Langjähriger Fremdenverkehrs-Chef Norbert Filke geht in Ruhestand
Von Rainer Ickler
Gersfeld
Fast 22 Jahre lang war Norbert Filke Leiter der Tourist-Information in Gersfeld, insgesamt arbeitete er fast 38 Jahre in der Abteilung Fremdenverkehr. Heute geht er in den Ruhestand.
Die offizielle Verabschiedung findet am Montag statt, doch weil noch kein Nachfolger gefunden ist, wird der 63-Jährige in den nächsten Wochen noch aushelfen, damit das Geschäft mit den Urlaubern weiter läuft. Und derzeit sieht es gut aus. Wenn der Herbst, die Hauptsaison für die Rhön, gut wird, dann hofft Filke wieder auf mehr als 50 000 Gäste und ein leichtes Plus im Vergleich zu den Vorjahren.
Denn nach einem Zwischentief finden wieder mehr Urlauber und Kurgäste den Weg nach Gersfeld. Vermutlich ist dies auch ein Erfolg des scheidenden Tourismus-Chefs. Filke hat in den vergangenen Jahren einige Initiativen gestartet um mehr Menschen in die „heimliche Hauptstadt der Rhön“ zu locken. Stichworte sind das Nordic-Aktiv-Zetrum und die Klassifizierungsoffensive in Gersfeld. „Sterne dienen als Orientierung beim Buchen in den neuen Medien“, erklärt Filke.
Mit rund 195 000 Übernachtungen und einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 3,8 Tagen ist Gersfeld immer noch weit weg von den einstigen Rekordzahlen. Bis zu 250 000 Übernachtungen wurden gezählt. Die Leute blieben 5,3 Tage im Schnitt. Doch dies war zu den Zeiten in den 80er- bis Mitte der 90er Jahre, als die Ärzte noch eifrig Kuren verschrieben haben. „Vier bis sechs Wochen Aufenthalt waren da keine Seltenheit. Da ging hier die Post ab.“ Doch mit der Gesundheitsreform bröckelten diese Zahlen.
Gersfeld musste nach neuen Wegen suchen, blickt Filke zurück. Jetzt firmiert der Fremdenverkehrsort als Gesundheitsstädtchen und will sich in diesem Bereich positionieren. Neben der Anerkennung als Nordic-Aktiv-Zentrum hofft Filke, dassGersfeld imHerbst das Prädikat Heilklimatischer Kurort bekommt. „Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, die Klima-Terrain-Wege abgenommen, was fehlt, ist das Zertifikat“, erklärt er. Die Schlosspark-Klinik sei ein herausragendes Beispiel, wie man mit der Gesundheit Menschen nach Gersfeld lockt. Die Auslastung im Schloss betrage über 90 Prozent.
Zur Gesundheit zählt auch der Sport und das Wandern. Zwei wichtige Säulen des Fremdenverkehrs. „Wir müssen versuchen, das Wandern zu verjüngen“, so bezeichnet er die Bemühungen, ein neues Klientel anzusprechen. Er macht sich aber nichts vor. „Unsere Zielgruppe ist die Generation 50 plus, da müssen wir werben.“ Aber auch bei den Radfahrern sieht er ein Potenzial für die Zukunft – dank der Elektro-Räder würden sie auch in die bergige Rhön kommen. „Erst kürzlich war eine große Gruppe aus Holland hier, die haben gleich wieder für das nächste Jahr gebucht.“
Filke ist nicht nur für den Fremdenverkehr in Gersfeld zutändig gewesen. Er organsierte auch unzählige Veranstaltungen: 13-mal das Stadtfeste, die Weihnachtsmärkte, Lichterfeste, Kunstausstellungen und Veranstaltungen in der Stadthalle. Ein Höhepunkt war für ihn die 650-Jahr-Feier der StadtGersfeld in 2009.
Beim Blick zurück in seine Anfangszeit in den 70er Jahren lobt er den Ex-Bürgermeister Hans-Georg Primus in den höchsten Tönen. „Menschlich und fachlich war er ein Vorbild.“ Von ihm versuchte er viel anzunehmen. Die Bürgermeister, unter den er arbeitete, vor allem Margit Trittin, hätten ihm viel Vertrauen entgegengebracht. Dies habe ihm ein „fast selbstständiges Arbeiten“ ermöglicht.
Filke dankt denen, die ihm in seinem Beruf geholfen haben. Er nennt den Verein „Wir für Gersfeld“, der sich stark für den Fremdenverkehr einsetzt und neue Akzente setzen will. Aber auch die SKG Gersfeld sei ein wichtiger Partner, weil sie die Loipen in der Hochrhön pflegt. Ebenfalls unverzichtbar sei der Rhönklub. Deren Mitglieder organisieren die Stadtführungen.
Was ihm nicht gefallen hat, ist die Tatsache, dass es immer wieder Leute von außen gegeben habe, die versuchten, die Stadt und die Projekte schlecht zu reden. Das versteht er nicht. „Ich bin leidenschaftlich mit Gersfeld und dem Beruf verbunden“, sagt Filke. Deshalb will er auch jetzt noch aushelfen und ist bereit, die Kunstausstellungen weiter zu organisieren. „Da hängt mein Herz dran.“
Viel Zeit wird in Zukunft, sobald sein Nachfolger eingearbeitet ist, der vierfache Vater für seine beiden Enkel und seine Hobbys, das Radfahren im Sommer und das Ski-Langlaufen im Winter, haben.
Leser-Kommentare ( 6 )
-
jokus1 (33) | 31. August 2012;31.08.2012;1346433649 --> 31 August 2012
Danke, lieber Norbert,
Danke für den unermüdlichen Einsatz für Gersfeld und sanften Tourismus. Hättest Du noch das Harley-Davidson-Treffen verhindern können, wärst Du ein Super-Hero!
Trotzdem: Danke! -
Valentin (398) | 1. September 2012;01.09.2012;1346519345 --> 01 September 2012
Harley-Fahrer
schau mal auf das Alter der Harley-Fahrer, die meisten sind nicht mehr so jung, in wenigen Jahren kommen die vielleicht als Renter in die Rhön und auch nach Gersfeld
-
jokus1 (33) | 1. September 2012;01.09.2012;1346527340 --> 01 September 2012
endlich ein Zeichen der Hoffnung
...und wenn sie dann fast lautlos mit dem Rollator durch Gersfeld brausen sind auch sie froh, wenn sie von keinem Motorrad gestört werden












