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22. August 2010



Die großen Jungs mit den kleinen Schiffen

FULDA Nur ein paar Schritte vom Ufer der Fulda entfernt fahren die Modellboote des Schiffsmodellsport-Clubs (SMC) Fulda. Neben dem Fuldaer Aueweiher steht das Vereinsheim, in dem sich die Mitglieder wöchentlich treffen, um sich über die neuesten Modelle auszutauschen.

Yorkshireman, Nana, Felicitas, Jan und Weser brummen leise vor sich hin. Auf dem südlichen Fuldaer Aueweiher lässt SMC-Mitglied Norbert Heidtmann sein Modellboot fahren. Mit Elektromotoren ausgestattet, werden die originalgetreuen Schiffchen per Fernsteuerung schnell über das Wasser gelenkt.

„Manche belächeln unser Hobby, weil die großen Männer mit den kleinen Schiffchen fahren. Aber viele bleiben interessiert stehen“, erzählt SMC-Mitglied Thomas Witzel (44). Dabei sei das Lenken mit der Fernsteuerung gar nicht so einfach. Man müsse immer umdenken, in welche Richtung das Schiffchen fahre und wie man nun zu steuern habe.

Da wo jetzt mit den Mini-Schiffen geübt wird, reinigten früher Frauen die Wäsche. Nachdem sie in der gegenüberliegenden Fulda gewaschen worden waren, wurden die Kleider auf das Gras gelegt, um sie weißer zu machen. . Daher hat das Vereinsheim den Namen Bleichhäuschen. Seit 1967 nutzt der SMC, der im Dezember 50-jähriges Bestehen feiert, das alte Gebäude als Vereinsheim. Bis 1983 gab es dort keinen Strom, davor wurden Gaslampen genutzt. 1984 wurde das Vereinsheim von den Mitgliedern grundrenoviert. Auf dem Dachboden, zu dem man nur über eine Leiter gelangt, sind einige Schiffsmodelle eingelagert, für die die Mitglieder zuhause keinen Platz haben. Jeden Sonntag um 10 Uhr treffen sich die 30 Vereinsmitglieder im Alter von 11 bis 84 Jahren, um sich über ihre Modelle auszutauschen und diese fahren zu lassen. Einige kommen sogar aus Fladungen oder Landenhausen nach Fulda, um hier ihrem Hobby zu frönen.

Fulda Verlauf
„Es ist selten, dass man sich von einem der Schiffchen trennt“, erzählt Witzel. Seit 30 Jahren geht er dieser Freizeitbeschäftigung nach und nennt rund 20 Schiffchen sein Eigen. Durch seinen Vater Walter Witzel, der ebenfalls Mitglied des SMC ist, ist er zu dem Modellsport gekommen. „Es ist wichtig, dass die Eltern ihre Kinder in diesem Sport unterstützen, da die Modelle von A nach B gebracht werden müssen“, erklärt Thomas Witzel.

Doch es wird nicht immer nur gefahren: „Im Winter werden die Modelle gebaut, und im Sommer wird gefahren“, erklärt Vereinsvorsitzender Rudi Urbanski (64). Von Mai bis September sei es möglich, auf dem Aueweiher mit den Modellen zu fahren. Im Winter ist der Aueweiher dann zugefroren. „An manchen Modellen arbeitet man sogar mehrere Winter“, sagt Urbanski. Jedes Jahr an Palmsonntag steht dann die Schiffstaufe der neuen Modelle an. 1975 musste sogar einmal auf den Gewässern der Fulda getauft werden, da der Aueweiher zugefroren war. „Viele Vereine beneiden uns um das Gelände und das Gewässer“, sagt Thomas Witzel. Da der Aueweiher ein stehendes Gewässer ist, treiben die Boote nicht ab.

Aber nicht immer ist das stehende Gewässer optimal zum Modellfahren: In heißen Zeiten sinkt der Wasserpegel des grundwassergespeisten Weihers und dann ist es schwierig, die Boote zu Wasser zu lassen. Dabei helfen dann Keilriemen, mit denen die Schiffchen sanft hinabgelassen werden. Dazu werden die Modellboote in zwei Riemen gelegt, auf das Wasser gesetzt – und die Riemen werden wieder weggenommen.

Aber nicht nur vor der Fahrt muss geholfen werden: Es gab auch schon Untergänge. Erst letztes Jahr musste ein Modell bei einer Regatta mit dem Ruderboot gerettet werden, bevor es komplett unterging. „Da hat es nur noch ‚Blubb,Blubb‘ gemacht“, erinnert sich Witzel. Es sei verwunderlich, dass das Schiffchen gerettet werden konnte.
Das Ruderboot, das im Vereinshaus steht, ist aber nicht nur zur Rettung der Schiffe gedacht. Damit werden auch die Bojen ausgelegt, die Tore für die Regattenstrecken bilden.

Einmal im Jahr veranstaltet der SMC Fulda seine Freundschaftsregatta, zu der verschiedene Vereine kommen. Rund zehn Clubs nehmen jedes Jahr teil. Bei der diesjährigen Regatta gingen 50 Modellbauer mit insgesamt 75 Booten an den Start.
1998 wurde – um die Regatten spannender zu machen – der Hessische Liga-Pokal ins Leben gerufen, der einer Hessischen Meisterschaft entspricht, und den der SMC Fulda schon achtmal gewinnen konnte. Drei Teilnehmer jedes Vereins gehen bei fünf Regatten als Mannschaft an den Start. „Bei den Meisterschaften ist reines Kursfahren gefragt, es geht nicht um Schnelligkeit“, erklärt Thomas Witzel.

Und so fahren die Mitglieder noch die restlichen Wochen dieses Sommers – und planen zum 50-jährigen Bestehen ihres Vereins im nächsten Jahr eine Jubiläumsregatta.

Von unserem Redaktionsmitglied
Ann-Katrin Göbel



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