Rund 900 Besucher beim Hip-Hop-Musical „Durch meine Augen“
Leoni Rehnert
Petersberg
Zweimal ausverkauft: Rund 900 Zuschauer haben sich gestern und vorgestern das Hip-Hop-Musical „Durch meine Augen“ im Petersberger Propsteihaus angesehen. Die Mixtur aus Rap, Bewegung und Schauspiel der Kinder und Jugendlichen mit und ohne Behinderung wurde begeistert gefeiert.
Respekt, Respekt, Respekt – für die Leistung jedes Einzelnen, für jene, die alles zu einem großartigen Ganzen zusammengefügt haben, und für die Organisatoren von Jollydent, die zum dritten Mal bewiesen haben, was alles geht – wenn man daran glaubt. Eindreiviertel Stunden haben über 100 Kinder und Jugendliche gestern und vorgestern das Petersberger Propsteihaus gerockt und insgesamt 900 Zuschauer begeistert.
Gespielt, getanzt und gerappt wurde die Geschichte des 16 Jahre alten Kalle: Sein Leben steuert schon seit dem Kindergarten in die falsche Richtung. Er wird gemobbt, in der Schule als Looser beschimpft. Kalle zieht sich zurück und gerät in einen Strudel von Ausgrenzung und Aggressivität: Missverstanden von den Eltern, zurückgewiesen von Gleichaltrigen findet er Anschluss bei falschen Freunden. Kalle lässt alles schleifen, kifft, säuft, hängt nur noch ab, und merkt nicht, wie sehr sich der kleine Mike und Lisa, die ihn so gern mag, um ihn bemühen. Bis es schließlich zum Fiasko kommt.
Mit dem Musical „Durch meine Augen“ ist den Machern ein anspruchsvolles Unterfangen gelungen. Über 100 Darsteller erzählen in gut 100 Minuten das schwierige Leben eines 16-Jährigen – und das mit kaum mehr Requisiten als ein paar Stühlen, Besen und einem Basketball. Jessica Stukenberg und Anna Feuerstein haben es geschafft, Kalles emotionalen Niedergang vom scheuen über den aggressiven bis zum gebrochenen jungen Mann zu zeigen: Durch die Choreografie der Tanz- und Rhythmusgruppen und das chorische Sprechen gelingt es, Kalles Innerstes nach außen zu kehren – während er am Bühnenrand stumm mimisch gekonnt, alle Facetten von Trauer, Verzweiflung und Zorn für das Publikum fühlbar macht.
Besondere gepuscht werden die Akteure und die Geschichte durch die Lieder, die von TeMain, Wlad und Funda gerappt werden. Frank Tischers Musik ist mitreißend, TeMains Texte sind erschütternd und aufrüttelnd zugleich. Die Botschaft lautet: Frag Dich, wo du hin gehörst – und entscheide selbst darüber. Lass Dir den Gedanken nicht rauben, dass man seinen Traum auch leben kann.
Die Zuschauer waren hin und weg. Die Darsteller ebenfalls. Und ihnen allen gebührt großes Lob dafür, dass sie diese Herausforderung so souverän gemeistert haben.
Die Songs sind bereits als CD zu haben. Eine DVD soll es wahrscheinlich noch vor Weihnachten geben.
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