Tegut-Verkauf: Umfrage unter Kunden und Mitarbeitern
Von Volker Nies
Kreis Fulda
Die vereinbarte Übernahme der Tegut-Märkte durch die Schweizer Migros-Kette war am Wochenende Gesprächsthema Nummer 1 bei Mitarbeitern und Kunden. Sorgen, Kritik und gespannte Erwartungen halten sich die Waage.
„Jeder spricht uns auf das Thema an – auch in unserer Freizeit“, berichtet ein Mitarbeiter in einer Filiale im Kreis Fulda, der – wie seine Kollegen – nicht namentlich zitiert werden möchte. „Aus der Zentrale bekamen wir keine Nachrichten. Wir haben nur gespürt, dass es brodelt“, sagt eine Mitarbeiterin.
„Ich bin von Wolfgang Gutberlet enttäuscht“, bewertet eine Angestellte die Entscheidung, die Märkte zu verkaufen. „Mit Migros kann es für uns nur besser werden. Es lief hier nicht mehr rund“, sagt eine andere Verkäuferin. Und eine dritte macht sich sorgen um die Zukunft: „Wir Mitarbeiter haben viel zu verlieren: Es gibt keine Garantien für die Filial-Standorte, Mitarbeiter und das Lohnniveau.“
Auch unter Tegut-Kunden beim Samstagseinkauf gab es zustimmende und ablehnende Stimmen zum Kauf. „Wenn keine Jobs abgebaut werden und die Filialen bleiben, ist die Übernahme eine gute Sache. Migros ist seriös und hat einen guten Ruf“, erklärt Reiner Wald (47) aus Rasdorf. „Offenbar brauchte Tegut ja einen starken Partner. Mit Migros kann Tegut jetzt expandieren. In den Regalen wird es viele Veränderungen geben. Wenn die Vielfalt bleibt, sind wir positiv gestimmt“, sagen Angelika (62) und Wilfried Künne (64) aus Hünfeld.
„Ich bin begeisterter Tegut-Kunde. Die Bioprodukte bekomme ich nirgendwo so wie hier. Ob das mit dem neuen Eigentümer bleibt, weiß ich nicht. Deshalb bin skeptisch“, erklärt Marlene Zebisch (55) aus Gersfeld.
„Ich bedauere den Verkauf, weil er für den Kunden sicher viele Änderungen bringen wird. Würde ich meine Produkte aber weiter zum gewohnten Preis bekommen, dann wäre es okay“, erklärt Mario Cataldo (56) aus Neuhof.
„Schade. Ich habe immer gern regional und bei dem Familienunternehmen Tegut eingekauft. Aber offenbar gab es da jetzt Streit. Ich vertraue aber Migros. Das Sortiment ist wohl ähnlich“, äußert Miriam Nüchter (32) aus Dietershausen. Überrascht von der Übernahme zeigt sich Karl-Heinz Günther (62) aus Fulda: „Tegut hat immer den Eindruck gemacht, hier sei alles in Ordnung. Dann kamen Verkaufsgerüchte und ein scharfes Dementi von Tegut. Nun wird doch verkauft. Ich hätte es begrüßt, wenn es Tegut geschafft hätte, allein zu bleiben.“
„Das ist Wirtschaft. Unternehmen kommen und gehen. Es gibt ständigen Wandel“, entgegnet Geraldine Gehring (44) aus Fulda. „Ich bin gespannt, auch darauf, wie es sich auf die Mitarbeiter auswirkt. Meistens ist es so, dass ein neuer Eigentümer erst einmal viele Strukturen ändert. Das scheint ja auch notwendig, denn Tegut wurde ja nicht ohne Grund verkauft“, sagt Anett Diener (32) aus Flieden-Rückers, die mit Sohn Anton (1) unterwegs ist.
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