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17. Oktober 2011



Rhönerin päppelt Igel-Quartett auf

Von Norman Zellmer

Wüstensachsen
Igelfund, Krankenpflege, anstehende Auswilderung, Geburt von drei Jungen, Vorbereitungen auf den Winterschlaf – Heidrun Gilbert aus Wüstensachsen hat bewegende Monate hinter sich. Sie hat vier Igel aufgepäppelt.

Mit den Vorderpfoten stehen zwei Igelkinder nebeneinander im Tonnapf und beißen in den Berg Katzenfutter. Ein anderer läuft derweil langsam über die Wiese des Gartens, riecht an den Grashalmen und erkundet die Umgebung, während die Igelmama mit kleinen runden braunen Augen unter dem zum Nest umfunktionierten Weidenkorb aus einem Berg zerrissener Zeitungen neugierig herausschaut. Dass die vier Igel so prächtig gedeihen, und sie die letzten Strahlen der Herbstsonne genießen, verdanken sie Heidrun Gilbert. Bei ihr sind drei der Tiere zur Welt gekommen.

Seit Juli ist ihr Garten Heimat eines Igelquartetts. „Die vier sind schon richtig groß und aufgeweckt“, sagt die 46-Jährige. Sie heißen Swinegel, nach dem Vorbild aus der Fabel „Der Hase und der Igel“, Zorro, Pieksi und R.-J. Täglich füttert Gilbert sie mit Igel- und Katzenfutter sowie Wasser, lockt sie am Abend aus dem Weidenkorb, um die dreckigen Zeitungen zu ersetzen, setzt das Gatter um und freut sich an den stacheligen Rackern. Sie lassen sich streicheln und auf die Hand nehmen.

Dabei hatte Anfang Juli alles so traurig angefangen: Heidrun Gilbert war mit ihrem Auto unterwegs zu einer Nordic-Walking-Veranstaltung in Poppenhausen, als sie bei Sieblos an einem angefahrenen und verletzten blutverschmierten Tier am Straßenrand vorbeifuhr. „Er reckte die Nase in die Höhe und schien zu rufen: ,Heidrun, hilf mir‘“, erinnert sich die Rhönerin. Sie hielt an, lud den Igel ins Auto und suchte den halben Nachmittag einen Tierarzt, der ihn schließlich behandelte. „Damals war ich den Tränen nahe“, sagt sie rückblickend. Das Tier überlebte – auch dank Reiki, ist sich Gilbert sicher.

Gilbert ist Reiki-Praktizierende und gab als Medium den Tieren regelmäßig mit den Händen Energie-Gaben. Sie pflegte das junge Tier mit fünf Mahlzeiten und Medikamenten aus der Spritze, später Nacktschnecken, die sie, Mann Markus und Tochter Anja Kircher aus den Beeten, unter Blumenkübeln und auf dem Heimweg von der Arbeit sammelte sowie Katzen- und Igelfutter aus der Tierhandlung gesund. Anfangs in einer Pappkiste im Heizungskeller, einige Wochen später im Hasenstall. „Gut dass ich in der Zeit Urlaub hatte“, sagt die gelernte Bürokauffrau, sonst sei das nicht zu bewerkstelligen gewesen. Sie holte sich Tipps beim Fuldaer Tierschutz und beim Tierarzt.

Überwintern in der Miste

Doch das Tier sollte sie länger behalten: Mitte August wollte sie Swinegel auswildern, die Transportkiste war vorbereitet, die Hasenstalltür schon geöffnet, als die Igeldame mit drei Babys an der Seite aus dem Nest kletterte. „Ich habe gezittert und war den Tränen nah, zwischen Glück und Überforderung“, erinnert sich die gelernte Bürokauffrau und Igel-Pflegemama. Die Auswilderung wurde verschoben, denn die Jungen waren nur so groß wie eine Spalte in der Zeitung, aber mit Stacheln, Nase, Augen, Füßen wie ein richtiger Igel, nur in Mini.“ Mitte September zogen sie zusammen ins Freigehege.

Da die Jungen gerade einmal 500 Gramm wiegen, und der Tierarzt eine Überwinterung in der Nähe empfahl, werden sie nun auch den Winterschlaf bei den Gilberts verbringen. Mann Markus will dazu in der alten Hasenmiste ein Nest bauen. „Dort sind sie geschützt und ich kann sie zur Not füttern“. Im Frühling, wenn sie aus dem Winterschlaf erwachen, sollen sie unbedingt in die Wildnis. „Dass sie hier ihr Revier suchen, ist zu gefährlich“, wegen der Straßen, und viele Nachbarn würden Schneckenkorn ausstreuen, außerdem gebe es hier zu viele Autos. Eine Stelle ist schon gefunden am Rande des Ulstertals.



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