen werden, prophezeit Günkel. 500 000 Euro reichten nicht aus, um Kreisel und Schleife zu bauen. Das Land Hessen werde aber unterstützen.
Gersfelds Bürgermeister Peter Wolff (FDP) und die Anlieger der Wasserkuppe begrüßen das Konzept. „Es ist unbedingt notwendig, dass etwas passiert“, sagt der Rathaus-Chef. Die Attraktivität der Wasserkuppe habe unter der Situation gelitten. Er unterstütze auch die Pläne, zusätzliche Parkplätze zu schaffen, damit die Rettungswege frei bleiben.Über die Art der Bewirtschaftung müsse jedoch noch geredet werden.
Ähnlich äußert sich auch Hans-Ulrich Enders, Geschäftsführer der Radomflug-Gesellschaft und einer der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Wasserkuppen-Anrainer. Grundsätzlich ergebe das Verkehrskonzept Sinn. Er begrüßt, dass Freiräume geschaffen und Straßen entlastet werden. „Wir sind uns darin einig, dass es nicht mehr vorkommen darf, dass im Radio gemeldet wird, dass die Parkplätze auf der Wasserkuppe belegt sind, weil oben Verkehrschaos herrscht, es aber noch Parkplätze gibt.“
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