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23. Oktober 2012



Kritik an der nicht funktionierenden Rolltreppe an Fuldas Bahnhof

Von Sebastian Kircher

Fulda
Am Fuldaer Bahnhof herrscht Stillstand – zumindest was die Rolltreppe betrifft. Seit Monaten ist die Anlage schon außer Betrieb. Erst zum Jahresende soll sich dies ändern. Der Fahrgastverband „Pro Bahn und Bus“ übt deswegen harsche Kritik an der Deutschen Bahn.

Die Fahrtreppe, wie sie offiziell heißt, rollt laut Bahnangaben seit Februar nicht mehr. Ursache dafür ist ein „böser Getriebeschaden“, wie ein Sprecher der Bahn mitteilt. Dieser Materialschaden sei irreparabel. Es ist ausgerechnet jene Rolltreppe, die zu den stark frequentierten Gleisen nach Frankfurt oder Limburg führt. „Pro Bahn und Bus“ behauptet, die Treppe laufe sogar noch länger nicht. „Zum nunmehr einjährigen Jubiläum der ‚vorübergehend‘ stillgelegten Rolltreppe gratuliert der Pro Bahn und Bus Regionalverband Osthessen“, schreibt der Fahrgastverband ironisch in seiner neuen Ausgabe der Fahrgastzeitung „HessenSchiene“. Für Personen, die schlecht zu Fuß sind, sei das ein „unhaltbarer Zustand in einem Vorzeige-ICE-Bahnhof“.

Die Bahn erklärt, Ersatzteile zu beschaffen wäre zu teuer geworden. „Deswegen wird dort eine komplett neue Fahrtreppe entstehen“, sagt ein Sprecher. Eine neue Rolltreppe lasse sich jedoch nicht einfach „von der Stange kaufen“, sondern müsse aufwändig produziert und angepasst werden – deshalb der lange Stillstand. Die Teile seien bereits in Produktion und sollen Ende des Jahres angeliefert werden. Wie lange derNeubau dann dauere und die Treppe wieder laufe, könne man noch nicht sagen, teilt die Bahn mit.

Das Bahnhofsmanagement Fulda erklärt zudem, durch den Personenaufzug sei zu jeder Zeit Mobilität gewährleistet. Das will Stefan Sitzmann aus dem Vorstand von „Pro Bahn und Bus“ nicht gelten lassen. „Der Aufzug ist oft verdreckt, versifft und fällt hin und wieder aus“, sagt Sitzmann auf Nachfrage. Dem widerspricht die Deutsche Bahn. Um die Störanfälligkeit des Aufzuges zu verringern, habe man sogar extra Verschleißteile ausgewechselt, erklärt das Bahnhofsmanagement. Außerdem gebe es für Gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer in Fulda noch die Option, den barrierefreien Weg außen herum zu nutzen, um alle Gleise zu erreichen. „Das ist aber natürlich bei kalten Temperaturen wie im Winter nicht angenehm“, sagt ein Sprecher.

Für Monika Niestroj, Leiterin der Bahnhofsmission, ist der Aufzug wichtiger als die Rolltreppe. „Auf unsere Arbeit hat der monatelange Ausfall der Treppe wenig Einfluss“, erklärt Niestroj. Ihr sei aber aufgefallen, dass sich viele Kunden über die Situation beschweren. In der Tat stößt das Thema bei Bahnfahrern auf Unverständnis. „Mir kommt es vor, als fehle das Geld zum Reparieren, oder es fühlt sich einfach niemand zuständig“, sagt Werner Sauer. Der 62-Jährige aus München war als Durchreisender schon öfter am Bahnhof Fulda. „Das dürfte langsam mal gemacht werden“, regt sich auch die 25-jährige Selina auf. Die Studentin an der Hochschule Fulda kommt aus Würzburg und pendelt deshalb oft. „Ich bin ja noch gut zu Fuß, aber für Ältere ist das eine Zumutung. Das ärgert mich“, sagt die Studentin.

Andere Reisende nehmen es mit Humor. „Das ist doch gut. So kann ich dieTreppe zum Fithalten und Kalorienverbrennen nutzen“, schmunzelt Annette Hartmann (72). Die Fuldaerin stört es wenig, dass die Rolltreppe nicht funktioniert. „Eine Katastrophe“, urteilt dagegen Patrick Alles aus Hünfeld. Der 28-Jährige hat kein Verständnis dafür, dass die Rolltreppe so lange außer Betrieb ist. Norbert Peter (46) findet es bedauerlich, dass ältere Mitmenschen oder Bahnfahrer mit schwerem Gepäck so benachteiligt werden. Und: „Ich habe Kinder und weiß aus Erfahrung, wie toll es die Kleinen finden, wenn sie bei einem Ausflug Rolltreppe fahren können“, fügt der Geisaer hinzu.

Stefan Sitzmann findet das Verhalten der Bahn „skandalös“. In einem großenBahnhof wie Fuldas könne man nicht einfach ein Jahr lang die Rolltreppe schließen. „Man stelle sich mal vor, ein Unternehmen wie Karstadt würde so etwas machen. Die könnten sich das gar nicht leisten.“


Leser-Kommentare ( 54 )
  • Senfdazugeber (27) | 14. November 2012;14.11.2012;1352880691 --> 14 November 2012
    Amateurhafte Diskusssion

    1. Gibt es einen Aufzug keine 20 Meter von der Rolltreppe entfernt, worauf auch ein Schild hinweist, also Augen auf !
    2. Würden alle jetzt Pseudo-Empörten noch lauter über die Steuergeldverschwndung schreien wenn die Rolltreppe für einen Betrag saniert würde, von dem man auch eine neue, bessere hätte bauen können.
    Diese Diskussion hier ist so amateurhaft wie das Management der DB in dieser Angelegenheit.

  • Ricarda (22) | 19. November 2012;19.11.2012;1353307811 --> 19 November 2012
    Wieso pseudo?

    Wer redet hier von Pseudo-Empörung? Nein, die ist schon echt. Aber es sind immer nur die genervt, die tatsächlich Bahn fahren. Wer nur mit dem Auto unterwegs ist, kann da schlecht mitreden.

  • Ricarda (22) | 19. November 2012;19.11.2012;1353307654 --> 19 November 2012
    Handeln ist angesagt

    Es sind hier genügend Gründe angeführt worden, warum der Aufzug häufig als Lösung auch wegfällt. Wenn man eine neue Rolltreppe bauen kann, dann sollte man das tun. Sie wird dann auch nicht aus Steuergeldern finanziert werden, sondern ist Sache der Bahn. Wenn bei Karstadt die Rolltreppe so lange ausfiele, könnte man sich das dort nicht leisten, da gäbe es Klagen. Bei der kundenfreundlichen Bahn hingegen kann man sich alles erlauben und bekommt dank solcher Kommentare noch recht.