Lage des Kreiskrankenhauses Alsfeld dramatisch
Von Volker Nies
Lauterbach
Die Lage des Kreiskrankenhauses in Alsfeld ist ernster als bisher dargestellt. In die Gebäude müssen in den nächsten Jahren 21 Millionen Euro investiert werden.
Die Geburtsstation, die letzte im Vogelsberg, soll aus Kostengründen geschlossen werden. Das haben Experten des Unternehmens Andree Consult gestern dem Haupt- und Finanzausschuss des Kreistages erklärt. „Wir glauben an die Zukunft des Kreiskrankenhauses. Aber der Weg der Sanierung ist schwierig und schmerzlich“, fasste Fred Andree seine Untersuchung zusammen. „Ihre Studie ist deutlich und schonungslos“, kommentierte Landrat Manfred Görig (SPD).
Görig plädiert für eine gesellschaftsrechtliche Verflechtung des Alsfelder Kreiskrankenhauses mit dem ebenfalls kommunalen Klinikum Bad Hersfeld. Damit die Fraktionen einschätzen können, wie die Lage des Kreiskrankenhauses ist, ließ Görig ihnen die Zahlen der Studie von Andree Consult gestern vorstellen. Ganz still verfolgten die Abgeordneten die für sie unangenehmen Zahlen und Ratschläge.
Besonders schmerzlich für die Fraktionen ist der Rat, die Geburtshilfe zu schließen. „Eine Sanierung mit Erhalt der Geburtshilfe ist undenkbar. Wir wissen, wie schmerzlich das für Sie ist. Aber wir werden nicht die Zahl an Geburten erreichen, um die Station wirtschaftlich zu betreiben – nicht einmal, wenn alle Vogelsberger Mütter ihre Kinder in Alsfeld zur Welt bringen würden“, sagte Andree. In allen Fraktionen gilt es als nur schwer zu ertragendes Symbol, wenn im Kreis keine Kinder mehr geboren werden. Das Lauterbacher Krankenhaus hat die Geburtsabteilung bereits geschlossen.
Andree bezifferte den Zuschussbedarf für die Geburtstation auf jetzt 490 000 Euro. Er könne auf eine Million Euro im Jahr ansteigen.
Die bereits 30 Jahre alten Gebäude müssten für 21 Millionen Euro saniert werden. Sinnvoller sei es, für 27 Millionen Euro neu zu bauen und dann gleich wirtschaftlichere Strukturen zu schaffen. Heute sei das Haus nur zu 75 Prozent ausgelastet. 85 Prozent seien anzustreben. Sinnvoll sei eine Sanierung der Strukturen, ein Neubau der Gebäude, der auch für eine steigende Attraktivität bei Patienten und Mitarbeitern sorge, und eine Verflechtung mit Hersfeld, riet Andree. An OP- und Pflegeschwestern könnten zwölf Kräfte eingespart werden; ein privater Betreiber würde 21 Vollzeitstellen streichen. In der Gynäkologie/Geburtsthilfe könnten bei einer Schließung der Abteilung alle 13,8 Stellen wegfallen. Eine Fusion mit Hersfeld könne durch Einsparungen und Mehrerlöse im Jahr 1,48 Millionen Euro einsparen.
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